Jahresrückblick 2010

Willkommen zur diesjährigen Kür. Unser Mate Gregor hats leider nicht mehr mit den Alben geschafft, bevor er in den Weihnachtsurlab entschwand, deswegen gibts von ihm nur Kurze, heißt dass ich und unser Dauerpoller Seb hier als einzige am Start sind für die Alben. Macht ja nix, Gregor liefert dann im neuen Jahr nach.

Das Musikjahr war ein Supermusikjahr wie vielleicht zuletzt das Supermusikjahr 2005. Einerseits viele Rückkehrer und Folgealben von Künstlern, die man eh mag – mit wenigen Abreißern nach unten. Das merkt man auch meiner Top 10, in der ich 11 Alben unterbringen musste und davon die meisten aus der ersten Jahreshälfte stammten, ich bin nämlich eigentlich noch längst mit dem Jahr nicht durch. Auch mit den Platzierungen hab ich mir eher schwer getan diesmal, eigentlich liegen mindestens die ersten sechs Plätze sehr, sehr nah beieinander.

Und hey, nicht vergessen: selber Eure Listen abgeben in den Kommentaren.
[Roland]

Alben

10.

Belle And Sebastian – Belle and Sebastian write about love (Swim Rough Trade / Beggars / Indigo, VÖ: 08.10.2010) Belle and Sebastian klingt auf diesem Album so wie immer und das ist gut so. Denn auch 2010 benötigte eine Guitar-Pop-Scheibe, die jeden Tag spätsommerlich erscheinen lassen kann. Stagnierend wurde wohl selten weniger falsch gemacht! [Seb]

Tokyo Police Club – Champ ( Pias UK / Memphis Industries / Rough Trade VÖ: 16.07.2010) Wäre ich Teenager heute, wäre das meine Band der Zeit, zum dauernden Konzerthinfahrn und Mithopsen und Spaßhaben.“ schrieb ich in der 2008er Hitliste zum ersten Album. Und exakt und ohne Bruch schließt hier das zweite an, warum auch ändern, ist ja n super Konzept. Hätt ich Kinder im Ausgeh-Alter, würd ich mir für die Tokyo Police Club hörende Freunde und Sexualpartner wünschen. & nochn Club: New Young Pony Club – The Optimist (Pias Integral / Rough Trade VÖ: 16.04.2010) (eigentümliche Namensmagie, siehe auch meine Track Top10). Ebenso unterhaltend & pädagogisch wertvoll wie der obere, aber andere Referenzen, das hier ist so zackiges, 80erbasiertes Elektro-Gewackle. Kann man auch prima Parties mit schmeißen. Im Vergleich zum oberen Club sind die vielleicht nochn bisschen mehr auf Hirn aus. [Roland]

9.

Massive Attack – Heligoland (Virgin / EMI, VÖ: 05.02.2010) Massiv Attack! Nie hätte ich gedacht, dass ich – als staatlich geprüfter Trip-Hop-Nicht-Beachter – von denen mal eine Scheibe in meine Top-Ten nehme. Aber diese hier erschien mir – trotz des großen Aufgebots an Musiker/-innen – so derartig unambitioniert, so einfach-düster und leicht rezipierbar, dass ich sie vom ersten Ton an ins Herz geschlossen habe. Nie empfand ich nervös-hypnotisierende Grooves so angenehm unangenehm, und das gerade im heißesten Sommer, als ich die Platte besonders oft gehört habe. [Seb]

The National – High Violet (4AD / Beggars / Indigo, VÖ: 07.05.2010) The National sind eine Wucht, die ja eigentlich schon längst in Populärsphären von sagen wir mal Coldplay angekommen sein müssten, jedenfalls wird hier durchaus stadientauglich mit dickem Klöppel auf große Pauken gehaun und ordentlich in die Tasten gewalzt. Wahrscheinlich hält nur der Groll und die dauerpräsente Altersmüdigkeit sie davon ab. Was natürlich auch ein Glück ist. Ihr bestes Album bisher, meine ich. [Roland]

8.

Hundreds – Hundreds (Sinnbus / Rough Trade, VÖ: 30.04.2010) Welch angenehmes Elektro-Album! Poppig und psychedelisch zugleich, dazu dezenter Frauengesang. Alles bleibt in der Schwebe, mal traurig, mal hoffnungsvoll, dazwischen zwei Instrumentalstücke, die das gesamte Album wie aus einem Guss erscheinen lassen. Nie war mir musikalisches Understatement so sympathisch! [Seb]

Midlake – The Courage of Others (Bella Union / Cooperative / Universal VÖ: 29.01.2010) Schmetterlingsflügel in Nahaufnahme. Das ist die Kur für Aufmerksamkeits-Defizitäre und Hyperaktivisten – wenn sie nicht doch endgültig drüber wahnsinnig werden. Deshalb: nur in Dosen zu gebrauchen. Aber dann! [Roland]

7.

Gonjasufi – A sufi and a killer (Warp / Rough Trade, VÖ: 12.03.2010) Also diese Veröffentlichung ist ja wohl mal wirklich eine der ungewöhnlichsten in diesem Jahr: Wie soll man die Musik beschreiben? Eine Mischung aus Elektro, Hip-Hop, Sufi und Indie. Sozusagen ein islamischer Beck? Dazu noch der kaputte analoge Sound und der weit entfernt wirkende Gesang … Jedenfalls ist „A sufi and a killer“ trotz seiner Postmodernität ein unerhört gefühlsintensives Album, das mit jeder Sekunde klarmacht, dass es dem Autoren ums Ganze geht. [Seb]

Caribou – Swim (City Slang / Universal, VÖ: 16.04.2010) Die Stimme ist teilweise so nah an Øye, dass es fast schon unheimlich ist. Sonst alles mit einer lässigen Souveränität gestrickt, Pop und Tanzflur in lockeren Maschen, der ganze Pullover recht bunt & teilweise reichlich euphorieauslösend. [Roland]


6.

Caribou – Swim (City Slang / Universal, VÖ: 16.04.2010) Ich steh eigentlich nicht so auf perfekte Musik, aber Swim macht da eine Ausnahme: Zum einen, weil die Songs so angenehm unterschiedlich sind (auch gegenüber „Andorra“), zum anderen weil die Platte von zwei derartig genialen Liedern umrahmt ist, dass die dazwischen wie von selbst an Größe gewinnen. Das hat zur Folge, dass sie mich konsequent seit ihrer Veröffentlichung hörend begleitet hat (und jetzt auch bei mir überm Schreibtisch hängt).[Seb]

Tunng – And Then We Saw Land (Full Time Hobby/ Pias / Rough Trade VÖ: 26.03.2010) Ich habe die vorigen Tunng-Veröffentlichungen eher so halbinteressiert wahrgenommen, zu deutlich stand das Konzept Folk und Elektronik irgendwie zusammenzubringen im Vordergrund, und beides stand eigentlich nur so nebeneinander. Das Verkopfte dabei ist jetzt einer geradezu sensationellen Melodiösität und Leichtigkeit gewichen. [Roland]


5.

