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Podcast February 2016

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Podcast January 2016

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Die besten Alben 2015 – Plätze 1 und Tracks des Jahres


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Rolands No. 1:

Holly Herndon – Platform
(4AD / Beggars Group / Indigo)

Es war wirklich ein sehr tolles Jahr, was Musik betrifft. Schon allein, weil jede und jeder gefühlt ein Album herausbrachte, der / die einem grad einfallen mochte. Und viele, viele davon waren mindestens gut. Trotzdem: wirklich aufgeregt im Sinne von: was war das denn, gleich nochmal und nochmal, die gab es dann wieder wenig. Aber hier!

In der elektronischen Musik gibt es ja gerade die Tendenz zum Auseinandernehmen, eher analytische Platten, die so Einzelteile aneinanderreihen, Genres ironisieren, Hässlichkeiten bewusst herauskehren usw. Eher nicht mein Ding. Holly Herndon gehört da vielleicht oberflächlich auch rein, bei allem Hickhack / Schnickschnack schert sie sich aber eben doch sehr um Schönheit und das Zusammenfügen mag für einige dann pathetischer Oberstimmenquatsch sein, für mich hauts rein wie nix.


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Gregors No. 1:

Coma – This Side Of Paradise
(Kompakt)

*krcks* *sprcks* Hallo? Hallo… Roland is speaking… – Da Gregor leider noch nicht die Zeit fand, etwas zu seiner Nummer 1 zu schreiben, ich aber nun nicht den Neujahrstag vergehen lassen wollte, ohne unsere Kürung auch abzuschließen – it’s 2016, Baby! – folgt jetzt etwas Ungeheures und absolut nicht Abgesprochenes (hoffentlich hat das nicht das Ende des harmonischen Machtdose-Daseins zur Folge), ich schreibe jetzt einfach was dazu. Ich weiß ja von seiner Nominierung seit ein paar Wochen und hatte also auch Gelegenheit, es vorher zu hören.

Das ist ja nicht zuletzt der Spaß für uns selbst: neue Anregungen zu bekommen. Und – absolut tolles Album. Für mich tatsächlich der Einschläger der diesjährigen Charts, hätte ich es vorher gekannt, wäre es ebenfalls in meiner Bestenliste gewesen. Als erstes fiele mir dazu ein: mühelos. Ich muss lange zurückdenken, dass mir ein so selbstverständliches Album einfiele, dass scheinbar leicht gebaute Songs bietet, die immer auch lockerflockige Mitschwupptracks sind. Hätte ich ein Café, würde das bei mir zur Gästebeschallung hoch und runter laufen, und ich glaube, es würde die Gäste auch nach Wochen null nerven.

[Okay, nun aber! Am Jahresende stapelt sich die Arbeit immer ein wenig, weshalb ich die 1 mit in den Urlaub genommen habe, here we go:] Diesseits vom Paradies ist jenseits der schlechten Laune. Beides verbindet: die Brücke des Regenbogens. Eine Reise mit Schönwetter-Garantie. Und siehe da, schöngeschrieben im Winterexil. Coma = 1. Mal wieder Kompakt. Köln. Es ist ein langer Weg von Ehrenfeld in die Bucht von Thong Nai Pan. Dort das graugrau der deutschen Industriegebietödnis. Studio. Synthies. Auch mal ein Mikrofon für das bisschen Gesang.

An anderer Stelle die Farbexplosion der Marktstände. Bananen, Mangos, Papaya. Straßenküchen. Frohsinn für den Wahrnehmungsfanatiker. Akustische Impulspakete, die da meine Ohren füllen, ohne erkennbaren Tempo- und Lautstärkewechsel. Die Oberflächenstruktur: Das leise Geräusch der ausrollenden Wellen, die Fächer der Palmen, ihr leichtes Rascheln im Wind. Der ideale Ort für »This Side Of Paradise«. Marius Bubat und Georg Conrad können sich für ihr Album kaum eine geeignetere Umgebung erdacht haben und mir gefällt der Gedanke, Coma diesem Rascheln beizumischen.


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Sebastians No. 1:

Sufjan Stevens – Carrie & Lowell
(Asthmatic Kitty / Cargo)

Um es vorwegzunehmen: Dies könnte die Lieblingsplatte meines Lebens sein! Keine andere spricht mich von vorne bis hinten mehr an, kein Lied samt seltsamen Text gefällt mir besser als „Fourth of july“! Schöner ist nicht möglich! Jahre habe ich Sufjan Stevens nicht weiter beachtet, u.a. weil ich vor Rolands Album des Jahrzehnts („Illinois“) und Stevens Größenwahn Angst hatte oder mir „The age of adz“ zu sperrig erschien. Aufgrund des übersichtlichen Formats und des „Fourth-of-July“-Vorabhörens habe ich mich aber gleich nach der Veröffentlichung „Carrie & Lowell“ angenommen. Fazit: Klarer Start-Ziel-Sieger und die Gewissheit, dass wohl noch eine ganze Menge im Sufjan-Stevens-Kosmos zu entdecken ist.

