Plattenkritiken | Playlists
O Gott, wir bewegen uns mit großen Schritten Richtung 2008 und ich hab’ hier zahlreiche noch unkommentierte Playlists rumfliegen, die für die Öffentlichkeit bestimmt waren und nie fertig gestellt wurden. Betrachten wir es als Anfang vom Ende 2007. Da waren die Chemical Brothers. Man kann von der neuen Chemical Brothers halten, was man will, einen Großteil der Songs hätten sich die Brüder in der Tat sparen können, »Battle Scars« jedoch, das ist stark, ein starkes Stück. Kickt bereits nach wenigen Sekunden. Fad Gadget-artiger Neo-New-Wave, britisch und dunkel wie eine Nacht im London Dungeon. Oder etwas deutlicher gesagt: »Battle Scars« bewahrt die Chemical Brothers vor der Bedeutungslosigkeit. (Chemical Brothers at MySpace)
Einige vermuten richtig, dass die ganz großen Alben nicht aus 2007 kommen. Oder am Ende vielleicht doch? Musik macht Pause. Große Hits hat es während der letzten elf Vollmonde mit seinen Drumherumphasen allerdings einige gegeben: »If you got the money«, »Let’s dance to Joy Divison«, »D.A.N.C.E.«, »Fledermaus can’t get it« und »North American Scum«, um nur einige zu nennen. Supermayer’s »The art of letting« könnte auch einer werden. Hinter dem großartigen Namen stecken Michael Mayer und Superpitcher, beides Kölnschule, beides Kompakt und beides alte Hasen mit neuer Mission: »Save the World«, so der Titel des Albums, das bereits im September veröffentlicht wurde. Das Album in ganzer Länge ist fabelhaft, wie sich später herausstellen sollte. Das »Konzeptalbum« ist mit »Save the World« endlich mal wieder positiv besetzt – die 63 Minuten dürfen zu Recht als runde Sache bezeichnet werden. Die grandiose YouTube-Compilation auf dieser Seite zeugt übrigens von dem großen Einfluss, den dieses Superduo in diesem Spätsommer auf mich hatte. Das Superhelden-Comic-Artwork stammt von Kat Menschik.
Kate Nash’s »Foundations«, seit einigen Monaten Londons Lieblingszeitvertreib im Pub deines Vertrauens, kommt jetzt endlich auch in Deutschland in die Läden. Bis September müsst ihr euch allerdings noch gedulden (ein wenig überholt, ich weiß). Nach dem fulminanten Sprung auf Platz 2 der UK-Charts ging es ebenso fulminant weiter: Für ihr Album »Made of Bricks« sprang sogar Platz 1 heraus. Da scheint mehr drin zu sein als ein One-Hit-Wonder – Nash wird derzeit allenfalls von Bat For Lashes flankiert und bestrichen. Beides Pflichtkäufe. (Kate Nash at MySpace)
Ein letztes Wort noch zu Caribou, unserem Lieblingsdoktor der Mathematik, der keinen Widerspruch darin sieht, sein Umfeld regelmäßig mit schönster Musik zu versorgen. Mit seinem Album »Andorra« hat der Vollblut-Workaholic aus London ein höchst beachtenswertes Album abgeliefert, das mit besten Kritiken gesegnet relativ schnell wieder von der Bildfläche verschwand, so die Eigenwahrnehmung. Sauerkrautige 60s-Psychedelik für das Jahr 2080. Reich, schön und über irdische Dinge erhaben. Wer »Melody Day« im Four-Tet-Remix gehört hat, weiß, wovon ich spreche. Zu gut zum Vergessen! (Caribou at MySpace)
Sendung vom 09.08.07 · 19 – 20 Uhr · Radio X · zum Livestream