The National – High Violet (4AD / Beggars / Indigo, VÖ: 07.05.2010) Ehrlich gesagt: Nach den ersten Durchgängen hätte ich nie gedacht, dass ich zu dieser Veröffentlichung einen Zugang finde. Ganz anders als bei der „Boxer“, die mir auf Anhieb gefiel und in so manchem Forum als sperrig bezeichnet wurde. Woran lag´s? Mir erschienen die Songs blutlos, der Beat zu monoton und das Gitarrengefrickel einseitig. Nach gefühlten zwanzig Durchgängen trat aber das ein, was ich beispielsweise von Interpol (vor allem „Antics“) kannte. Jeder einzelne Song hatte auf einmal schon allein durch die Existenz des ersten Tons eine exquisite Gewalt über mich … Und obwohl ich „The National“ schon mehrmals vorher live gesehen hatte, wurde mir erst dieses Jahr auf dem Haldern (trotz zum Teil miserablen Sounds) bewusst: Vielleicht die beste Band der Welt. [Seb]

Broken Social Scene – Forgiveness Rock Record (City Slang / Universal VÖ:30.04.2010) Nach fünf Jahren sind die 17 Hippies aus Toronto also zurück und was soll ich sagen: besser denn je. Während Arcade Fire ihren Sound ordentlich begradigten und für mich deshalb eher langweiliger wurden, sprießt bei Broken Social Scene weiterhin alles in alle Richtungen. [Roland]


4.

Tocotronic – Schall und Wahn (Rock-O-Tronic / Vertigo / Universal, VÖ: 22.01.2010) Um es offen heraus zu sagen: Diese Mischung aus diesmal zum Teil dinosauresken Gitarrenwällen und grandios intuitiven Texten, die einmal mehr belegen, dass privates Sein nicht existiert, machte mich kurz nach der Veröffentlichung süchtig. Kein Frage: Mit der nunmehr neunten (!) überzeugenden Studioveröffentlichung haben Tocotronic ein Denkmal verdient. [Seb]

Four Tet – There Is Love in You (Domino VÖ: 29.01.2010) Ach, Four Tet, ach. Die musikalische Intelligenz bei gleichzeitiger Tanzversorge, das kommt so selten vor wie die Albumreleases von Four Tet selbst. Mehr gibts darüber eigentlich auch nicht zu sagen, muss man halt sich selbst anhören. [Roland]


3.

Bear in Heaven – Best rest forth mouth (Hometapes / Plancha / Eastern Developments, VÖ: 20.10.2010) Das verpassteste Konzert ever: Auf dem Haldern nach Villagers das heiße Zelt verlassen und die faszinierenden Rhythmen bloß von draußen gehört. Ärgerlicher- und inkonsqequenterweise bin ich nicht wieder reingegangen, habe aber gleich am nächsten Tag auf I-Tunes die Songs gekauft. Mit viel Hall, angenehm dünner Stimme, elektronisch-psychedelischen Klängen und treibenden Beats erzeugt diese Scheibe durchgehend die unfassbar düster-schönste Atmosphäre, sozusagen die „Ultimative Satisaction“ von „Lovesick teeangers“. Und wenn auch Progrock bisweilen lauert – Caribou und Beachhouse zusammen hätten´s kaum besser
machen können. [Seb]

Beach House – Teen Dream (Sub Pop / Bella Union / Cooperative / Universal, VÖ: 26.02.2010). Luzides Träumen. Das alles macht einen angenehm dämmrig & besoffen, du wirst getragen und torkelst weiter, im vollen Vertrauen, eiert sich eh schon alles wieder ein. [Roland]


2.

Midlake – The courage of the others (Bella Union / Cooperative / Universal VÖ: 29.01.2010) Dieses Album liebte ich vom ersten Durchgang an, und zwar fand dieser passendst beim Joggen im tief eingefrorenen Rheingauwald statt. Die Stimmung erscheint nämlich durchgehend winterlich, als sei gerade die Ernte erfroren und man würde dankbar erkennen, dass die Vorräte der Natur trotzdem reichen, wie ich mal gelesen habe. Und obwohl fast auf jedem Lied eine Flöte zu hören und durchaus an gebatikte Hosen zu denken ist: Courage können andere (Bands) haben, ich bleibe bei Midlake! [Seb]

Wild Nothing – Gemini (Captured Tracks VÖ: 25.05.2010 (nur US bisher) ) Jungscher Typ in zweierlei Hinsicht a) Jung, Typ b) spiel mit ebensolchen Arche-Dingern aus unserer Jugend. Also Echogitarren und Harmonien à la Jazz Butcher, Church, Cure, Smiths und wer da noch alles zugehört. Erstaunlicherweise aber ohne jede Retro-Romantik oder Nostalgie. Das muss man erstmal hinkriegen. [Roland]


1.

Beach House – Teen Dream (Sub Pop / Bella Union / Cooperative / Universal, VÖ: 26.02.2010). Heute weiß ich, dass ich mir genau dieses Album schon immer gewünscht habe, aber nie zu hoffen wagte, dass so etwas möglich ist: Ein 53-minütiger halluzinogener Trip sondergleichen, zuckersüß und tiefschwarz zugleich. Kein Song ist hervorzuheben, da ein einziges Highlight von der ersten bis zur letzten Sekunde. Nie war Pop so erfüllend! [Seb]

Pantha Du Prince – Black Noise (Rough Trade / Beggars Group / Indigo VÖ: 05.02.2010) Das erste bewusst wahrgenommene Album des Jahres ist auch das erste geblieben. Wahrscheinlich, weil jetzt alles wieder in Weiß liegt und es damit wieder in die Player zurückkehrte, denn dazu passt das nun mal perfekt als reinstes Eisregengeglitzer. Das einzige, was mich wundert ist, warum es nicht mehr solcher Alben gibt, aber vielleicht ja doch schwerer hinzubekommen als man denkt. [Roland]

Tracks

Gregors

  1. Everything Everything – MY KZ, UR BF
  2. Pantha du Prince – Stick to My Side
  3. I Am Kloot – Radiation
  4. International Feel – The Coptic Sun
  5. Jimmy Edgar – Hot, Raw, Sex
  6. Tocotronic – Im Zweifel für den Zweifel
  7. Drums Of Death – Science & Reason
  8. Matthew Dear – Honey
  9. Massive Attack – Babel
  10. Scissor Sisters – Running Out
  11. Psychobuildings – No Man’s Land
  12. Aloe Blacc – Take Me Back
  13. Cee-Lo – Fuck You
  14. Tensnake – Coma Cat
  15. Eric Copeland – Fun Dink Death
  16. Tokyo Police Club Wait Up (Boots Of Danger)
  17. Tornado Wallace – Tornado Never Dies
  18. Begin – Optical Holiday Part 2
  19. Flying Lotus – Do The Astral Plane
  20. Hurts – Wonderful Life

