Mojave 3 — Spoon & Rafter (4AD)

Gesetzt den Fall, man trifft in einer Kneipe einen alten Freund, den man schon Jahre nicht mehr gesehen hat. Solche Begegnungen enden gewöhnlich auf zweierlei Art — entweder man bemerkt schon nach einigen Sätzen, dass da außer bemühten Phrasen nur noch wenig ist – oder hat das Gefühl, als habe es nie eine Pause gegeben. Ähnlich verhält es sich auch bei Musikgruppen. Da gab es Anfang der 90’er in England eine Musikrichtung namens Shoegazing. Gitarrenwände mit Gesang, Hall und Melancholie Und meine erklärte Lieblingsgruppe (trotz My Bloody Valentine) war ein Quartett namens Slowdive.

Nun, Shoegazing wurde durch Brit-Pop ersetzt und auch Slowdive erloschen nach dem dritten Album. Zwar gab es eine Nachfolgeband, die der ehemalige Slowdive-Sänger Neil Halstead nebst Slowdive-Kollegen Rachel Goswell und Ian McCutcheon ins Leben rief — aber die wollten keine Gitarrenwände mehr erschaffen, so trennten sich unsere Wege.

Fahrlässig, wie ich bekennen muss, denn Halstead ist ein begnadeter Songwriter. Vom alten Label Creation gedropt und mit neuem Namen Mojave 3 versehen, wurde ein neues Label gesucht und gefunden – das englische Kultlabel 4AD. Unter starkem Einbezug englischsprachiger Folk- und alt. Countryelemente ist dieser Tage nunmehr das vierte Album von Mojave 3 erschienen. Ein Juwel, das neben besagten Klangfarben immer wieder auch sphärische, melancholische Momente zu bieten hat.

Neugewandete Popmusik, die auch dem Erbe von Slowdive zur Ehre gereicht. Schon der knapp 10—minütigen Opener »bluebird of happyness« skizziert die Stationen dieser Musikalischen Herbstreise. Amerika, Island und England sind ständig wiederkehrende Elemente und hier schließt sich dann auch wieder der Kreis. Über ein Jahr dauerten die Aufnahmen in Cornwall und herausgekommen ist ein Album, welches neben aller musikalischer Weiterentwicklung eine Atmosphäre erschafft, die von Slowdive stammen könnte. Und dann ist das eben wie mit dem alten Freund — lang nicht mehr gesehen – egal, die Freundschaft ist ungebrochen. Vielleicht sollte ich mal wieder in die alte Stammkneipe gehen und Freunde treffen — mit Mojave 3 hat es ja auch geklappt.

Related posts

Schlagwörter:

  • email this
  • share this on facebook
  • tweet this

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Plattenteller

  • Rokia Traoré - Né So

    Rokia Traoré - Né So Rokia Traoré stammt aus Mali. Ihre Musik ist eine Verbeugung vor den Griots – malische Sänger, die die Tradition der Geschichtenerzähler pflegen und seit Jahrhunderten mündlich weitertragen.

  • Julia Kent - Asperities

    Julia Kent - Asperities Cello-Monotonie und -Melancholie mit viel Drama. Tracktitel wie »Flag of No Country« und »Empty States« sprechen Bände. Antony and the Johnsons und Swans durften bereits von ihrem Können profitieren.

  • Lea Porcelain - Lea Porcelain

    Lea Porcelain EP Das Debüt von Lea Porcelain hat einen ordentlichen Bums. Mehr noch einen Punch. Inspiriert von dunklen Mächten aus den großen Regenstädten dieser Welt.

  • Bersarin Quartett - III

    Bersarin Quartett - III Ambient-Electronica, wie für unsere Zeit gemacht. Als stünde da jemand mit weißer Flagge und schrie: runterkommmen!

  • Sea Moya - Twins

    Sea Moya - Twins Twins ist eine kleine Schatzkiste, zum Mögen, mit Soundteilchen aus aller Herren Länder. Der Computer als Vermittlungsstelle zwischen Psychedelic, Krautrock, Afrobeat und Electronic Funk.

Veranstaltungstipps Rhein-Main