Es folgen noch unsere Lieblingstracks, soweit bei Spotify zu finden, in eine entsprechende Playlist gebracht

ROLANDS TRACKS 2015

  1. Holly Herndon – Interference
  2. Sufjan Stevens – Blue Bucket of Gold (Live Version)
  3. Kamasi Washington – Re Run Home
  4. Hunee – Rare Happiness
  5. Ana treacle – Missy Mtn.
  6. Nice Legs – One
  7. Throwing Snow – Xema
  8. Miracles of Modern Science – Never Knew Normal
  9. Jamie xx – Gosh
  10. Chemical Brothers – Go

GREGORS TRACKS 2015

  • Panda Bear – MR Noa
  • LeRoy – Niemals Erwachsen Werden
  • Grossstadtgeflüster – Fickt-Euch-Allee
  • Thee Oh Sees – Withered Hand
  • Grimes – Flesh Without Blood
  • Empress Of – Everything Is You
  • Rolande Garros – Wimbledon
  • Tocotronic – Die Erwachsenen
  • Courtney Barnett – Pedestrian At Best
  • Django Django – Shake & Tremble
  • Pollyester – Change Hands

SEBASTIANS TRACKS 2015

  1. Sufjan Stevens – Forth of July
  2. And the golden choir – New daily dose
  3. Lea Porcelain – Similar Familiar
  4. Sizzar – Baggage man
  5. Deerhunter – Take care
  6. Beach house – Wildflower
  7. Tame Impala – The moment
  8. Jamie Woon – Celebration
  9. Robert Foster – A poet walks
  10. Jamie XX – Gosh

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Die besten Alben 2015 – Plätze 2


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Rolands No. 2:

Sufjan Stevens – Carrie & Lowell
(Asthmatic Kitty / Cargo Records)

Sufjan kehrt zurück. Erinnerungspolaroids aus den wenigen Kindheitssommern, in denen er seine Mutter besuchen durfte, die er kaum kannte. Musikalisch zu den frühen Alben: spartanische Instrumentierung, einfache Melodien. Simple Ausführung, wie’s scheint, aber so erst recht mit Wirkung. Wehmut und Trauer in aller Pein(lichkeit). Wie uncool. Wie wundervoll.

(Kein wirklich soundmäßig störungsfreies Video gefunden zum Album. Dann wenigstens ein Ausschnitt vom schönen Konzert, auf dem ich war:)


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Gregors No. 2:

Grandbrothers – Dilation
(Film Recordings)

Das präparierte Klavier, fast so alt wie das Klavierspiel selbst, bekommt mit den Grandbrothers die Gnade der späten Präparation. Dieses Geflecht aus altbekannten Klavierbearbeitern beginnt mit seinen Verästelungen weit vor John Cage, also in der Gegenwart: Hauschka und Niels Frahm sprießen aus dem gleichen Trieb. Brandt Brauer Frick mit ihrer Opulenz hängen ein Ast weiter. Und alle wachsen aus dem gleichen Stamm.

Im Zentrum der Grandbrothers steht das Piano, gespielt von Erol Sarp. Lukas Vogel steuert per Laptop eine komplexe Apparatur aus elektromagnetischen Hämmerchen, die mit dem Flügel verkabelt sind. Zum Beispiel mit der Pedalstange oder dem Steg, aber auch mit den Saiten und dem Resonanzboden. Im Ergebnis treffen da wunderbare Melodien (Klavier) auf hypnotische Loops und sphärische Soundschleifen (Elektronik). Und man muss Vogel zugute halten: Er lässt dem Grand Piano großen Raum. Wenn es so etwas wie Kaffeehausmusik gibt, dann ist »Dilation« der Kaffeesatz dazu. Bester Dünger. Jetzt hören und morgen wieder!


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Sebastians No. 2:

Low – One and Sixes
(Sub Pop / Cargo)

Unglaublich, aber wahr: „Low“, die schon seit Ewigkeiten existieren, waren mir bis vor kurzem nur vom Namen her bekannt! Und dann dieses Album, in das ich vornehmlich wegen des schicken Covers hineinhörte! Fernab von musikalischen Moden wird hier Song für Song das Beste aus Indie, Singer-Songwriter und Slowcore (blöde Auflistung, aber genau das fällt mir ein, wenn ich den Stil beschreiben soll) destilliert und zelebriert, was ich mir vorstellen kann. Zwölf durchweg emotional-ansprechende Songs, die textlich Wesentlichstes, was es zum Miteinanderleben zu sagen gibt, ausloten. Bitte unbedingt anhören!

