Fast wie Bayreuth
Durch die Nacht mit Julia Spinola, verantwortliche Redakteurin für die Musikredaktion der FAZ mit einer Vorliebe für Symphonik und Oper. Ihre verschriftlichte Beobachtung nach einem Besuch im »Berghain«: Fast wie Bayreuth: »Berghain« – Festspielhaus in ostdeutscher Brache
Am Ende der Nacht, die ein heller Morgen ist, erinnert mich all das an Bayreuth: das Brüten in einer Art Klanguterus, Regressionsnähe und synästhetisches Versinken als mehr oder weniger uneingestandene Ziele einer doch irgendwie auf sinnliche Überwältigung ausgerichteten Ästhetik. Auch die mythenumrankte Exklusivität des Ortes und seine kultivierte Hermetik verbinden das »Berghain« mit dem Festspielhaus: hier die unberechenbare Tür, dort die unerfindlichen Kriterien der Kartenvergabe, beide Male verbunden mit der lustbesetzten Qual des Wartens. Und in beiden Fällen sucht man den Exzess an exterritorialen Orten: in einem ehemaligen Heizkraftwerk in einer ostdeutschen Brache und, erhabener natürlich, hoch oben auf dem Hügel über dem gewöhnlichen Getümmel der fränkischen Kleinstadt. Auf allen Schnickschnack muss um der puren Idee des Unternehmens willen verzichtet werden: keine Logen und kein Plüsch in Bayreuth, keine Spiegel und kein Glamour im »Berghain«.