Sebs

  1. The National – Conversation 16
  2. Tocotronic – Eure Liebe tötet mich
  3. Caribou – Jamelia
  4. Tunng – With Whiskey
  5. Tocotronic – Schall und Wahn
  6. Foals – Spanish Sahara
  7. Midlake – Rulers ruling all things
  8. Bear in Heaven – Ultimative Satisfaction
  9. Hans Unstern – Endlos Endlos
  10. Bear in Heaven – Defeaning Love
  11. Hans Unstern – Paris
  12. Oceansize – It’s my tail and I’ll chase it if I want to
  13. Menomena – Five little rooms
  14. Caribou – Odessa
  15. Admiral Fallow – These barren years
  16. Roky Erickson With Okkervil River – Good bye sweet dreams
  17. Deerhunter – Helicopter
  18. Interpol – Lights
  19. The Tallest Man on Earth – The wild hunt
  20. Shout out louds – 1999

Rolands

  1. Two Door Cinema Club – Something Good Can Work (The Twelves Remix)
  2. The Books – A Cold Freezin‘ Night
  3. Caribou – Odessa
  4. Laura Marling – Alpha Shallows
  5. Owen Pallett – Lewis Takes his Shirt Off
  6. Junip – Without You
  7. The National – Bloodbuzz Ohio
  8. Stars – Dead Hearts
  9. Joy Orbison – So Derobe
  10. Ratatat – Grape Juice City

Live-Acts

Sebs

  1. Beach House, Schorndorf – Manufaktur
  2. Midlake, Melt-Festival
  3. The Tallest Man On Earth, Haldern-Pop-Festival
  4. The National (zweiter Teil), Haldern-Pop-Festival
  5. Black Rebel Motorcycle Cluib, Stutgart – Longhorn
  6. Massiv Attack, Melt-Festival
  7. The Raveonettes, Schorndorf – Manufaktur
  8. Portugal. The Man, Haldern-Pop-Festival
  9. Savoy Grand, Stuttgart – Laboratorium
  10. Foals, Melt-Festival

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25 Antworten auf Jahresrückblick 2010

  1. seb sagt:

    Roland hat so dermaßen Recht: 2010 war ein grandioses Musikjahr, nur vergleichbar mit 2005 … Daher lege ich noch die Platzierungen 20-11 nach

    20. Ólafur Arnalds – … And they have escaped the weight of darkness (Erased Tapes / Indigo, VÖ: 14.05.2010)
    19. Foals – Total life forever (Transgressive / Warner, VÖ: 07.05.2010)
    18. Kammerflimmer Kollektief – Wildling (Staubgold / Indigo, VÖ: 05.03.2010)
    17. Oceansize – Self preserved while the bodies float up (Superball / EMI, VÖ: 03.09.2010)
    16. Portico Quartet – Isla (Real World / /ndigo , 12.02.2010)
    15. Hans Unstern – Kratz Dich raus (Nein, Gelassenheit / Staatsakt / Rough Trade, VÖ: 16.04.2010)
    14. Envy – Recitatio (Rock Action / PIAS / Rough Trade, VÖ: 22.10.2010)
    13. I Like Trains – He who saw the deep (ILR / Cargo, VÖ: 29.10.2010)
    12. Freelance Whales – Weathervanes (Frenchkiss / Zomba / Sony, VÖ: 26.11.2010)
    11. The hundred in the hands – The hundred in the hands (Warp / Rough Trade, VÖ: 17.09.2010)

  2. Paulsen sagt:

    Mein Jahrespoll ist vollendet!!

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  3. Paulsen sagt:

    Jahrespoll 2010

    1.Alben:

    20.Ólafur Arnalds – …And they have escaped the weight of darkness (Erased Tapes / Indigo
    VÖ: 14.05.2010)

    19.Villagers – Becoming a jackal (Domino / Indigo VÖ: 21.05.2010)

    18.Menomena – Mines (Barsuk / City Slang / Universal VÖ: 23.07.2010)

    17.Everything Everything – Man Alive (Polydor VÖ: 31. August 2010)

    16.Envy – Recitation (Rock Action / PIAS / Rough Trade VÖ: 22.10.2010)

    15.Black Rebel Motorcycle Club – Beat the devil’s tattoo (Abstract Dragon / Cooperative / Universal VÖ: 12.03.2010)

    14.Vampire Weekend – Contra (XL / Beggars / Indigo VÖ: 08.01.2010)

    13.Caribou – Swim (City Slang / Universal VÖ: 16.04.2010)

    12.Massive Attack – Heligoland (Virgin / EMI VÖ: 05.02.2010)

    11.Miles Benjamin Anthony Robinson – Summer of fear (Saddle Creek / Cargo
    VÖ: 12.11.2010)

    10.Marnie Stern – Marnie Stern (Kill Rock Stars / Souterrain Transmissions / Rough Trade VÖ: 15.10.2010)

    Anstrengende 34 Minuten finden sich auf diesem Album wieder. Die brachial scheppernden
    Schlagzeugrhythmen Hills und die, im positiven Sinne, kreischige Stimme Marnie Sterns,
    welche ständig zwischen Sprech- und „normalem“ Gesang wechselt, bilden ein unglaublich gutes Duo. Durch und durch progressiv ist das Album nichts für schwache Nerven.

    9.Hundreds – Hundreds (Sinnbus / Rough Trade VÖ: 30.04.2010)

    Meist minimalistisch, popige Elektronik plus ein verspieltes, oft mit Effekten aufgemischtes, Piano und die „gewöhnliche“, allerdings sich perfekt einfügende Stimme. Hundreds. Durch den grandiosen Auftritt in den Wagenhallen Stuttgart erst wirklich auf die Band aufmerksam geworden, und siehe da: die Platte ist nicht wesentlich schlechter! Schon auf dem Cover deutes es sich an: Wasser. Und so klingt auch das ganze Album, schwimmend in einem stetig an Geschwindigkeit zu bzw. abnehmenden Strom.

    8.The Tallest Man On Earth – The wild hunt (Dead Oceans / Cargo VÖ: 09.04.2010)

    Ebenfalls durch ein nicht weniger gutes Konzert hat diese Platte mein Aufsehen erregt und besitzt jetzt schon fast so etwas wie eine Dauerkarte. Dieses Singer-Songwriter „Meisterwerk“ passt, egal ob Regen, Schneefall oder Sonnenschein, wirklich immer!
    Kristian Matsson, der sich hinter The Tallest Man verbirgt, erzählt Geschichten von Freundschaft, Liebe, Träume und über all das was er noch so auf dem langen Weg durch zahlreiche Kornfelder sowie Wäldern aufgabelt. Und das ganze mit einer Stimme die über die beinahe volltrunken über die einzelnen Songs taumelt. Kaum zu glauben das dieser Mann aus Schweden kommt, denn seine Musik bringt warscheinlich im wilden Westen die Kühe zurück in den Stall.

