Die besten Alben – Plätze 6 bis 4


Rolands No. 6:

Chvrches – The Bones of What You Believe
(Vertigo / Universal)

Dass die Band dieses Jahr überall angekommen ist, zeigt sich schon daran, dass mein sechsjähriger Sohn komplett „We Sink“ lautstark & -malerisch nachsingen kann, wenn es aus dem Ipad dröhnt, denn es gehört zum Soundtrack von FIFA Soccer 2014. Der Eingängigkeit und Melodiösität nach auch generell eher FSK 6, der Sound stammt zu nicht geringen Teilen aus eigenen Knirpszeiten, so dass das innere Kind wie folgt darauf reagieren kann: *Hüpf* *Freu* *Hüpf*


Sebastians No. 6:

Pet Shop Boys – Electric
(X2 / Kobalt / Rough Trade)

Als konsequenter Nichtbeachter von Bands, die schon in meiner Kindheit kommerziellen Erfolg zu verzeichnen hatten, galten für mich insbesondere Pet Shop Boys mein Leben lang als uninteressant und langweilig. Animiert durch eine Rezension im Spex, habe ich mir dennoch ihr neues Album zu Gemüte geführt und es als durch und durch postmodern empfunden, was es verzeihen lässt, dass man sich an bombastischen „Eurotrash“ erfreut!


Gregors No.6:

Baths – Obsidian
(Anticon / Indigo )

»I might walk upright, but then again I might still try to die«. »Obsidian« ist kein lautes Album. Eher ein Hauch von Schnee und Asche, ein leiser Atem zwischen Tellern im Porzellanschrank. Will Wiesenfeld hat eine sehr genaue Vorstellung von menschlicher Gebrechlichkeit, von Dunkelheit und man ahnt es schon: von Verlust. Warum nur klingt seine Musik so schön dabei und so erhaben? Bath-Songs sind zugänglich, melodisch und harmonisch, obwohl es an dieser Stelle klappert und an jener knarzt. Arrangements mit eingebauten Schönheitsfehlern. Unterstützt wird diese Stimmung von treibenden Beats und immer neuen Piano-Motiven. Meine Wild Beasts des Jahres 2013.


ncwsgl

Rolands No. 5:
Laura Marling – Once I was an Eagle
(Virgin / Universal)

Keine Überraschung, dass ich Laura Marlings letztes Studioalbum hier reinwähle. Dieses, ihr viertes, ist vermutlich auch ihr stärkstes bisher. Während bei den vorigen nämlich immer zwei oder drei Stücke für mich ganz besonders hervorragten, ist das hier alles auf gleicher Exzellenz und so passt es auch, dass die ersten Stücke (vermutlich nur scheinbar) in einem Take aufgenommen sind und direkt ineinander übergehen. Insgesamt wurde außerdem das Begleit-Instrumentarium nochmal ordentlich ausgeweitet (Perkussion, Cello, Orgel, etc.).


Sebastians No. 5:

Daft Punk – Random Access Memories
(Columbia / Sony)

Das Konsensalbum meines diesjährigen Jahrespolls stammt von Daft Punk: Eine einmalige Reise, die sich futuristisch in den Disco-Sound der 70er flüchtet und – obwohl Konzeptalbum – ein Kaleidoskop unterschiedlichster eingängiger Songideen darstellt.


Gregors No. 5:

Machinedrum – Vapor City
(Ninja Tune / Rough Trade)

Es ist eine kleine Sensation, dass mit Baths und Oneohtrix Point Never gleich drei amerikanische Musiker, die der Elektronik- und Produzentenszene angehören, auffällige Alben vorzuweisen haben. »Vapor City« ist der Spielplatz eines Kraftmeiers, der Maschine im Namen trägt, eigentlich aber ein verlorener Romantiker ist. Wenngleich die Erkenntnis so alt sein mag wie das Höhlengleichnis: Vapor City zeigt auch, dass das Spiel mit dem Computer eins ohne erkennbares Ende ist. Da, wo Rock mit fünf Seiten dem Immergleichen vielleicht noch ungewöhnliche Melodien abringen kann, schweift die elektronische Musik mit ihrem Spektrum digitaler Möglichkeiten weit in die Ferne. Was da winkt, ist die Unendlichkeit an Schichten und Klängen, insofern beginnt die Zukunft hier und jetzt, jeden Tag aufs Neue.