01. Mark Ronson – Oh My God [feat. Lily Allen] (Sony/BMG)
02. Kate Nash – Foundations (Fiction Records/Polydor)
03. Architecture In Helsinki – Debbie (V2)
04. Architecture in Helsinki – Heart it Races (V2)
05. The Chemical Brothers – Battle scars feat. Willy Mason (EMI)
06. Supermayer – The Art of letting (Kompakt)
07. The Bellmer Dolls – Push Push (Dogprint Records)
08. Caribou – Sandy (City Slang)
09. Caribou – Melody Day [Four Tet Remix] (City Slang)
10. South Central – Revolution (Regal Recordings)
Gregor, 28.11.07 | 0 Kommentare »
Plattenkritiken | Playlists
Drüben bei music for maniacs findet sich übrigens immer mal wieder was zum Thema »Roboter«. Gerade gestern über »Music for (and by) Robots« gestolpert, einer zweistündigen Reise durch irrwitzige Plattenarien. Ein Mixmisch aus 50s/’60s Space Age Records, Spoken-Word/Comedy, Film- & TV-Clips, Kinderschallplatten, Dictionaraoke, altem New-Wave, Sound-Effekten, ’70s Funk und anderen kurzlebigen Aufnahmen von Musikern wie beispielsweise Jean-Jacques Perrey, Bruce Haack und Frank Comstock. In diesem Blog bin ich einst auch auf den Song »Robots can’t Cry« vom Satanic Puppeteer Orchestra gestoßen, einem schönen Cure-Cover. Hinter dem Satanic Puppeteer Orchestra verstecken sich der verrückte Professor B. Miller und sein Roboterfreund SPO-20. Von der Musikindustrie genervt, beschloss der Forscher seinerzeit, einen Roboter zu entwickeln, der die Kompositionsarbeit übernehmen sollte. Fehlende Begabung und anhaltende Erfolglosigkeit zwangen später allerdings zum Umdenken: SPO-20 wurde Sänger und Frontman des Satanic Puppeteer Orchestras, der Professor hielt sich mehr im Hintergrund. Auch gut. (Satanic Puppeteer Orchestra MySpace)
Ganz ähnlich erging es Wolfgang, der in den frühen 80ern von einem amerikanischen Videospiele-Tycoon entwickelt wurde. Als Prototyp konzipiert, verfügt Wolfgang über die Natur der menschlichen Gefühle und Gedankengänge. Enzyklopädische Sachkenntnisse über die Populärmusik der 80er Jahre sind seinerzeit bewusst in die Programmierung eingeflossen. Auf deren Grundlage sollte Wolfgang nämlich Hits komponieren und seinem Erfinder Geld und Ruhm bescheren. Der Schuss ging nach hinten los. Songs wie »Rocketship Rangers« und »Galaxy Battalion« waren die Folge, mehr eine Form des Aufbegehrens gegen Macht und Unterdrückung denn Smashhit. Wolfgang landete auf dem Müll. Knapp 25 Jahre später wurde er in Brooklyn von politischen Aktivisten in einem alten Container entdeckt und liebevoll restauriert. Wolfgang bemerkte schnell, dass er sich in seinen Retter verliebt hatte. Dieses wunderbare Gefühl erlaubte ihm fortan, Musik zu komponieren, so, wie es seine Bestimmung einst vorsah. Nur leider wurde die Liebe des Humanoids nicht erwidert. Er wurde nachdenklich und traurig: »Wolfgang’s songs illustrate the experience of happiness and heartache, of the initial joy and eventual hopelessness that accompanies unrequited love.« So ist das mit den menschlichen Gefühlen. Ohne Katastrophe keine Apokalypse und kein Paradies. (Wolfgang at MySpace)
Pornophonique – Sad Robot!