    7.Oceansize – Self preserved while the bodies float up (Superball / EMI VÖ: 03.09.2010)

    Das kürzeste Werk Oceansizes ist wohl auch das abwechslungsreichste! Kam auf den Vorgängern beinahe kein Lied unter 6 Minuten zum Ende halten hier gerade mal 3 Lieder bis zur 5 Minuten grenze aus. Selten ging es dermaßen hart zu wie bei „Part Cardiac“ der
    die Platte mit seinen Gitarren-Riffs zum Anfang gleich mal ordentlich durchrüttelt. Mike Vennarts Stimme fügt sich wiedermal perfekt in die einzelenen Songs, mal melancholischer Sphärengesang, dann wieder brachial ausbrechendes Geschrei. Doch Oceansize opfern in
    keinem Fall ihre Progressivität dem Krach und so ist auch wieder dieses Album sehr gelungen! „It´s My Tail and I´ll chase It If I want To!“

    6.Tocotronic – Schall und Wahn (Rock-O-Tronic / Vertigo / Universal
    VÖ: 22.01.2010)

    TOCOTRONIC!!! Brachialer als sonst tönen einem die Gitarren Lowtzows und McPhails
    aus den Boxen entgegen. Dazu die wie immer grandiosen Texte die gewagte Aussagen bringen. Alles Faktoren zusammen gelegt machen diese die 9. Toco Scheibe ganz groß!
    „Von heute an Leben wir ewig“

    5.The National – High violet (4AD / Beggars / Indigo VÖ: 07.05.2010)

    Mit High Violet haben The National m.E. die Perfektion ihrer selbst perfektioniert. Denn jeder Songs auf HV stimmt innig mit sich selbst aufs ganze und passt wie nichts anderes, ausser den weiteren 10 Songs. Mit High Violet schufen The National wohl das dritte Meisterwerk in Folge und dürfen damit in Diskussionen um die beste Band der Welt keinesfalls fehlen!

    4.Midlake – The courage of others (Bella Union / Cooperative / Universal
    VÖ: 29.01.2010)

    Midlake, Midlake, Midlake. Die Platte die wohl am schnellsten ins Ohr ging und bisher nicht mehr dort rauszukriegen ist. Ist doch jeder Song die Schönheit in Person. Mal weinachtlicher Winterglanz in einem vereisten Wald und dann wieder die untergehende Sonne an einen spät sommerlichen Abend. Auf Courage of Others sind viele verschiedene Instrumente vertreten die zusammen ein wahres Folk-Feuerwerk schaffen welches jedem etwaigem Melancholiker und Träumer bekannt sein sollte.

    3.Sufjan Stevens – The age of adz (Asthmatic Kitty / Soulfood VÖ: 08.10.2010)

    Der 35 jährige zählt nicht umsonst zu den vielversprechendsten Songwritern der Gegenwart. Waren seine bisherigen Alben noch durch und durch folkig entdeckt Stevens hier die Elektronik für sich und verbindet diese perfekt mit seinen bekannten Folkelementen. Daraus entstehen Songs wie der Titelsong welcher seine Streicher und Bläser auf ein Bett aus zappelnder Elektronik herablässt. Dazu die merklich reifere Stimme von Sufjan Stevens welche angenehm über den Songstrukturen schwebt. The Age of ADZ ist noch nicht über unser Land gekommen, denn Sufjan Stevens ist weiterhin relativ unbekannt, was natürlich auch sein gutes hat.

    2.Beach House – Teen dream (Sub Pop / Bella Union / Cooperative / Universal
    VÖ: 26.02.2010)

    „We don’t need a sign to know better times.“ singt Victoria Legrand in Better Times.
    Vollkommen korrekt denn Teen Dream kam auch ohne ein Zeichen. Diese Platte habe ich gehört und für gut empfunden, weiter gehört und besser gefunden! Und diese Steigerung hält an, hört man doch bei jedem weiteren Durchlauf neue, atmosphärische Higlights.
    Mit Teen Dream sind Beach House fast so nah an der perfekten Pop-Platte wie Yeasayer mit Odd Blood, allerdings nur fast und so ein extrem guter zweiter Platz für das bittersüße Meisterstück zweier Musiker von denen man hofft neues zu hören!

    1.Yeasayer – Odd blood (Mute / EMI VÖ: 05.02.2010)

    Einiges zu hören gibt es auf der neuen Yeasayer. Geräusche aus aller Welt sind vertreten.
    Seien es schon zu Anfang die verrückten Holzxylophone auf Ambling Alp oder die zahlreich auftretenden Kuhglocken auf dem Übersong O.N.E. Das ganze wird dann mit vielspurigen synthiesounds und einem verspieltem Schlagzeug hinterlegt. Dazu dann die herrlich frisch verrückt klingenden Stimmen der Vokalisten. Eine Poporgie aufs Ganze und dazu ein gelungener Live Auftritt auf dem Haldern-Pop Festival machen diese Platte zur Platte des Jahres, unglaublich knapp vor Beach House.

    2. Tracks:

    1.Yeasayer – O.N.E.
    2.Tunng – With Whiskey
    3.The National – Conversation 16
    4.Interpol – Barricade
    5.Tocotronic – Eure Liebe tötet mich
    6.The National – Bloodbuzz Ohio
    7.Everything Everything – Schoolin´
    8.Everything Everything – MY KZ, UR BF
    9.Yeasayer – Rome
    10.Foals – Spanish Sahara
    11.The Sword – Lawless Lands
    12.Oceansize – It´s My Tail and I´ll chase It If I want to
    13.Vampire Weekend – White Sky
    14.Caribou – Jamelia
    15.Marnie Stern – Nothing Left
    16.Sufjan Stevens – Too Much
    17.Miles Benjamin Anthony Robinson – The Sound
    18.Black Rebel Motorcycle Club – Bad Blood
    19.Menomena – Five Little Rooms
    20.Massive Attack – Splitting the Atom

    3. Live:

    1. Hundreds (Wagenhallen Stuttgart)
    2. The National (Dachau, Rathausplatz)
    3. Black Rebel Motorcycle Club (LKA, Stuttgart)
    4. Oceansize (Backstage, München)
    5. Beach House (Manufaktur, Schorndorf)
    6. The Tallest Man On Earth
    7. Yeasayer (Haldern-Pop)
    8. St. Vincent (Dachau, Rathausplatz)
    9. Portugal. The Man (Haldern Pop)
    10. Villagers (Haldern-Pop)

  4. Paulsen sagt:

    habs ausversehen zweimal reinkopiert… :-))

  5. roland sagt:

    ich nehms einmal raus. vielen dank dafür! bis vor zwei wochen hab ich ja übrigens gedacht, bei beach house singt der mann im duo.

