Die besten Alben 2014 – Plätze 4 – 3


Ja, Panik: Libertatia

Sebastians No. 4:

Ja, Panik: Libertatia
(Staatsakt / Rough Trade, VÖ: 31.01.2014)

Ja, Paniks letztes Album erwies sich als »Pornography« der sogenannten Diskurs-Musik (ob Pop oder Rock weiß ich nicht) und wurde von mir mit entsprechender Inbrunst rezipiert. Folgerichtig zog sich mein Gesicht nach den ersten Durchgängen von »Libertatia« ganz, ganz lang! Klar, denn belangloser kann ja wohl aufs erste Gehör nichts daherplätschern. Nach und nach verstand ich aber: Ja, Panik haben den Schlager salonfähig gemacht und wenn Österreich beim ESC nicht den Titel verteidigen müsste, könnte der nächste Beitrag aus diesem Album erklingen. Die typische J-P-Bittersweetness ist nämlich nun süßer als bitter, während das Beziehungsgeflecht in unserer Gesellschaft nicht mehr als von einer derartig existenziellen Tragik durchdrungen erscheint: Du hast eine Schlacht erfahren, trägst noch ihr Stürmen, ihr Fliehn, indessen die Schwärme, die Scharen, die Heere weiterziehn. One world, one love. Libertatia. Oder so ähnlich!


Von Spar – Streetlife

Gregors No. 4:

Von Spar – Streetlife
(Italic Recordings)

Mondwinde, Sternenstaub und ein bisschen Milchstraße – die Space Pop Ranger aus der Protogalaxie klingen auf ihrem vierten Album mal wieder unglaublich slick und durchproduziert. Das hier ist Sounddesign, meine Damen und Herren, prächtigste Hochglanzästhetik in Dur. Kraftwerk, Air, Neu!, Primal Scream, Raumschiff Orion und neuerdings einige Anteile Disco und Daft Punk mit 220 Gramm Polyesterflocken in das Stopfkissen gepackt und mit Nähnadel und weißem Baumwollfaden »Von Spar« appliziert. Von Spar sind weder gestern noch morgen. Von Spar sind das Beste aus allen Jahrzehnten und trotz ihrer Vielseitigkeit enorm homogen. Die Band hält ihren Proberaum einfach in Schuss! Wie, bleibt wahrscheinlich ihr großes Geheimnis. Bitte weitermachen!


The War on drugs: Lost in dreams

Sebastians No. 3:

The War on Drugs: Lost in dreams
(Secretly Canadian / Cargo, VÖ: 14.03.2014)

Dass das Wie wichtiger als das Was ist, beweisen The War ond Drugs eindrucksvoll mit ihrem jüngsten Husarenstreich, was bedeutet, dass Bronze an eine Band geht, die sich konservativ hauptsächlich auf Gitarren und Gefühl verlässt (wobei das Keybboard, wenn man genau drauf achtet, fast das Salz in der Suppe ausmacht). Jedenfalls schnappt sich hier – und diesen vielbemühten Vergleich muss auch ich bringen – Bob Dylan endlich mal ein unermüdbares Pferd, reitet damit tagelang durch die Prärie und wir dürfen ihm dabei in einer Staubwolke folgen, die sich in meinem Song des Jahres „In Reverse“ auflöst! Keinen habe ich so oft gehört, insbesondere bei Fahrten in den (häufigen Lehrer-)Urlaub. Danke, War on Drugs, dass ihr zeigt, dass es noch Konstanten auf dieser Welt gibt!


gm0314

Gregors No. 3:

Christian Löffler – Young Alaska
(Ki Records)

Ein Gewebe aus fabelhaften Umschreibungen, die sich hier im Laufe der Jahre über hunderte von Albumbesprechungen turmhoch gestapelt haben, wird bei »Young Alaska« zur großen Leinwand. Für Alben dieser Art gibt es momentan nicht ausreichend Anlegeplätze, zumindest höre ich kaum einen Hafenmeister nach dem Hafenschlepper rufen. Young Alaska paart angewandte Spitzfindigkeit mit Know-how jenseits der Binnengewässer. Zum Glück ist Löffler mittlerweile Weltumsegler, was ihm am Ende deutlich mehr Beachtung schenken wird als auf seinem letzten Album. Und was sagt die Spektroskopie? In seine Einzelteile zerlegt, findet man sich schlagartig mitten im Spiel aus Oberwasser, Nebelbank und deutscher Romantik. Immer dieser exzessive Gebrauch der Metapher, ich weiß.

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