Ein Meilenstein elektronischer Robotermusik ist ganz sicher Consoles »14 Zero Zero« aus dem Jahr 1998. Bis vor kurzem dachte ich, Gretschmann hat seine Stimme einfach nur durch einen Vocoder gejagt. Weit gefehlt. Dahinter steckt harte Entwicklungsarbeit. Der Gesang wurde vollständig gebaut, und zwar mit Hilfe eines Mac-Programms namens Simple-Text, mit dem man Silben in Notenwerte verwandeln kann. »Der Computer singt, wie cool«, soll Gretschmanns erste Äußerung gewesen sein. (Watch »14 Zero Zero« at YouTube)
Eine wichtige Platte, quasi ein Standardwerk der Roboterologie, stammt von Forrest J. Ackerman und Frank Coe: »Music For Robots« (Science Fiction Records, 1964). »This mindbending collection combines the all-knowing Ackerman.s out-of-this-world musings of robots in literature and cinema with the cosmic electronic musical wizardy of Coe.« Unbedingt studieren! Außerdem macht gerade eine Daft-Punk-Choreografie namens »Harder Bodies Faster Stronger« in YouTube City die Runde. Nicht richtig gut, aber bemüht. Der Höhepunkt liegt bei etwas mehr als zwei Minuten. Ganz ähnlich in seiner Ästhetik, aber eine Nasenspitze voraus ist »Lev and Thumpbot play Crazy«: »LEV the thereminbot and his newly-built pal thumpbot play Crazy with help from a 20-year-old MT32 synthesizer«. Nettes Spielzeug, diese Installation. In diesem Zusammenhang unbedingt noch mal einen Blick auf meinen Eintrag »Mensch – Maschine – Stars« werfen. Dank euch sind einige schöne Videos dazugekommen.
Sendung vom 27.09.07 – 19 – 20 Uhr – Radio X – zum Livestream
01. Kraftwerk – Die Roboter (Klingklang/EMI)
02. Console – 14 Zero Zero (Virgin)
03. Mr. Velcro Fastener – Real Robots don’t die (Statra Recordings)
04. I’m From Barcelona – We’re from Barcelona [Adventure Kid RMX]
05. Satanic Puppeteer Orchestra – Robots can’t cry (MP3)
06. Pornophonique – Sad Robot (pornophonique.de)
07. Wolfgang – Not in love [not true] (Hypnote Recording Concern)
08. Björk – All is full of love (Polygram)
09. Boy Robot – Invaders of vanity clubland (City Centre Offices)
10. The Giant Robots – Get away (Voodoo Rhythm)
Standbye-Titel
11. Justine Electra – Fancy Robots (City Slang)
12. Flaming Lips – Yoshimi Battles the Pink Robots pt. 1 (Warner)
13. Styx – Mr. Roboto (A&M)
14. Add (n) to X – Plug me in (Mute)
15. Tujiko Noriko – Robot Hero (Tomlab)
Noch mehr Roboter
Super Furry Animals – »Sex, War and Robots« · Wax Fang – »Sweet Bloody Murder« · Electric Six – »Don’t be afraid of the Robot« · Guided By Voices – »Tropical Robot« · Youth Group – »Catching and Killing« · The Broken Family Band – »Song against Robots« · Alexander Robotnick – »Love Robot« · Anthony Rother – »Destroy him my Robots« · The Sammies – »Angry Robots Revolt« · T.V. On The Radio – »Robots« · The Softlightes – »The Robots in my room were playing Arena Rock« · Minutemen – »Mr. Robot’s holy orders«
Gregor, 18.11.07 | 2 Kommentare »
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Und wieder mit sechswöchiger Verspätung an die Playlist gesetzt. Das steht wie eine Eins für Beständigkeit. Geht ja sowieso mehr darum, den ein oder anderen Song, das ein oder andere Album in Verbindung mit dem einen oder anderen Musiker in Worte zu kleiden. Wer hört schon die Machtdose auf Radio X? Den Anfang macht diesmal das Stück »All my friends« im John-Cale-Cover. Mit acht Minuten geschätzte sieben Mal so lang wie das Original von LCD Soundsystem und herausragend alttoll dank durchdringender Zeitlosstimme (in Wirklichkeit ist das Lied übrigens sieben Sekunden kürzer). Cale war bis 1968 Teil von Velvet Underground. Danach hat er vornehmlich als Solokünstler von sich reden gemacht, u.a. als Vertreter der Minimal Music. Mit »All my friends« hat LCDS-Macher James Murphy gleich zwei 7«s auf den Markt geworfen. Single #1 enthält neben dem Original die John-Cale-Version, Single #2 enthält eine von Erol Alkan produzierte Franz-Ferdinand-Fassung sowie ein LCD-Cover von Joy Division’s »No Love Lost« auf der Flipside (alle Songs sind übrigens auch auf CD zu haben). Warum die FF-Version in der Hörermeinung zahlreicher Internet-Foren den Vorzug erhält, ist mir ein Rätsel. John Cales hypnotisch-trippige Darbietung liegt für mich klar vorne. Und überhaupt. Was gibt es Schöneres als das Original? Richtig! Ein gutgemachter Coversong. Ende des Jahres wird dann wahrscheinlich wahr, was ich seit Februar vermute: Das LCD Soundsystem wird mit dem Album »Sound of Silver« zum bereits zweiten Mal meine Hitliste anführen und zum dritten Mal in die Top Ten rutschen (2003 hat sich die 12« »Loosing my Edge« ebenfalls in die Albumcharts gemogelt). Das hat zuvor noch niemand geschafft. Demnächst folgt vermutlich ein Preis für’s Lebenswerk, denn: Ich mag das Zeug!
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Gregor, 11.08.07 | 0 Kommentare »
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Indierock war gestern, dieser Tage bin ich auf Popmusik. Motto: »This is the summer of POP Experience«. Bestenfalls die Battles (MySpace) mit ihrem präzisen und bisweilen auditiven Verarbeitungsraster mögen da an Gitarre erinnern. File under Helium-Mathrock. Eine gepitchte Mickey-Maus-Stimme trifft auf die Erbengemeinschaft der Mathrockmeister Shellack oder auch auf Helmet, der ehemaligen Band des Schlagzeugers John Stanier. Mit »Atlas« hat das Quartett sogar einen veritablen Hit, der die Gemüter in Euphorie versetzen dürfte. Bei einer Spielzeit von über sieben Minuten bleibt jedenfalls genug Zeit, den Kopf vom Hals zu nehmen. Soll das Gehirn jung halten! Warp hat mit diesem Signing mal wieder gezeigt, dass man ihnen das Besondere überlassen kann, den Welterneuerern, wenn gar -erfindern.
Die Battles sind klasse, die Helden der Stunde sind allerdings andere. Sie heißen Justice (MySpace) und kommen aus Paris. »Justice?« Wirst du demnächst die Frau beim Bäcker fragen können, und sie wird sagen: »Klar, die DJ- und Produzenten-Weirdos aus Frankreich«. Justice sind auf dem Sprung in die Weltspitze, werden demnächst von Versace und Mercedes gebucht, dürfen in Dubai auflegen und zukünftig DJ-Seminare geben. Kurzum: Die Welt hat zwei neue DJ-Stars. War ja auch mal an der Zeit. Das Hauptaugenmerk liegt dieser Tage jedoch auf dem anstehenden Album-Release und nicht etwa auf ihren berüchtigten DJ-Sets. »â€ « (»Cross«) wird demnächst das Land fluten, Keller unter Wasser setzen und das Technische Hilfswerk auf den Plan rufen. Wieder mal so ein Bouncer-Album, das Bäume verbiegt. Gaspard Augæ und Xavier de Rosnay sind Hüpfburgenbauer, die dir einen Tritt in den Arsch verpassen. Übergewicht gilt hier nicht, die Beats sind zwar fett, aber gut zu verdauen. »â€ « ist so französisch wie French House, lebt jedoch von den Produktionsmoden und -methoden der Gegenwart. Max Dax nennt ihren Stil in der aktuellen Spex »durchgeknallte Hooligan-Elektronika«, der Begriff »Neo-Daft-Punk« macht andernorts die Runde. Alles zittert, bratzt und bangt auf P.A.R.T.Y. wie ein Glockenhund auf Ecstasy. Bewegungslahm war gestern. Ihr werdet nicht umhin kommen, euch in nächster Zeit mit diesem Duett zu beschäftigen, es sei den, ihr lebt in einer anderen Welt, einer schlechteren. mehr »
Gregor, 12.06.07 | 0 Kommentare »