  6. Paulsen sagt:

    Hab viele gesehen und gehört die dachten bei BH singe der Mann. :-))

  7. Tom sagt:

    alles ohne Reihung. All das fand ich großartig. Aber ich mag nicht behaupten, dass Beach House jetzt besser als Arcade Fire oder was auch immer war. An manchen Tagen war eine Platte perfekt, an anderen Tagen ne andere.

    Alben:
    Beach House – Teen Dream
    The Tallest Man On Earth – The Wild Hunt
    Arcade Fire – The Suburbs
    The National – High Violet
    Angus & Julia Stone – Down The Way
    Laura Marling – I Speak Because I Can
    Villagers – Becoming A Jackal
    Best Coast – Crazy For You
    Wild Nothing – Gemini
    Perfume Genius – Learning

    Songs:
    The Morning Benders – Excuses (DER Song des Jahres, Gänsehaut!!!!)
    Wild Nothing – Chinatown
    Tennis – Marathon
    The National – Conversation 16
    Arcade Fire – The Sprawl II (Mountains Beyond Mountains)
    Beach House – 10 Mile Stereo
    Perfume Genius – Mr. Peterson
    Villagers – The Pact (I’ll Be Your Fever)
    Yeasayer – Madder Red
    Owen Pallett – Lewis Takes Off His Shirt
    Sharon Van Etten – Love More
    Best Coast – Crazy For You
    Robyn – Dancing On My Own
    The Tallest Man On Earth – King Of Spain
    Sleigh Bells – Rill Rill
    Janelle Monae – Tightrope
    Nana Grizol – Cynisism
    Stornoway – I Saw You Blink
    Bright Eyes – Shell Games

    Konzerte:
    Villagers – Haldern Pop (DAS Konzert des Jahres)
    Arcade Fire – München (Zenith)
    Beach House – München (Feierwerk)
    Mumford & Sons – Haldern Pop

  8. roland sagt:

    Tom: vielen Dank. Tallest Man on Earth ist natürlich auch sehr schön, hat sich aber noch nicht endgültig und listentauglich festgehakt, kann aber noch kommen.

  9. seb sagt:

    Witzig! Hab erst nach 5 Minuten verstanden, bei wem es sich um Tom handelt …. Danke ! Ansonsten gibt es für mich bisher nur eine Überraschung, nämlich Yeasayer auf Platz 1. Die muss ich mir wohl noch einmal anhören! Welche 10er Platte mir mittlerweile nicht mehr aus dem Kopf geht und die wohl auch auch
    noch einen Platz unter den Top 20 verdient hätte: Erdmöbel – Krokus!
    Da hier gerade so wenig gepollt wird, trage ich noch meine 09er-Listen nach, die ja letztes Jahr dem Jahrzehntspoll zum Opfer fielen:
    Sebs Jahrespoll 2009
    I. Lange
    20. Grizzly Bear – Veckatimest (Warp / Rough Trade, VÖ: 22.05.2009)
    19. Manchester Orchestra – Mean everything to nothing (Favorite Gentlemen / Sony, VÖ: 18.09.2009)
    18. Hjaltanin – Sleepdrunk seasons (Haldern Pop / Cargo, VÖ: 06.03.2009)
    17. Muse – The resistance (Warner, VÖ: 11.09.2009)
    16. Isis – Wavering radiant (Conspiracy / Cargo, VÖ: 08.05.2009)
    15. The Thermals – Now we can see (Kill Rock Stars / Cargo, VÖ: 03.04.2009)
    14. Alberta Cross – Broken side of time (Ark / Rough Trade, VÖ: 18.09.2009)
    13. The Low Anthem – Oh my God, Charlie Darwin (Bella Union / Cooperative / Universal, VÖ: 28.08.2009)
    12. Soap & Skin – Lovetune for vacuum (Couch / PIAS / Rough Trade, VÖ: 13.03.2009)
    11. Why? – Eskimo snow (Tomlab / Anticon / Indigo, VÖ: 02.10.2009)