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Die besten Alben 2015 – Plätze 3


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Rolands No. 3:

Kamasi Washington – The Epic
(Brainfeeder / Rough Trade)

Fragte man mich, welche Musik wohl übrig bliebe, bzw. fantasiere ich, was ich höre, wenn ich mal aus dem Alter raus bin, mich für neue Musik noch zu interessieren, würde es wahrscheinlich doch auf Jazz hinauslaufen. Ich bin gar nicht bewandert, mein Interesse ist wenig ausgereift und eng gefasst, geht vielleicht von Hard Bop bis etwa zur Mitte der 1960er Jahre. Tatsache aber ist, dass diese Jazzplatten sich so gar nicht abnutzen. Wenn gar nix mehr geht, die gehen immer.

Umso schöner natürlich, wenn da ein Dreistundenalbum rauskommt von Leuten, die ganz genau diesen Jazz machen, einfach, weil sie es können. Dass das Album seine Aufmerksamkeit bekam, liegt daran, dass die meisten Musiker rund um den bestimmenden Saxophonisten Kamasi Washington längst im Business als Studiomusiker oder Produzenten tätig sind, sonst aber eben HipHop usw. machen. Vielleicht gibts auch jedes Jahr einige vergleichbare neue Platten im Jazzregal, mag ja sein, das hier habe ich jedenfalls sehr genossen und wird wahrscheinlich ähnlich langzeitwirkend sein wie die anderen Klassiker aus beschriebener Kategorie.


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Gregors No. 3:

Jamie xx – In Colour
(Young Turks)

»In Colour« war das ganz große Ding. Eins für die Mainstream-Minderheit. Headliner-Tour am Rand der Gesellschaft. Sind wir sofort dabei. Deshalb die Drei für Jamie xx, dem Mann hinter The xx. Die Drei steht aber auch für dreimal so oft gehört wie andere Alben. Eine echte Wellness-Platte für diese kleinen Feelgood-Augenblicke im Leben und ähnlich schön ausproduziert wie »Elaenia« von Floating Points (nur nicht ganz so raffiniert, dafür mit Steeldrums). »In Colour« ist Farbe pur. Eine Tautologie, wohl war.

Trotzdem! So breit wie die Farbtabelle von RAL. Wer drauf achtet, hört, wie sich »In Colour« vom Gelben ins Gelbgrüne, Violette hin zu einem tiefen Stahlblau färbt. Dieses Farbenempfinden mit seinem warmen, rhythmischen, einwiegenden Gefühl der Behaglichkeit: Genau um dieses Empfinden geht es. Um sonst nichts.


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Sebastians No. 3:

Beach House – Depression Cherry
(Bella Union / Pias Coop / Rough Trade)

Von meiner berufsbedingten Möglichkeit, Musik bis zum Abwinken konsumieren zu können, profitierte dieses Jahr insbesondere die Band, die bei einem Machtdose-die- letzten-5-Jahre-Poll-Bandranking klar auf Platz 1 stünde.

Denn mit dem Wissen, dass mir Beachhouse-Songs bei den ersten Durchgängen zumeist banal erscheinen, dass es dann aber irgendwann den Augenblick gibt, wo mir genau diese Banalität kunstvoll erscheint bzw. sie mich mitreißt, konnte ich mir (un)getrost nach fünf Durchgängen im Urlaub („100 Euro wette ich darauf, dass mich diese Platte nicht mehr anmachen wird und Beach house damit für mich vorerst gestorben ist.“), noch fünf Durchgänge am heimischen Computer leisten, um beim elften Mal von dem vom medizinischen Institut der University of Baltimore derzeit erforschten Beachouse-Blues derartig gepackt zu werden, dass mich dieses Album bis in die Träume verfolgt.

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Die besten Alben 2015 – Plätze 6 bis 4


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Rolands No. 6:

Beach House – Depression City
(Pias Coop / Bella Union / Rough Trade)

Beach House. Jaha, schooon wieder. Fast ist es mir selbst langweilig. Aber was willste machen. (Und dieses Jahr haben sie auch noch zwei Alben rausgebracht, be warned!)