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Konnte ja keiner mit rechnen, dass Mark. E. Smiths musikalischer Höhepunkt in dieses Jahrtausend fällt, er selbst wahrscheinlich am wenigsten. Nach »Country On The Click« (2003), »Fall Heads Roll« (2005), »Reformation Post TLC« (2007) und dem gerade erarbeiteten Geniestreich »Tromatic Reflexxions« gibt es beste Gründe, den Fall Fall neu zu behandeln. Alles tolle, gereifte Alben, die vor 31 Jahren, als sich die One-Man-Band in Manchester gründete, zwar nicht komplett anders geklungen hätten, aber doch eben anders. »Tromatic Reflexxions« ist aber nicht nur das Ergebnis eines brummigen Einzelgängers, der soziale Bindungen scheut, vielmehr hat sich Smith mit den Besten zusammengetan, die für sein Nebenprojekt Neuschöpfung in Frage kamen: Mouse On Mars, die wahrscheinlich auch den ersten Schritt machten. Das Ergebnis heißt Von Südenfed, in dem angeblich das UK-Hustenmittel Sudafed auf Jan St. Werners Heimat trifft, auf Süddeutschland nämlich. Guter Name. Großartiger Name sogar. Teamarbeit inbegriffen. Die aktuelle Single »Fledermaus can’t get it« besteht aus ordentlich Druck und Energie, ein Clubbouncer, der killermäßig brummt und wummert. Erinnert mich an das LCD Soundsystem, von dem Mark E. Smith offenbar nicht besonders angetan ist
»What a rip-off!” he spits. “I’m very insulted. I went into my local shop a few weeks ago, where I go for groceries. There’s an Irish bloke in there, very nice, and he was playing this ["Losing My Edge"]. I said, ‘This sounds exactly like me,are you trying to take the piss?’ At which point, the bloke’s getting a bit paranoid, because obivously he’s no idea who I am. He says, ‘It’s just a record I like, that’s all.’ I mean, this bloke [James Murphy], I’ve met him, he doesn’t even talk like that, he’s New York, New Jersey, or whatever. Just a New York arsehole. And it’s the same rhythm as I was using with Mouse On Mars, the same one we laid down…« [Mark E. Smith. Wire, 05/07]
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Gregor, 14.05.07 | 1 Kommentar »
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On Air verspreche ich gerne und oft, dass die im Radio vorgestellten Titel und ihre Interpreten auf dieser Seite landen, in einer Sendung von Mitte März etwa, die dann korrekt gelistet und mit einigen hilfreichen Hinweisen verlinkt etwas über meinen Geschmack und meine aktuellen Hörgewohnheiten aussagen sollen. Landen tut hier dann manchmal gar nix, was auch nicht weiter stört, bestenfalls mich aber, der gerne den Gründlichen rauskehrt. Ich sag’ mal, dass es an der Zeit liegt, die ich oft nicht habe oder nicht zu haben glaube. Man kann sowieso nicht behaupten, der 2.0 fehle es an Listen. Wenn ihr diese nicht bekommt, schaut euch eben eine andere an. Groß genug ist er ja, der »Ozean der Gleichzeitigkeit«. Rewind. Gehen wir von dem Fall aus, dass euch das Internet nicht überfordert und dass euch etwas an meinen Empfehlungen liegt. 15. März 2007. In dieser Machtdose ging es um eine Band, deren Mitglieder in ihren Texten den vielen Pussys nachtrauern, die sie in ihrer Jugend zu Gesicht bekommen haben. Grinderman heißt das Quartett, drei Bartgesichter dabei, zwei mit Vollbart, einer mit bedeckter Oberlippe, einst mein Doppelgänger und mit neuem Look wieder dicht dran an mir, was so nicht stimmt, so aber stimmen könnte, wenn mein Haar nicht irgendwann den Geist aufgegeben hätte. Nick Cave, zusammen mit Warren Ellis (Dirty Three), Martyn Casey und Jim Sclavunos (beide The Bad Seeds) die gerade wohl griesgrämig dreinblickendste Band des Planeten, debütierten im März mit ihrem gleichnamigen Album (die Weltpresse berichtete). Der oben gemachten Aussage folgend mag ich das Album ganz gerne. Nach dem Hören der elf Lieder möchte man Birthday Party aus der Plattenkiste kramen und Vergleiche ziehen. »Modern produziert« wird man mich denken hören, und »clever weitergedacht, den Bluespunk der frühen Tage«. Schön Wah-Wah, viel Pedal drin und außerdem soooo knurrig gespielt, dass einem Angst und Bange wird. Wie heißt es so schön auf der Labelseite: »Grinderman sind alles andere als Weicheier«. Oh weia, aufpassen. Den Rest der Geschichte erfragen sie bitte in der Suchmaschine ihrer Wahl. Oder schauen sie sich gleich das Grinderman Portrait auf BBC an.
