Die besten Alben 2012 – Plätze 3


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Sebastians No. 3:

Archive – With us until you’re dead
(Dangervisit / Cooperative / Universal, VÖ: 31.08.2012)

Seltsam: Alle Persönlichkeiten aus meiner unmittelbaren Umgebung, die sich für Musik interessieren, schätzen With us until you’re dead, aber die seriöse Musikkritik beachtet das Album nicht. Keine Ahnung, woran das liegt! Abwechslungsreiche mal prog-elektro-popig, mal trip-hopig aufbereitete Songideen haben mich das Album dutzende Male hören lassen. Und das für Archive Erstaunliche: Kein Song bläht sich über Maßen auf, so dass das Album als Ganzes funktioniert und damit auch die Existenz dieses Polls (Albumformat noch zeitgemäß?) als berechtigt erscheinen lässt!


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Rolands No. 3:

Ed Tullett – Never Joy
(Equal Vision Records, VÖ: 04.12.2012)

Sollten Sie unseren Podcast hören, könnten Sie diesen jungen Mann bereits kennen. Im April spielten wir nämlich zwei Stücke seines Albums „Never Joy“, das er 2011 selbst unter CC-Lizenz als Pay-what-you-want herausbrachte. Die wurde jetzt remastert und Anfang diesen Monats neu beim Label Equal Vision rausgebracht. Heißt also: giltet auch für 2012.

Ich absolut lie-hie-be diese Platte (und das Cover! Hätte ich gerne n Poster von), hier sind wir jetzt in der Komfortzone derjenigen Alben, die ich dann dieses Jahr auch tatsächlich in ausgiebiger Form gehört habe. Ed Tullett ist gerade mal 19 Jahre jung; er hat gerade irgendeinen von Bon Iver initiierten Musikwettbewerb gewonnen und das kann nun gar nicht erstaunen, denn der ist schon sein sehr, sehr deutliches Vorbild (just take the Fistelgesang). Das ist gut und schlecht, denn die Songs sind hier noch deutlicher Songs, was ja bei Iver immer mehr sich so in Song- und Soundfragmente auflöst (und Ed hat eine EP rausgebracht, die deutlich in diese Richtung geht, find ich aber schade, denn:) ich mag ja vor allem das erste Iver-Album deshalb, weil da die Tracks noch einigermaßen zusammengehalten sind (bzw. zwei der großartigsten Lieder der letzten 10 Jahre enthalten). So kriegt hier bei Ed im Vergleich noch „klassischeres“ Songwritertum, so mit Banjoklimper und allem, aber ich finde eben auch mit viel, viel musikalischem Talent.

Dass nun im Zuge der obigen Veröffentlichung die CC-lizenzierte auf Bandcamp vom Netz genommen und „einfach“ die Lizenz wieder geändert wurde, mögen wir ihm deshalb auch verzeihen. Leider fehlen aber auf der Neuveröffentlichung die Bonustracks, die ganz besondere Knaller waren. Aber auch so lohnt das Album. Sehr!


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Gregors No. 3:

Lauer – Philipps
(Running Back / Rough Trade , VÖ: 04.05.2012)

Das erste Mal in einem verlassenen Kino gehört, morgens um fünf und über Boxen, die Breite mal Höhe mal Tiefe Lastergröße hatten. Klang auf jeden Fall sauber und die knapp 700 Besucher, die dort Party, waren bereits Bett (»mit wirkungsvollem Risikomanagement sicher zum Projekterfolg«). Lauer neben mir, der die Tracks bei sich trug und für den Mann am Kehrbesen noch mal in die Anlage schob. Licht war noch aus. Plötzlich begann der Bodenteppich unter meinen Füßen zu schmoren und der Saal brannte vollständig aus. Seitdem die große Album-Konstante, speziell in der Jahresmitte. Wäre das hier die Champions League, Lauer wäre jetzt an Lindstrøm und Prins Thomas vorbeigezogen. Völlig unterschätzt, wenn ihr mich fragt.

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9 Antworten auf Die besten Alben 2012 – Plätze 3

  1. seb sagt:

    „Tullett“ ist m.E. falsch, da nur mit einnem t geschrieben. Ihn nicht mit BI zu vergleichen, käme eines Gehörverlustes gleich! Lauer gibt´s nicht auf Spotify. Schade, denn der eine Track lässt hoffen!

  2. Roland sagt:

    die t’s wurden hinzugefügt. Ich schrieb es gestern schon Gregor, und wir sind hier zwar mehr oder weniger unter uns, aber in einer Weise unser insprierendster Poll ever, vielleicht, weil ich eben wenig gehört habe dies Jahr, wahrscheinlicher aber, weil das wirklich zum Teil überraschend schöne Nennungen jeweils von Euch sind…

  3. Roland sagt:

    Archive hatte ich sowas von gar nicht auf dem Schirm und rein gefühlt (und da geht es mir vielleicht wie vielen) irgendwie auch als „durch“ abgelegt. Aber jetzt beim Anhören/sehn des Videos klingts doch wieder ansprechend, werds mir also nochmal zu Gemüte führn. Lauer ist ja sehr klassisch, da weiß ich noch nicht, obs fruchtet, but I will try.