Depression Cherry reduziert und konzentriert nochmal den sowieso stark reglementierten Beach-House-Sound, the Haiku of the Haiku – Traumwandeln ist auf der Stelle treten. Dieser Suppenwürfel gefiel dann auch den meisten wohl weniger, der wenigwöchige Nachfolger wurde meiner Wahrnehmung nach schon wieder mehr gefeiert. Ich aber mag es offenbar noch elegischer, die Synth- und Drummachine-Sounds noch billiger und alles so eingedampft, bis du die Knochen siehst / schmeckst. Könnte auf Dauer meine Lieblings-Beach House werden.


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Gregors No. 6:

Flanger – Lollopy Dripper
(Nonplace)

Das Wesen unserer Zeit: die Nervosität. Bei Flanger alias Atom™ & Burnt Friedman in eine Schleife gegossen. Zehn Jahre sind seit »Spirituals« vergangen und noch viel mehr seit ihrer Gründung 1997. Und nun »Lollopy Dripper«. Es verhält sich wie mit dem Igel. Nicht jeder, der kein Lebenszeichen von sich gibt, ist wirklich tot. Im Gegenteil. ADHS steht im Raum. Und Zuckungen am Auge und im Bein. Clicks und Cuts in Jazz-Texturen. Körperspannungen. Das komplette Zappelprogramm. Der akustische Kontrast dazu: Dub und Space und noch mehr Jazz. All das kulminiert zu einem Raum von wohlklingender Erhabenheit. Und es zeigt einmal mehr: Ein Leben ohne Musik ist möglich, aber nicht sinnvoll.


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Sebastians No. 6:

And The Golden Choir – Another half life
(Cargo)

Zugegeben: Tobias Siebert ist ein Womanizer und seine Texte erweisen sich – so weit ich sie verstehe – als nicht sonderlich hintersinnig. So konnte ich das Album auch getrost meinem vierzehnjährigen weiblichen Patenkind zum Geburtstag schenken (, was nicht heißt, dass sie nicht sehr schlau ist)! Aber abgesehen davon: In dieser Armut, welche melodramatische, süßschmerzliche Fülle!

Folkloristisch anmutende Instrumentenvielfalt (übrigens: alles selbst eingespielt) beschwören Bilder von archaischen Feuern herauf. Die Liedkompositionen sind ausgefeilt, teils erhaben und teils so eingänglich (z.B. „New Daily Dose“), dass ich mich frage, warum das keine Radiohits wurden. Das alles brachte einen Suchtfaktor mit sich, der einen Lebensabschnitt so ganz mit diesen Klangfarben durchtränkte, nämlich GOLDEN.


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Rolands No. 5:

Son Lux – Bones
(Caroline / Universal Music)

Prinzip Überraschung, auch diesmal. Und klappt, auch diesmal. (Lustigerweise habe ich auch einige Amazonrezensionen gelesen, die sich über die plötzlichen Brüche und Nichterwartbarkeiten gerade mokieren, nunja) – Das Überreiche, das bei den vorigen Platten für mich leicht mal zuviel sein konnte, ist jetzt auch einer klareren Struktur gewichen und stellenweise so aufgeräumt, dass die vorherige eher beiläufige Peter-Gabriel-Assoziation deutlicher sich aufdrängt. Das „Rundere“ soll auch daher kommen, dass Son Lux sich vom Einmannprojekt zur Dreimannband hinentwickelt hat, kann ich aber nicht wirklich beurteilen.

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Gregors No. 5:

Balthazar – Thin Walls
(Play It Again Sam / Pias Coop)

Diese Belgier, zerrissene Nation, Brutstätte des Terrorismus. Hier die Flamen, dort die Wallonen. Vier Sprachgebiete. Der Kinderschänder Dutroux. Und der Rechtspopulismus! Wie überall in Europa auf dem Vormarsch. Die Kreativität stört das wenig, trotzdem man sich daran stört. Man denke nur an die großartigen belgischen Filme der jüngsten Vergangenheit. Die belgische Mode. An den belgischen Fußball (mit Kreativspielern Mitfavorit auf den EM-Titel). Oder an Balthazar! Drittes Album. Ein absoluter Mädchentraum (schön, wenn’s so wäre).

Lässigkeit und Eleganz. Das Indierock-Quintett aus Gent demonstriert 2015 ein gewachsenes Selbstbewusstsein. Vier Jahre nach ihrer Geheimhymne »Throwing a Ball«. Gerade wegen Europas europafeindlicher Stimmung nicht wegzudenken aus der europäischen Musiklandschaft. United by Music!