    10. HEALTH – Get color (Lovepump United / City Slang / Universal, VÖ: 18.09.2009)
    Haldern-Pop-Festival – 2.00 Uhr nachts: Health gibt sich im Spiegelzelt die Ehre, und zwar derartig expressiv, dass die Sinnesorgane außerordentlichst beansprucht werden. Intelligenter kann man den letzten Act bei einem Festival kaum besetzen! Tatsächlich kam mir die blödeste und unverzeihlichste aller Fragen in den Sinn: Krach, Vergesäßung oder Kunst? Ich entschied mich für letzteres und fuhr gut damit, denn den auf „Get Color“ präsentierten, mit halluzinogenem männlichen Elfengesang unterlegten Noisedrone konsumierte ich in Folge ob der klaren Strukturen gerne. Ein musikalischer LSD-Trip!
    9. Fuck Buttons – Tarot sport (ATP / Indigo, VÖ: 16.10.2009)
    Fuck Buttons machen keinen Krach, denn Rhythmen und Melodien sind durchaus vorhanden, und zwar sehr mitreißende! Gefälliger und ausgetüftelter wurde die Apokalypse jedenfalls selten vertont.
    8. The Paper Chase – Some day this could all be yours (Part 1) (Kill Rock Stars / Southern / Soulfood, VÖ: 15.05.2009)
    Niemand mir Bekanntes kennt die Texaner The Paper Chase, obwohl „Some day this could all be yours (Part 1)“ schon ihre fünfte Veröffentlichung ist. Schade, denn die Mischung aus cursiven Dissonanzen, Hysterie, Horrorfilm und Richard Wagner ist unerhört, zumal schier allen Liedern trotz ihrer Sperrigkeit eine eingängige Melodie innewohnt.
    7. Editors – In this light and on this evening (Kitchenware / PIAS / Rough Trade, VÖ: 09.10.2009)
    Die Nennung dieser Platte wird mit Sicherheit auf großes Unverständnis stoßen. Wahrscheinlich darf ich sogar froh sein, wenn ich dennoch meinen Pollerposten bei Machtdose behalten darf. Zur Sache: Bestach „The back Room“ (2005) durch – so nennt man das, glaube ich – gutes Songwriting, empfahl man sich mit „An end has a start“ (2007) für eine neue englische Nationalhymne: Coldplay durfte endgültig einpacken! Die neue Veröffentlichung ließ mich dagegen zunächst mit großer Ratlosigkeit zurück: Was soll dieser Rückschritt in tiefste Elektro-80er-Jahre, der monotone Beat, der Hall? Alles Maschine! Es bedurfte daher einer Live-Präsentation, um mir klarzumachen: Das ist keine Masch(in)e, sondern hinter alldem verbirgt sich ein uns determinierender blinder Wille, an dem alle Menschen teilhaben (Schopenhauer). Mithin ist diese Veröffentlichung eine dritte Ausformung editorischer Genialität. Klar, niemand wird sich jetzt die Mühe machen, dies zu verifizieren, aber für mich bleiben die Editors eine der besten Retro-Wave-Kapellen der Stunde.
    6. Mumford & Sons – Sigh no more (Island / Cooperative / Universal, VÖ: 23.10.2009)
    Wenn es dieses Jahr eine Platte gab, die stilistisch nicht unbedingt meinen Vorlieben entspricht, mich aber auf Anhieb überzeugt hat, dann ist es diese. Einen derartig harmonischen Gesang, der so klingt, als würde es sich um eine Familie handeln, habe ich selten gehört. Dazu die traditionelle Instrumentierung (vornehmlich Gitarre, Banjo, Kontrabass, dezente Percussion) und zwölf überzeugende Songideen mit Gespür für große Gefühle: Dieses Album ist wie eine sanfte Naturgewalt, der man nichts entgegenzusetzen hat, die einem aber ein reiches Melodieninventar für die nächsten Duschgänge hinterlässt.
    5. We Were Promised Jetpacks – These four walls (Fat Cat / PIAS / Rough Trade, VÖ: 19.06.2009)
    Diese Platte beginnt so furios, das gibt es gar nicht mehr – „It’s thunder and it’s lightning“ ist jedenfalls Programm. Denn was die Schotten mit ihrem schönen Dialekt und rohen Garagen-Indie-Sound an teils hysterischer, teils verinnerlichter Stimmung produzieren, lotet so ziemlich alle Nuancen der Schwermut aus. Und das so herrlich unverbraucht, dass diese Veröffentlichung für mich die sympathischte des Jahres ist.
    4. Raveonettes – In and out of control (Fierce Panda / Cargo, VÖ: 09.10.2009)
    An den Raveonettes scheiden sich die Geister: Von den einen als belanglos abgestempelt, lassen sich andere zu folgender Ausschreibe hinreißen: „Wer die Raveonettes nicht mag, mit dem möchte ich privat nichts zu tun haben.“ (Daniel Scotti-Rosin, 30.11.09) Dem kann ich mich nur anschließen. Ließ einen das letzte Album in psychedelische Höhen abschweifen und Drogenhändler/-innen alt aussehen, kommt das neue poppiger daher, und das nicht minder überzeugend. Elf schöne Songs (mit gewohnt niveaulosen Texten), die einen nach wie vor von JAMC (späte Frühphase), sanften Surfwellen und „Wild at Heart“ träumen lassen. Süßer waren die Raveonettes nie gewesen!
    3. Archive – Controlling crowds (Part III) (Warner, VÖ: 22.05.2009)
    Live begeisterte mich Archive auch zuletzt (2006), aber dass die noch einmal ein großes Album herausbringen, hätte ich nicht gedacht. Eher aus Pflicht denn pflichtgemäß legte ich mir trotzdem „Controlling Crowds“ zu – und war überrascht: 78 Minuten, unterschiedlichste Gesangsstile, stellenweise wieder mehr Trip-Hop, mit „Bullets“ auch eine neue Hymne und das Ganze trotzdem recht homogen und gewissermaßen postmodern. Eine klassische Neuerfindung!
    2. Glasvegas – Glasvegas (Columbia / Sony BMG, VÖ: 30.01.2009)
    Um es offen heraus zu sagen: Bis zum Schluss wollte ich diese Platte niedriger setzen, weil ich die Häme so manch eines anderen Pollers befürchtete. Aber es ist nun einmal so, dass ich keine Neuerscheinung in diesem Jahr so häufig hintereinander gehört habe wie diese, und zwar sowohl direkt nach ihrer Veröffentlichung im Winter, was vom Sound her passte, als auch in der schwülsten, gewittrigsten Woche im Hochsommer, was nicht minder die Atmosphäre traf. Und so rückständig das Glasvegasche Shoegazertum mit riesigen Soundwänden, viel Hall, imaginiertem Nebel und Melancholie ad infinitum erscheinen mag: Mir gefällt es, weil es vom Herzen kommt, wozu auch der breite schottische Akzent und die Harz-IV- respektive Ken-Loach-Lyrics beitragen.
    1. Phoenix – Wolfgang Amadeus Phoenix (Loyaute / V2 / Cooperative / Universal, VÖ: 22.05.2009)
    Vielleicht die Konsensplatte des Jahres – und ich bin so etwas von dabei! Warum? Weil es die Versailler – der Sachverhalt (= irgendwie Programm) muss genannt werden – geschafft haben, nach ihrem von mir 2006 abgefeierten Album ein weiteres hinzulegen, das fremde Menschen dazu veranlasst, sich zumindest gefühlt in die Arme zu fallen. Diesmal wieder etwas elektronischer, aber fast noch zwingender: Pop geht nicht besser!

    II. Kurze
    1. Phoenix – Armistice
    2. Yeah Yeah Yeahs – Heads with roll
    3. Archive – Bullets
    4. Metric – Help I’m alive
    5. We were promised jetpacks – Quiet little voices
    6. Telefon Tel Aviv – Helen of Troy
    7. Editors – You don’t know love
    8. Maximo Park – The kids are sick again
    9. Julian Plenti – Games for days
    10. Glasvegas – It’s my own cheating heart that makes me cry
    11. Grizzly Bear – Two weeks
    12. We were promised jetpacks – It’s thunder and it’s lightning
    13. Editors – Papillon
    14. Mumford and Sons – The Cave
    15. Phoenix – 1901
    16. Why? – Into the shadows of my embrace
    17. Health – Die slow
    18. Alberta Cross – Atx
    19. The Warlocks – Standing between the lovers of hell
    20. Hjaltanin – Goodbye july / Margt ad ugga

    III. Live-Acts
    1. The Thermals, Haldern-Pop-Festival (bestes Festival ever)
    2. Bon Iver, Haldern-Pop-Festival
    3. Malajube, Ffm. – Sinnkasten
    4. Isis, Stuttgart – Wagenhallen respektive Karlsruhe – Substage
    5. The Notwist, Schorndorf – Manufaktur
    6. Archive, München – Backstage
    7. Editors, Stuttgart – Longhorn
    8. +/-, Dornstadt – Obstwiesenfestival
    9. Final Fantasy, Haldern-Pop-Festival
    10. Sunn o)), Schorndorf – Manufaktur (lautestes Konzert ever)

  10. roland sagt:

    seb! wer soll denn das alles lesen?!

  11. Paulsen sagt:

    Wusste sofortst wer Tom ist :-))

    @Seb: Yeasayer dringend anhören!!!