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Gregor, 03.05.07 | 0 Kommentare »
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Sieben Tage Bettruhe — das hilft, die gesellschaftliche Realität etwas besser einzuordnen. Viel Fernsehen und ein gesteigertes Interesse an den Randnotizen des bundesrepublikanischen Alltags, von der Frankfurter Rundschau verbreitet, vermittelten mir ein eigenartiges Bild deutscher Behaglichkeit. Fieber hatte ich keins, kann aber doch mit meiner Krankheit zusammenhängen, dass 50.000 Besucher anlässlich der Neueröffnung des Ikea-Marktes in Nieder-Eschbach einen spontanen Aufschrei der Empörung verursachten und meinen angeschlagenen Zustand direkt um weitere drei Tage verlängerten. »Die Stimmung war gut« hieß es in dem Artikel, es gab Begrüßungsgutscheine und – ich vermute mal — Hot Dog und Billys in ausreichender Menge. Eröffnungs-Einkaufspartys sind beliebt, keine Frage. Ähnlich überrascht war ich dann auch von der Tatsache, dass die 80.000 Karten für das Spiel Dortmund gegen Nürnberg bereits im Vorfeld vergriffen waren. Dortmund – Nürnberg! Was geht’n da, fragt man sich? Ich nenn’ das mal Gleichgültigkeit in seiner reinsten Form, die da eine ganze Nation ergriffen hat. Alles Hallodris, wenn ihr mich fragt. Aber das ist ja nichts Neues. So viel zu den Zahlen der Woche. Just Jack ist kein Hallodri, der englische Tugendbold und Traum aller Schwiegermütter hat nämlich die bisher eingängigste Single des Jahres veröffentlicht, seltsamerweise weiß nur noch niemand etwas davon, zumindest lese und höre ich nichts von ihm. Ein Gradmesser für die Richtigkeit meiner Behauptung ist die Wirkung dieses Songs auf mein Gemüt, und das ist allzeit in bester Stimmung, wenn »Starz in their eyes« aus meinen Boxen tönt. Ob bei Just Jack mehr drin ist, kann ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Klassisches postdigitales »Single-only Phänomen«, bisher jedenfalls.