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Sebastian No. 5:

Tocotronic – Tocotronic (Das rote Album)
(Vertigo / Universal)

Keine andere Band stand bereits schon viermal in meinem seit 2006 hier veröffentlichten Jahrespoll und es ist derzeit nicht absehbar, dass es mal einen Grund geben wird, dass sie nicht auch die nächsten zehn Jahre alle zwei bis drei Jahre hier zu finden ist. Liest man über Tocotronic, wird ja häufig über deren Stilwechsel reflektiert (vorvorletzte Platte: eher rockig, letzte Platte: Low-Fi, diese poppig usw.) und das Text-Konzept, das häufig den Titeln der Alben entsprach, als hintersinnig gelobt.

Das mag sein, dennoch klingen die Melodien für mich immer ähnlich und die Texte belehren mich seit jeher, dass das Private mit dem Politischen zu identifizieren ist oder so ähnlich. Statt eine andere Laudatio als die letzten Male auszuformulieren, bleibt mir daher nichts anders übrig, als festzustellen, dass „Das rote Album“ laut Playlist-Statistik, die im Übrigen nur bisweilen mit meinen Pollrängen übereinstimmt, von mir am fünfthäufigsten Mal in diesem Jahr gehört wurde und ich die Hälfte der Texte mitsingen kann.


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Rolands No. 4:

shy kids – Lofty!
(Eigenrelease)

Ein bisschen hochstaple ich hier ja schon rum, denn eigentlich bin ich mit Musikhören für den Machtdose Podcast schon ziemlich ausgelastet, so dass ich eigentlich nur zum hipsteren Dabeisein auch nach „regulären“ Veröffentlichungen schaue / höre, die meisten nur anskippe und einige wenige bleiben eben übrig und geben mit Glück eine Top10 (dieses Jahr war aber auch hier übervoll).

Egal, jedenfalls: die shy kids aus Toronto kommen übers Podcastrecherchieren rein, ihr Album ist CC-lizeniert und bei Bandcamp als pay-as-you-want zu haben – und es ist ein rundherum großartiges Album, das ich ohne jede Abstriche allen sehr ans Herz lege, möge es noch so große Vorbehalte geben wegen „gibts ja umsonst“ und „ist ja nicht relevant“ (und die Ohren mögen Euch abfallen, wenn Ihr tatsächlich ausschließlich so Musik bewertet).

Intelligenter Pop, den ich jetzt leicht mit einigen Bands vergleichen könnte, die auch hier in den vorjährigen Jahresrückblicken standen, was ich mir aber spare, denn die shy kids brauchen das überhaupt nicht. Ich freue mich jedenfalls daran, dass die Musik im Podcast locker mit allem mithält, was da sonst rumfleucht und besprochen wird.


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Gregors No. 4:

Floating Points – Elaenia
(Eglo/Pluto Records/Rough Trade)

Was Daniel Snaith (Caribou) für die Mathematik und Kieran Hebden (Four Tet) für die Computerwissenschaft, ist Sam Shepherd für die Neurowissenschaft: Eine Ausnahmeerscheinung seines Fachs. Natürlich ein Zufall, aber trotzdem bemerkenswert: Alle drei arbeiten auf dem gleichen Niveau, dem gleichen, herausragenden Produktionslevel. Schon die ersten Singles und EPs aus den Jahren 2009 – 2014 deuten an: hier bricht sich einer der talentiertesten Produzenten der Welt Bahn.

Mit der Königskrönung im Jahr 2015: »Elaenia«. Das Debütalbum durchläuft einen fortlaufenden Veränderungsprozess im Wirkungsbereich von Techno, Deep House, New-Jazz und Experiment. Trotzdem homogen im Klang und frei von Grenzen und Barrieren. Dafür hat Shepherd Unterstützung von Jazz-Schlagzeuger Tom Skinner, Leo Taylor (Leihdrummer für u.a. Adele, Hot Chip, Zongamin), Susumu Mukai (alias Zongamin) und der Geigerin Quian Wu bekommen. Groß!


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Sebastians No. 4:

Man without country – Maximum Entropy
(Pias Coop / Lost Ballon / Rough Trade)

Zur Information: „Man without country“ sind ein walisisches Duo, das trotz zwei herrlicher Alben noch nicht auf dem Machtdose-Plattenteller zu finden war. Traurig, traurig! Nach dem wundersamen „Foe“, das mich insbesondere wegen seiner heimelig widescreen-wimpigen Gesamtstimmung überzeugte, wartet nun „Maximum Entropy“ zudem noch mit größeren Gefühlsnuancen und einer Detailverliebtheit auf, die zur Folge hat, dass einige Songs sogar M83-mäßig zum Mitschunkeln anregen. Für mich das Electro-Pop-Album des Jahres!

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