Die besten Alben 2012 – Plätze 4


Grzzlbr

Sebastians No. 4:

Grizzly Bear – Shields
(Warp / Rough Trade, VÖ: 14.09.2012)

Auch Grizzly Bear haben sich mit ihrem neuen Album unauslöschlich mit meinem Lebensgefühl in diesem Jahr verwoben, an dessen so genannten Spätsommer ich mich nicht mehr ohne ihre dezent-raffiniert arrangierten, variantenreichen Songs erinnern kann. Keiner schüttelt Kombinationen aus Melancholie und Leichtigkeit so mühelos aus dem Ärmel! Bei akzentuiert eingesetzter Mehrstimmigkeit und viel Akustik-(freilich aber auch E-)Gitarrenklängen schimmern ihre American-Folk-Wurzeln durch und sorgen für eine Art Widererkennungseffekt. Unvergleichlich lässig, wie sie der Seichtigkeit immer wieder durch psychedelische Anwandlungen erfolgreich entflüchten. Was mir bei Veckatimest noch etwas kontingent erschien, ist jetzt einer stillen Größe gewichen!


phn

Rolands No. 4:

phon.o – Black Boulder
(50 Weapons / Rough Trade, VÖ: 18.05.2012)

Ich glaube, ich schreibe dann auch jedes Jahr zu den Listen: eh nur Momentaufnahmen, wer weiß, was man alles verpasst hat und später noch kommt. Warum hatte ich zB letztes Jahr nicht das großartige „What?“ von Bodi Bill auf dem Schirm und das Jahr davor Mount Kimbies „Crooks & Lovers“ verpasst, beides Platten, die ich seitdem noch und nöcher gehört habe. Beide seien erwähnt, weil sie gut hierher passen, siehe gleich.

Und letztes Jahr: hatte ich nicht erwähnt, dass mich dieses „Post-Dubstep“-Zeug nicht so recht zu packen wusste? Jetzt, da diese Welle offenbar auch schon wieder rum ist, hat sich dessen Einfluss bei mir doch noch reingeschlichen, indirekt durch die Hintertür eines Nebengenres. Denn ich habe, so kann mans auch darstellen, vor allem exzessiv genau 2 Genres gehört (von einem spreche ich jetzt, das andere folgt auf den vorderen Plätzen). Geradezu manisch und exzessiv also alles was ich so in der UK Bass / Future Garage-Ecke finden konnte (und die Ecke könnte man eben auch nennen: Post-Dubstep, aber in echt zum Tanzen) – auch hier übrigens wieder die Radio-Funktion des Streamingdienstes, oder eben schlicht entsprechend spezialisierte Internet-Spartensender. Das konnte ich einfach so laufen lassen und war unterhalten, hab auch einen Mix meiner absoluten Highlights daraus gemacht, der bei mir hoch und runter lief, den ich nem Freund schenkte, der ihn verlor und mich späterhin geradezu anflehte, ihm eine nochmalige Kopie zu schicken, weil er ihn wieder unbedingt brauche usw. – aber ich schweife ab.

Jedenfalls: phon.o’s Album ist durchaus in dieser Ecke zu verorten, man könnte auch sagen: es ist eine einzige Wundertüte dessen, was man da in der Ecke so alles anstellen kann, ist also dann auch wieder das Gegenteil einer reinen Genreplatte. Sie macht einfach Spaß. Ich las bei Rezensionen, die Platte sei nicht ausreichend innovativ. Da sag ich nur: Innovation my ass (und stimmt auch gar nicht, ätschi). Im zweiten Track taucht übrigens auch noch Pantasz von Bodi Bill (siehe oben) als Sänger auf und so wird mein ungelenker Text zwar auch nicht rund, aber egal, hauptsache Ihr kapiert: Kopfnickerdance bis der Nacken schmerzt, ey!


PrfmGns

Gregors No. 4:

Perfume Genius – Put Your Back N 2 It
(Matador / Beggars Group / Indigo , VÖ: 17.02.2012)

Missbrauch, Gewalt, Alkohol- und Drogenprobleme und homophobe Anmache – die selbsttherapeutische Wirkung von Musik spürt man auch auf »Put Your Back N 2 It«, dem zweiten Longplayer von Mike Hadreas alias Perfume Genius. Das sagt natürlich einiges über die Grundstimmung aus. Traurig-schöne Balladen, die nicht immer auf Anhieb gefallen (sechs, sieben Mal muss man das Album schon hören), deren hohe Intimität und Intensität aber gerade deshalb beeindruckt. Klavier, Gitarre, Drumcomputer und ein bisschen Elektronik. By the way: Den von YouTube als familienfeindlich (»not family safe«) eingestuften Clip zu »Hood« mit Porno-Darsteller Arpad Miklos in der Hauptrolle bitte jetzt anschauen!