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Gregor, 20.03.07 | 1 Kommentar »
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Jamie T ist der Mann der Stunde. Mein Mann der Stunde. Hat schon seine Gründe, warum der 20-jährige derzeit in aller Munde ist. Der Londoner schreibt einfach brillante Songs! »If you got the money« etwa aktiviert die Lust auf Sex, das Immunsystem wird gestärkt und deine psychische Stabilität steigt ins Unermessliche. Was will man mehr? Ein Mal am Tag einen Song mit dieser Kraft hören, und der verdammte Virus, den Deutschland in diesen Tagen ergriffen hat, könnte dich kreuzweise. Erzähl das mal deiner Krankenkasse. »If You Got the Money« hat ähnlich viele Endorphine in mir ausgeschüttet wie einst die Arctic Monkeys mit »Choo Choo« und »I bet you look good on the dancefloor«. Zumindest dieser Vergleich greift. Ein bisschen AM steckt möglicherweise wirklich in Jamie T, Mike Skinner ist dabei, auch die legendären The Clash sind rauszuhören. Die vielen Vergleiche, die in der Musikpresse umhergeistern, sind nicht unbedingt aus der Luft gegriffen, der Musik schadet das allerdings wenig. Jamie T ist ein Bastard von Musiker, dem der Frühling gehört, ja, dem das Jahr gehört — und die Zukunft. In diesem Augenblick jedoch hat er das beste Album veröffentlicht, das er jemals veröffentlichen wird. Hut ab!
Jamie T @ MySpace
Jamie T – If You Got the Money [Video]
Jamie T – Sheila [Video]
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Gregor, 07.02.07 | 0 Kommentare »
Playlists
Zu dieser Sendung ist wohl alles gesagt. Habe meinen persönlichen Jahres-Hitmix nun auch On Air verbraten. Hier die Playlist – für die Statistik.
Radio X am 11.01.07 – 19-20 Uhr – Radio X – Ich höre Radio X
01. New Young Pony Club — Get Dancey
02. Beirut — Mount Wroclai (4AD)
03. Bonnie »Prince« Billy — Then The Letting Go (Domino)
04. Sonic Youth — Turquoise Boy (Geffen)
05. Guitar — Tokyo Memory (Onitor)
06. Trentemöller — Evil Dub (Poker Flat Recordings)
07. The Knife — We share our mother’s health (Rabid/Cooperative Music)
08. Peter Bjorn & John — Young Folks [Beyond the wizard's sleeve RMX] (Cooperative Music)
09. Bonobo — Days to come (Ninja Tune)
10. PeterLicht — Wir werden siegen (Motor)
Gregor, 12.01.07 | 2 Kommentare »
Playlists
Es weihnachtet, und auf dem Weihnachtsmarkt werden die guten alten Weihnachtslieder durchs Karussell gedreht, bis sie einem endgültig auf den Keks gehen. Die Machtdose ist derweil im Auftrag des Herrn unterwegs, oder genauer gesagt im Auftrag einer Lady: Aretha Franklin singt »I’m gonna find myself an angel« — und irgendwo müssen sie doch sein, die Engel, die man gerne flattern hört. Hier eine Auswahl. Und es ist kein Weihnachtslied dabei, versprochen!
Sendung vom 14.12.2006 – 19-20 Uhr – zu Gast: Charlotte Brombach – Radio X – Ich höre Radio X
01. Eagle Seagull – Holy (auf: »Eagle Seagull«)
02. Aretha Franklin — Angel (auf: »Respect — the very best of«)
03. The Decemberist – Of angels and angles (auf: »The Decemberists present »Picaresque««)
04. Laura Veirs – Lonely angel dust (auf: »Carbon glacier«)
05. PJ Harvey — Angel (auf: »B-Sides«)
06. Mi & L’Au – Bums (auf: »Mi & L’Au«)
07. Uzi & Ari – Mountain / Molehill (auf: »It’s freezing out«)
08. Belle & Sebastian – Marx and Engels (auf: »I’m waking up to us«)
09. Howe Gelb – Paradise here abouts (auf: »Sno angel like you«)
10. The Beat Happening – Angel gone (auf: »Music to climb the apple tree by«)
11. Hannah Marcus – Lucifer (auf: »X«)
12. White Stripes – Lord, send me an angel (auf gleichnamiger 7-Inch)
13. Daniel Johnston – Some time spent in heaven (auf: »Rejected unknown«)
14. Pharrell — Angel (auf: »In my mind«)
15. Talking Heads – Thank you for sending me an angel (auf: »Stop making sense«)
Vgl. hierzu auch Sendung vom 08.04.2004: No Angels
Gregor, 19.12.06 | 0 Kommentare »