Rolands No. 4:

James Holden – The Inheritors
(Border Community / Rough Trade)

Welche Gottheiten hier auch immer angerufen werden – sie spenden Fruchtbarkeit. Schießt ins Kraut, geht durchs Unterholz, ein psychotronischer Initiationstrip und schamanistisches Spektakel. (Tschuldigung, in Trance gehen mir ein wenig die Worte aus).


Sebastians No. 4:

Tocotronic – Wie wir leben wollen
(Vertigo / Universal)

Dass „Wie wir leben wollen“ nun schon wieder meine vorbehaltlose Tocotronic-Sympathie erweckt, hätte ich mir kaum vorstellen können. Der oft erwähnte neue (analoge) Sound hat da für mich aber nur wenig Bedeutung. Er ist weiterhin gitarrenlastig-indieesk, wie die Texte im höchsten Maß erfreuen und die Revolte weiterhin in mir ist. Nur dass sich das Ganze diesmal über zwei Scheiben erstreckt…


Gregors No. 4:

Oneohtrix Point Never – R Plus Seven
(Warp / Rough Trade)

Daniel Lopatin alias Oneohtrix Point Never ist auf dem besten Wege, in die Hall of Fame dieses Blogs aufgenommen zu werden. Nicht für sein aktuelles Album, sondern dafür, was schon war und was noch kommen wird. Dazwischen liegt »R Plus Seven«, ein grundsolides Superalbum, das morgens dein Brot beschmiert und abends das Licht ausmacht. Ein Gefährte für jeden Tag. Die Musik ist wie immer unangestrengt anstrengend, gerade so, als stecke eine digitale Waldameise dahinter: Alles scheint durcheinander, stattdessen ist alles genau organisiert. Eine raffinierte Mischung aus Samples, Brüchen, Rhythmik und Groove.

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3 Antworten auf Die besten Alben – Plätze 6 bis 4

  1. Roland sagt:

    Baths: hatte ich irgendwann mal wg. Machtdose-Kurzempfehlung reingehört, aber nicht gewürdigt. Bisher für mich die interessanteste Empfehlung, jetzt beim etwa halben Durchhören, da bleib ich mal dran.

    Machinedrum: erstes Album später entdeckt, duch meine „Future Garage“ Manie die letzten zwei Jahre, da wird er ja auch immer zugerechnet. Album wäre bei mir bei den honorable mentions, also für mich hörbar & gut.

    Oneohtrix Point Never – erstaunliche Andersartigkeit zwischen diesem Album und dem ersten (das ich eher beiläufig wahrnahm ohne weitere Beschäftigung). Dieses hier hab ich schon etwas intensiver gehört und es hat ganz tolle Stellen (z. B. Opener), aber ist mir persönlich irgendwie zu fragmentiert und skizzenhaft. (Trotzdem: gutes Album würd ich auch sagen)

    Pet Shop Boys: grau-en-haft (und ich habe Pet Shop Boys ua. in meine damalige beste-Alben-der-90er-Liste gewählt), geht gar nicht.

    Tocotronic, naja, da kann ich ungefähr soviel zu sagen wie zu PeterLicht, also nix (entzieht sich jeder Wertung, höre ich mit Respekt, aber praktisch nie mehr als einmal an)

  2. seb sagt:

    Baths: Habe ich mir relativ oft angehört und als interessant empfunden. Der letzet Kick hat mir aber gefehlt.
    OPN: Typische Platz 11-20er-Platte, wahrscheinlich so um die 14.
    Machinedrum: Gestern Abend mal wieder zur Hälfte angehört und als viel interessanter empfunden als beim damaligen Hören. Vielleicht meine Elektro-Platte des Jahres!
    Laura Marling: Das, womit ich in diesem Poll bisher am wenigsten anfangen kann.
    Chvrches: Ist mir irgendwie zuuuuuuuuuuuuu 2013esk. Zweifellos aber ssehr angenehm zu hören!
    James Holden: müsste ich mich einarbeiten
    Ach, was ich, glaube ich, sehr gut finden könnte, wenn ich mir mal die Mühe machen würde, es öfter zu hören: Brandt Brauer Frick.
    Bin gespannt auf Weiteres, insbesondere ob Roland noch Daft Punk reinnimmt. Sonst hätte er das doch kommentiert, oder? Und wo erhalte ich Einblick in deinen 90er Poll? Dann kann ich mir ja noch einmal alte PSB anhören :-)!

  3. seb sagt:

    Muss mich nach nochmaligen Chvrches-Hören korrigieren: Die Musik erscheint mir primitiv, insbesondere die Stimme!

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