  4. Paulsen sagt:

    So, da ich nicht dazu kam meinen Platz 4 zu posten mach ich das jetzt noch:

    Number 4: Frank Ocean – Channel ORANGE

    Eigentlich find ich R&B nicht gerade Hetero und wenn die Ne-Yo’s und Chris Browns und wie sie alle heißen aus dem Radio ihr sanftes Liedchen trällern, dann hilft meist nur eins: Laufen! Aber was dieses Jahr in Sachen R&B abging ist fast schon phänomenal! Erwähnt werden sollten hier vorallem Tom Krell aka How To Dress Well, Abel Tesfaye aka The Weeknd und eben Christopher Francis Ocean, besser bekannt als Frank Ocean. Alle drei lieferten ein ähnliches Album ab, doch nur einer von ihnen konnte es auch in meine Top10 schaffen. Auf diesem Album ist nichts wie es scheint, hier noch so soft, dass einem der Zucker von den Wänden läuft, da schon rotzfrech und mit der Strat in der Hand als gäbs kein morgen mehr. Ein Meisterwerk voll von progressivstem R&B, den chilligsten Momenten des Jahres und seiner Stimme, die auch zu später Stunde immerwieder Sonnen aufgehen lässt.

    http://open.spotify.com/user/1123633664/playlist/2THvWLNjq5ZsRwaZur9P0X

    Und ab jetzt wirds spannend!
    Meine Top3 zu ordnen war dieses Jahr wirklich ein Graus, so schwer fiel es mir und eigentlich hatte ich schon beschlossen einen Platz 1 mit drei Anwärtern niederzuschreiben, konnte mich aber dann doch nicht damit abfinden.
    Nun mein Platz 3, mit dem Anhang, dass zwischen den Plätzen 1-2-3 nur ein Millimeterchen Unterschied besteht, wenn überhaupt. Aber jetzt:

    Number 3: The XX – Coexist

    Was ein wundervoller Traum eines Albums! Für die Nacht geschrieben, oder sollte ich besser sagen, die Nacht ist für diese Musik gemacht? Wie wundervoll Romys Stimme über der Gitarre und ihrem Bass schwebt, hach, fantastisch! Aber das beste kommt erst noch. Denn das markanteste und überragendste Element im gesamten Album ist das PC-Drumming von Jamie XX. Hier zählt das alte Sprichwort „weniger ist mehr“, denn Jamie „spielt“ so unglaublich punktuell, grandios rhythmisch und weiß die Stille als Instrument ebenso zu nutzen wie die mächtige Dancefloor Kickdrum.

  5. Roland sagt:

    Achja, Frank Ocean. R&B ist nicht meins und wirds nie sein. Da bleibt dann wohl nur Ignoranz.

  6. seb sagt:

    The XX zündet bei mir nicht so. Typisches Album, das ich mir gerne angehört habe (gute Hintergrundsmucke), mehr aber auch nicht!

  7. Andrea Quintus sagt:

    The XX zündet bei mir gar nicht, habe mehr erwartet nach den latuten Ankündigungen in best. Feuilletons.
    Als Hintergrundmusik in trendigen Läden vllt.

  8. Hannah und Martin Lindner sagt:

    3/ Archive: H: „Gefällt mir. In Ordnung. Nette Video-Idee.“ — M: „Ja, mag ich auch.“

    3/ Ed Tullett: H: „Ich mag Akustikgitarren udn Folkgesang. Etwas zu pathetisch. Und die Frauenstimme: zu naiv. Die hätte er weglassen sollen.“ — M: „Ist mir zu normal. Ich mag keine 08/15-Folk-Balladen.“

    3/ Lauer: H: Versteh ich nicht. Keine Bewertung. — M: Schließe mich an. Kann ich nichts damit anfangen.

  9. Hannah und Martin Lindner sagt:

    5/ Bear In Heaven: H: „Von mir aus in Ordnung. Das ist wenigstens ein LIED. Genehmigt.“ — M: „Orchestral Manoeuvres in the Dark.“

    5/ Lost in the Trees: H: „Ich mag keine Kopfstimmen. Aber eigentlich ist es in Ordnung. Der instrumentale Teil ist gut.“ — M: „Leute, die spielen können, mit Pullundern. Schon wieder ein wenig zuviel Kunst für meinen Geschmack.“

    5/ Wild Nothing: M: „Eine junge Jungensband!“ — H: „Finde ich schon sympathisch.“ — M: „Aber so gut wie Smiths, ich weiß nicht?“ — H: „Smiths finde ich besser.“ (Sie kennt eine Live-CD aus dem Auto und mag da ein Stück.)

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