Die besten Alben 2015 – Plätze 2


sfjstvnscrrlwll

Rolands No. 2:

Sufjan Stevens – Carrie & Lowell
(Asthmatic Kitty / Cargo Records)

Sufjan kehrt zurück. Erinnerungspolaroids aus den wenigen Kindheitssommern, in denen er seine Mutter besuchen durfte, die er kaum kannte. Musikalisch zu den frühen Alben: spartanische Instrumentierung, einfache Melodien. Simple Ausführung, wie’s scheint, aber so erst recht mit Wirkung. Wehmut und Trauer in aller Pein(lichkeit). Wie uncool. Wie wundervoll.

(Kein wirklich soundmäßig störungsfreies Video gefunden zum Album. Dann wenigstens ein Ausschnitt vom schönen Konzert, auf dem ich war:)


grndbrthrsdltn

Gregors No. 2:

Grandbrothers – Dilation
(Film Recordings)

Das präparierte Klavier, fast so alt wie das Klavierspiel selbst, bekommt mit den Grandbrothers die Gnade der späten Präparation. Dieses Geflecht aus altbekannten Klavierbearbeitern beginnt mit seinen Verästelungen weit vor John Cage, also in der Gegenwart: Hauschka und Niels Frahm sprießen aus dem gleichen Trieb. Brandt Brauer Frick mit ihrer Opulenz hängen ein Ast weiter. Und alle wachsen aus dem gleichen Stamm.

Im Zentrum der Grandbrothers steht das Piano, gespielt von Erol Sarp. Lukas Vogel steuert per Laptop eine komplexe Apparatur aus elektromagnetischen Hämmerchen, die mit dem Flügel verkabelt sind. Zum Beispiel mit der Pedalstange oder dem Steg, aber auch mit den Saiten und dem Resonanzboden. Im Ergebnis treffen da wunderbare Melodien (Klavier) auf hypnotische Loops und sphärische Soundschleifen (Elektronik). Und man muss Vogel zugute halten: Er lässt dem Grand Piano großen Raum. Wenn es so etwas wie Kaffeehausmusik gibt, dann ist »Dilation« der Kaffeesatz dazu. Bester Dünger. Jetzt hören und morgen wieder!


lwnssxs

Sebastians No. 2:

Low – One and Sixes
(Sub Pop / Cargo)

Unglaublich, aber wahr: „Low“, die schon seit Ewigkeiten existieren, waren mir bis vor kurzem nur vom Namen her bekannt! Und dann dieses Album, in das ich vornehmlich wegen des schicken Covers hineinhörte! Fernab von musikalischen Moden wird hier Song für Song das Beste aus Indie, Singer-Songwriter und Slowcore (blöde Auflistung, aber genau das fällt mir ein, wenn ich den Stil beschreiben soll) destilliert und zelebriert, was ich mir vorstellen kann. Zwölf durchweg emotional-ansprechende Songs, die textlich Wesentlichstes, was es zum Miteinanderleben zu sagen gibt, ausloten. Bitte unbedingt anhören!

Related posts

Schlagwörter: , , ,

  • email this
  • share this on facebook
  • tweet this

3 Antworten auf Die besten Alben 2015 – Plätze 2

  1. Sebastian sagt:

    Obwohl unspektakulär: Für mich sehr beeindruckender Konzertausschnitt von Sufjan Stevens. Als ich mich entschieden habe, denn relativ weiten Weg für’s Konzert nach Essen mit Übernachtung auf mich zu nehmen, war´s ausverkauft …

  2. Sebastian sagt:

    Grandbrothers sind für mich neu, aber sehr schön!

  3. Sebastian sagt:

    Bei mir derzeit auf Dauerschleife: Grandbrothers. Beste Zeit-zwischen-den-Jahren-Mucke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Plattenteller

  • Rokia Traoré - Né So

    Rokia Traoré - Né So Rokia Traoré stammt aus Mali. Ihre Musik ist eine Verbeugung vor den Griots – malische Sänger, die die Tradition der Geschichtenerzähler pflegen und seit Jahrhunderten mündlich weitertragen.

  • Julia Kent - Asperities

    Julia Kent - Asperities Cello-Monotonie und -Melancholie mit viel Drama. Tracktitel wie »Flag of No Country« und »Empty States« sprechen Bände. Antony and the Johnsons und Swans durften bereits von ihrem Können profitieren.

  • Lea Porcelain - Lea Porcelain

    Lea Porcelain EP Das Debüt von Lea Porcelain hat einen ordentlichen Bums. Mehr noch einen Punch. Inspiriert von dunklen Mächten aus den großen Regenstädten dieser Welt.

  • Bersarin Quartett - III

    Bersarin Quartett - III Ambient-Electronica, wie für unsere Zeit gemacht. Als stünde da jemand mit weißer Flagge und schrie: runterkommmen!

  • Sea Moya - Twins

    Sea Moya - Twins Twins ist eine kleine Schatzkiste, zum Mögen, mit Soundteilchen aus aller Herren Länder. Der Computer als Vermittlungsstelle zwischen Psychedelic, Krautrock, Afrobeat und Electronic Funk.

Veranstaltungstipps Rhein-Main