  12. Gregor sagt:

    Es waere etwas uebertrieben, wenn ich mich derzeit mehr als einer Minute am Tag im Internet aufhalten wuerde. Ich bin bald wieder dabei, bis dahin erstmal super Gruesse aus Fernost. Ich schicke euch warme 28 Grad…

  13. seb sagt:

    Roland! Irgendwo muss ich meinen Jahrespoll von 09 doch posten! Ich hab halt keinen eigenen Blog … Hab mir heute Pantha du Prince auf der Zugfahrt von HH nach B bei verschneiter Winterlandschaft angehört! Muss sagen: waldorflehrertaugliche E-Musik (mit dem Gebimmel und so). Das schöne Cover passt m.E. extrem gut zur Musik …
    Ansonsten noch weiter Polls:
    Album, dessen Hype mir am unverständlichsten ist: Arcade Fire
    Albums von Bands, von denen man mehr hätte erwarten können:
    Wolf Parade
    The Thermals
    Owen Pallett
    Mum
    Spoon

  14. Roderik sagt:

    Hi! Hier meine Liste. Beste Grüße an alle und ein schönes 2011!

    Machtdose / Roderik Becker
    20 Platten für 2010

    1. Deerhunter – Halcyon Digest (4AD)
    2. Villlagers – Becoming a Jackal (Domino)
    3. Caribou – Swim (City Slang)
    4. Superchunk – Majesty Shredding (Merge)
    5. The Tallest Man on Earth – The Wild Hunt (Dead Oceans)
    6. Woods – At Echo Lake (Woodsist)
    7. Coco Rosie – Grey Oceans (Souterrain Transmissions)
    8. Beach House – Teen Dream (Sub Pop)
    9. Owen Pallett – Heartland (Domino)
    10. Frightened Rabbit – The Winter of Mixed Drinks (FatCat)
    11. S. Carey – All We Grow (Jagjaguwar)
    12. Gold Panda – Lucky Shiner (Notown)
    13. Erykah Badu – New Amerykah Pt. 2 Return of the Ankh (Universal Motown)
    14. Joanna Newsom – Have One on Me (Drag City)
    15. Actress – Splazsh (Honest Jon’s)
    16. James Blake – Klavierwerke EP (R&S)
    17. Kanye West – My Beautiful Dark Twisted Fantasy (Rock-A-Fella)
    18. Archie Bronson Outfit – Coconut (Domino)
    19. Grinderman – Grinderman 2 (Mute)
    20. Ariel Pink’s Haunted Graffiti – Before Today (4AD)

  15. curtis newton sagt:

    Dieses jahr beim poll mitzumachen erscheint mir etwas verwegen, wird es bei mir doch höchstens ein pöllchen, und warum das so ist, erklärt sich vielleicht aus meiner nummer eins:

    1: superchunk- majesty shredding (merge)

    auf superchunk kam ich so 1992 durch ihre „tossing seeds“ singel-sammlung, als ich damals in der spex gelesen habe, dass sie als vorgruppe von fugazi diese live an die wand gespielt haben.
    und nach einer phase so ab 2000, in der sie ruhiger und poppiger wurden, haben sie jetzt ein album rausgebracht, das nahtlos an no pocket for kitty und co ranreicht.
    Zwodreivier-schrammelschrammelgitarren-yeahyeahyeah-ahm-rock.

    2: sedatives-st (p.trash records 2009)

    mein musikjahr war lau und diese platte stammt eigentlich aus dem letzten jahr, aber dank dem 2000er poll bekommt diese band doch noch einen prominenten platz.
    Meine kleine rolle im machtdose poll ist ja immer meine rock’n’poll-fahne mit gitarrensaiten zu hissen, da mir die meisten der im poll vertretenen bands schlicht unbekannt sind, gerne weil sie schlicht elektronisch sind, oder elektronik verwenden. höre nichts, was keine gitarren hat.
    Die sedatives jedoch sind im grunde beinah elektronisch, verwenden sie doch als hauptmelodieinstrument eine piepsige orgel, aber gott sei dank nie in einem niedlichen sinn, sondern diese orgel haut dir die melodien um die ohren, während der rest der kanadischen truppe dir in den arsch tritt.

    3: boxhamsters-brut imperial (unter schafen records 2009)

    meine poll ankündigungen waren ja quasi subtext de luxe, und die boxhamsters auf platz drei meint eigentlich, trotz sedatives, jede menge alt bekanntes, nischt neues, ick werd alt, oder so.
    aber mit den boxhamsters altern macht spass, weil die immer noch großartiges gitarrengeschrammel machen, wie sie es immer schon machten, aber eben neue lieder, die wieder schwer in hitgiganten machen.
    Also quasi so wie man selbst altert, nur dass sich das gigantentum privat jetzt mehr auf den bauchumfang bezieht.

    4: a.a. Bondy-when the devil’s loose (fat possum 2009)

    auch ne 2009er platte, und eher singer songwriter country. Ruhig und schön.

    5: chain and the gang -down with liberty..up with chains! (k records 2010)

    die platte gibt sich am anfang sperrig, aber bewegt sich sehr bald nur noch in 180° bewegungen, von a nach b, statt in der huelle zu verschwinden. Eine Ian svenonious (nation of ulysses, the make-up…) band.

    6: red lorry yellow lorry- z.B. alle platten

    bereits im 2007er poll habe ich eine höchst unaktuelle band (die erde) angeführt, weil ich damals wieder über sie gestolpert bin und seitdem reiflich von mir gehört wird.
    So auch red lorry yellow lorry, weil wir im rahmen eines kleines projektes um referenzen aus den 80er suchten und ich eines meiner ever top-ten lieblingslieder „monkeys on juice“ (http://www.youtube.com/watch?v=EW2AfmoahzA) anführte.
    Dadurch war ich sofort wieder im gothic rock von rlyl drin, die selbst heute noch unglaublich fett klingen (und eigentlich kaum goth-esk), dafür dass ihre damaligen mitstreiter the mission, fields of the nephilim und und und heute eher nach am-radio klingen.
    Mal abgesehen davon, dass die alten aufnahmen sich immer noch mit den aktuellen sich auf die 80er new wave/goth rock beziehenden bands messen können, und soweit ich das weiss, locker an die wand spielen.