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4 Antworten auf Die besten Alben 2012 – Plätze 4

  1. seb sagt:

    Ob´s ich´s noch packe, Perfume Genius fünf weitere Male zu hören? Originell und abwechslungsreich, dass Gregor dieses Werk platziert, mir aber derzeit etwas zu whimpig. (Fast schon ein bisschen wie Maxi H., nur nicht soooo monomanisch.) Phono.o wiederum ist für mich nach dem ersten Durchgang auch mehr retro als futuro, läuft aber gut durch die Ohren und wahrscheinlich noch häufiger! Vielleicht sogar am häufigsten von allen bisherigen Neuentdeckungen aus diesem Poll.

  2. Roland sagt:

    Ich hatte beide Alben in meinem Bemühen, meine Top10 voll zu bekommen, durchgescannt und auch erstmal für gut befunden, wusste aber, dass dies nicht ausreichte, um irgendeine Nominierung zu rechtfertigen. Gerade die Grizzly Bear taucht ja auch in allen Listen auf. Ich bin jetzt weiterhin sehr angetan und werde beiden auf jeden Fall noch mehr Hörraum zum Entfalten geben.

  3. Andrea Quintus sagt:

    Grizzley Bear… höre das zur Zeit täglich morgens im Auto und wünsche mir dabei ein Konzert …
    Grade der hier gezeigte Youtube Song bringt LAUT besonders viel Vergnügen, ebenso sehr viel Freude bereitet das Video zum vierten Song der neuen Scheibe „Yet again“:
    http://www.youtube.com/watch?v=AuG9i5cwGW0

    Folgendem kann ich mich nur zustimmend anschließen:
    „Keiner schüttelt Kombinationen aus Melancholie und Leichtigkeit so mühelos aus dem Ärmel! Bei akzentuiert eingesetzter Mehrstimmigkeit und viel Akustik-(freilich aber auch E-)Gitarrenklängen schimmern ihre American-Folk-Wurzeln durch und sorgen für eine Art Widererkennungseffekt. Unvergleichlich lässig, wie sie der Seichtigkeit immer wieder durch psychedelische Anwandlungen erfolgreich entflüchten. “

    Auf mich wirkt GB-Musik schlicht befreiend, hippiemäßig at its best :-) im Jahre 2012, „one of the most inspirational bands of the 21st century“ (Netz).

    Ebenso war für mich Archive ein Highligt dieses Jahres . Musik, die Türen öffnet und Tore weit macht.

    Schließlich möchte ich noch I LIKE TRAINS für 2012 nennen. Verlässlich kommt Gutes von Ihnen und jedes Konzert ist fraglos eine Reise wert.

    Zudem möchte ich sagen, dass machtdose eine sehr sehr gute Sache ist für Menschen, die Musik lieben aber leider oft nicht genügend Zeit aufwenden können um die Perlen zu suchen. Via machtdose werden sie vorgestellt. DANKE!

    [Anm. Kommentar wurde von uns verschoben, da ursprünglich offfensichtlich unter falschem Beitrag gelandet… – Roland / Machtdose]

  4. Hannah und Martin Lindner sagt:

    4/ Grizzly Bear: H: „Oh, die kenn ich! Mag ich!“ — M: „Naja. Schlecht ist es nicht, aber es gibt kein rechtes Ganzes. Die erste Band, in der ich mit 18, 19 gespielt habe – das hätte dabei herauskommen können. Der Kopf der Band mochte Fred Frith, Incredible String Band, Television, lauter solche Sachen. Ich war Drummer-Anfänger und wollte eigentlich lieber Rock’n Roll spielen.“ — H: „Ic h kenne ein anderes Grizzly Bear-Stück, das ist besser. Aber die mag ich.“

    4/ Perfume Genius: M: „Gut pathetischer Gesang. Nicht ganz mein Genre, aber für den, ders mag, ist es schon gut.“ — H: „Ja, ich finde es nicht schlecht.“

    4/ phon.o: H: „Schon wieder so ein Klang-Stück. Wozu sind die gut?“ — M: „So Drogen-Trance-Soundtrack-Dance halt. Aber gehauchte Frauenstimmen: Da schalt ich sofort aus.“

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