    Rock bless euch,
    curtis „woelfchen“ newton

  16. seb sagt:

    Witzig: 4 der 5 ersten Poller waren dieses Jahr auf dem Haldern, was auch deutlich an den Polls zu sehen ist. Den Deerhunter-Hype im Spex und bei Rod kann ich indessen nicht ganz nachvollziehen: Eine schöne, zurückhaltende Platte, aber nichts besonderes (außer „Helicopter“)! Zu Yeasayer: hab jetz einen Nicht-Privat-Poll gefunden, wo die auch oben drin sind, und zwar im zitty (Stadtmagazin aus Berlin) auf Platz 9. In dem Text dazu steht folgender wohl korrekter Satz: „Die Platte ist nämlich reiner Pop … die erst beim dritten Durchlauf seine subtile Seltsamkeit offenbart.“
    Da fehlt mir wohl einer. Zu Wölfchen: Dass ich den Namen RLYL noch einmal höre (bei denen ich – glaube ich – 1988 mit Gregor in der Batschkapp war), freut mich. Kann mir sogar auch vorstellen, dass die mir gefallen. War ja auch kein pathetischer, sondern eher Garagen-Wave. Ob die sich mit zeitgenössischen Düster-Bands messen können, ist m.E. jedoch keine angemessene Frage, weil seit 1988 22 Jahre vergangen sind und U-Musik glücklicherweise ja nicht zeitlos sein soll, sondern auf seine Zeit reagiert …

  17. Tom sagt:

    verdammt. da hört man das ganze jahr über tausend platten und denkt echt mal nichts wesentliches verpasst zu haben, da stolpert man am neujahrstag über eine platte, die eine pure freude ist und in meiner aktuellen begeisterung meine lahmen charts alt aussehen lässt. kinder kinder, hört avi buffalo!

  18. curtis newton sagt:

    @seb:
    der alte, vergleichsweise, aktuelle sound von RLYL hat mich ja selbst überrascht.
    mir fehlt wahrscheinlich einfach der zugang zu den aktuellen sich auf die 80er beziehenden bands.
    daher höre ich als aussenstehender kein grossen unterschied zu den damaligen alben von RLYL oder The Jesus and the Mary Chain, die immernoch grossartig klingen, und den heutigen zitierenden bands.
    ich erfreue mich meist nur an einzelnen songs von meinetwegen interpol, auf dauer denke ich aber eher, skip to the end.
    Meine sogar das ich mal auf TIDE ein video einer band gesehen habe, und ich dachte erst, oh cool, ein jesus video, und der american apparel look und das mir unbekannte lied machten deutlich, dass die band sich einfach nur an jesus( and the mary chain) orientierten.

  19. Daniel sagt:

    moinsen!

    bin mal wieder zu spät, habe aber ohnehin nicht viel zum thema beizutragen. eingangs wurde behauptet, 2010 sei ein „supermusikjahr“ gewesen, was ich insofern bestätigen möchte, als das in diesem jahr ein platte herauskam, die hier auch schon erwähnt und von mir bei erscheinen unverhältnismäßig bejubelt wurde. da es aber die einzige platte von 2010 war, die ich überhaupt bejubelt habe, wird aus meiner jahrestopten eine jahrestopone. drum:

    1. superchunk – majesty shredding

    dr. newton hat ja schon alles zu der platte gesagt, ich habe dem nichts hinzuzufügen.

    @gregor: wo treiben sich die feinen herrschaften denn rum in fernost?

    @seb: du warst in hh? tsss…

    frohes neues,

    daniel

  20. seb sagt:

    @Daniel: Gut, dass man sich noch auf einige Persönlichkeiten (hinsichtlich des Kommentierens) verlassen kann. Un dwenn´s auch nur eine Platte ist. Ich war in HH, allerdings nur umgestiegen, bin nach Schwerin und dann nach Berlin weiter.

    Best
    S

  21. Gregor sagt:

    Suor sdei aus Cambodia,
    alles, lieber Daniel, aber auch wirklich alles in den Schatten gestellt, was mir bisher auf meinen Reisen begegnet ist. Gutes Neues Jahr aus Phnom Phen!
    Gregor

  22. Daniel sagt:

    @seb: achso, das alte schwerin-ding, verstehe… eine 2009er-topten wäre mir übrigens (auch) wesentlich leichter gefallen…

    @greg: toll! neid! ich glaube, da steht ein viet-mjam-mjam-weekender an, gell?

    cheers,

    daniel

  23. seb sagt:

    zu Avi Buffolo: Geht bei mir gar nicht. Viel zu brav.
    zu Yeasayer. Hab´s mir noch zweimal angehört: Sehr sympathisch, originell und eingängig. Ich könnt´s sogar verstehen, wenn man sie in so manchen weiteren Poll auf Platz 1 finden würde. Mich lässt sie aber trotzdem kalt, d.h. sie bewegt micht nicht emotional.
    Superchunk läuft bei mir im Moment. Ist mir auf Anhieb zu dinosoaur-, ja sogar weezermäßig. Aber vielleicht urteil ich da zu früh …

  24. Paulsen sagt:

    Ich eröffne hiermit mal eine neue Kategorie:
    Alben die noch die Chance auf einen Platz in die 2010 Top-20 haben müssten allerdings zu spät entdeckz und/oder zu selten gehört wurden.
    Ich nenn gleich mal ein paar:

    Foals – Total Life Forever
    Pantha du Prince – Black Noise
    Titus Andronicus – The Monitor

  25. Andrea Quintus sagt:

    As I am not so deep into it, gebe ich einfach die Musik an, die mich im Jahr 2010 bis heute am meisten beeindruckt hat.

    Jede Band wurde bereits genannt, und so gilt mein Dank an dieser Stelle ganz besonders dem local record man aus Ulm, denn ohne ihn würde ich das alles gar nicht kennen. (Vor ca. 10 Jahren wäre das wahrscheinlich anders gewesen, aber in manchen Phasen des Älterwerdens verschieben sich die Prioritäten, wie man so sagt …)

    Midlake: The courage of the others
    kann ich in jedem Monat hören, allerdings ist der Genuß in den Wintermonaten am intensivsten. Manche sagen, diese Musik erinnere sie an Simon und Garfunkel, auch das mit den „gebatikten Hosen“ finde ich passend, trotzdem hat dieser Sound für mich eine unglaublich angenehme Kraft. Understatement at its best, Stille in musikalischer Form.

    Ólafur Arnalds – …And they have escaped the weight of darkness
    Das ist die Musik, auf die ich immer gewartet habe. Und mich gefreut und beruhigt habe, als sie endlich da war.

    The National:
    erst nach Haldern zündete der Funke so richtig, aber seit dem kann ich ohne sie nicht mehr leben.

    Villagers – Becoming a jackal.
    Stimmt, eines der besten Konzerte des Jahres, im Spiegelzelt (Haldern) bei Wahnsinnshitze. Gestört haben mich die vor mir, die nicht aufhören konnten zu filmen. Bei allem Verständnis, es nervt.

    Envy – Recitation:
    braucht ein bißchen, um reinzufinden, aber dann…
    Allerdings vergeht der Rausch auch recht schnell wieder.

    Tocotronic:
    RocknRoll for us. Auf die kann man sich immer verlassen, sie enttäuschen nicht.

    Dann, fast vor Jahresende, Massive Attak (Heligoland) gehört:
    „unambitioniert, so einfach-düster und leicht rezipierbar“. So ist es, genauso.

    Das beste Konzert der letzten Zeit:
    Ozeansize in Augsburg, kann jedoch auch sein, dass das Ende 2009 war.

    Das allerbeste Konzert seit ewigen Zeiten:
    Isis in Stuttgart, Wagenhallen.

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