»Die Intellektuellen schweigen. Aus den Universitäten hört man nichts, von den sogenannten Vordenkern nichts, hier und da gibt es einzelnes kurzes Aufflackern, dann wieder Dunkel.« Kapitalismus braucht keine Demokratie – Thesen gegen die Ausplünderung der Gesellschaft von Ingo Schulze, Schriftsteller (Quelle: Süddeutsche).
Das digitale Urheberrecht steht am Abgrund
Der Rechtswissenschaftler Karl-Nikolaus Peifer über die Überforderung des Rechts, das Unwesen von Abmahnungen und die kleine Münze.
Die Menschen sehen prinzipiell ein, dass der Künstler, dessen Werke sie herunterladen, von irgendetwas leben muss. Die Menschen sehen aber andererseits nicht, dass das Geld tatsächlich den Künstlern zugute kommt. Ich verstehe die Rechteinhaber, aber sie pokern zu hoch. Sie hoffen, dass die Abschreckungswirkung so stark ist, dass die Nutzer Angst bekommen und deswegen wieder in die Legalität kommen. Aber auch ängstliche Nutzer, die nur deswegen legal handeln, weil sie Angst vor Strafe haben, sind eigentlich nicht das, was wir mit einem verträglichen Rechtssystem erzeugen wollen.
Und weiter…
Für wie wahrscheinlich halten Sie alternative Vergütungsmodelle?
Sie sind noch nicht durchsetzbar. Obwohl sie politisch sicher erwünscht sind, weil sie den Druck, der momentan im Kessel ist, mit einem Male entweichen ließen. Aus rechtswissenschaftlicher Sicht sind sie noch dringender erforderlich. Die Juristen sehen, dass die Verfolgung der Nutzer digitaler Inhalte nichts bringt, und sie sehen, dass sich alternative Vergütungsmodelle nicht durchsetzen lassen. Damit steht das digitale Urheberrecht zum ersten Mal ernsthaft am Abgrund.
Hit-Garantie
Was einst von The KLF auf Verdacht niedergeschrieben wurde (»Das Handbuch: Der schnelle Weg zum Nr. 1 Hit«), wurde nun von der Wissenschaft belegt: Hits sind planbar! Hit-Garantie: Programm sagt Songerfolg voraus. Toll also die Vorstellung, die Charts seien vom ersten bis zum letzten Platz das Ergebnis eines Algorithmus.
Wovon die Industrie seit Jahrzehnten träumt, dem haben Forscher der Universität Bristol sich jetzt genähert: Sie haben ein Programm entwickelt, das voraussagen kann, ob ein Song Chancen auf einen der ersten Plätze in den britischen Charts hat (dpa).
Somebody that I used to know
It is very difficult to escape the charm of this brilliant idea. Walk off the Earth and Sarah Blackwood perform a cover of Gotye’s »Somebody that I used to know« using five people on one guitar. now also at Machtdose.
Die besten Alben und besten Tracks 2011
Erstaunlich: Der Blick auf Rolands Beschreibung aus 2007 (»Nimm den Loop, walke ihn in alle Richtungen zu dünnem Teig, grad so, dass er nicht reißt. Und lecker is’«) und meiner aus 2009 (»Um halb Fünf geht die Sonne auf. Selbstgemachte Marmelade auf frisch gebackenem Brot. The Field dazu. Auf der Veranda und leicht verdrogt.«), lässt ahnen: die Machtdose ist ein Familienbetrieb (oder mein Unterbewusstsein war aktiv). Warum ich zitiere? Prinzipiell wird die Musik von The Field immer noch aus Teig gemacht und das wird wohl auch so bleiben. Das, was man früher mal »repetitiv« nannte, heißt bei Axel Willner plötzlich Loop (als quasi-Genre und Alleinstellungsmerkmal durchaus okay), eine Tonsequenz, die man ohne Brüche mehrfach hintereinander abspielen kann. Das klingt eigentlich nach Langeweile, was da aber über acht, neun, zehn Minuten auf den restlichen Spuren so alles passiert ist wie immer: unschlagbar!
Sebastians No. 1:
01. Nicolas Jaar – Space is only noise
(Circus Company / Rough Trade, VÖ: 04.02.2011)
Auch das angenehmste und zeitüberdauernste Album ist für mich in diesem Jahr (wie das von Mogwai) ein vornehmlich instrumentales. Nahezu alle geschätzten Spielarten elektronischer Musik, Eric Satie und ein ganz kleines bisschen Jazz verbindend, bot es den idealen Soundtrack für meine diesjährigen Vergewisserungen, dass das Sein an sich – also ohne dass man etwas machen muss – doch etwas Schönes ist.
Rolands No. 1:
01. Colin Stetson – New History Warfare Vol.2: Judges
(Constellation / Cargo, VÖ: 25.02.2011)
Colin Stetson ist der Saxophonbegleiter von so ziemlich jedem derzeit. Hier widmet er sich seinem Instrument in einer Weise, dass man erstmal von Fetischismus sprechen kann. Jeder Track wurde in einem durchgängigen Take aufgenommen, mit nur einem Spielgerät, von dem der komplette (!) Sound stammt. Mag man kaum glauben und fassen. Dutzende Mikrofone standen bei der Aufnahme bereit, man sitzt praktisch im Bauch des Saxophons, hört jedes Ächzen und Seufzen, fast schon, wie die Spucke von den Innenwänden tropft. Ein Klangirrsinn, komplett außerirdisch. Trotzdem – und das ist wichtig – nie hat man dabei das Gefühl, irgendeinem masturbatorischen Gegniedel beizuwohnen, sondern alles ist durch ziemlich strikten Minimalismus in der Komposition bzw Struktur gebändigt. Extremst aufregend und meditativ zugleich. Kurzum: ein Monolith, ein Gigant von Platte.
Gregors Top 10: Tracks
- John Maus – Hey Moon (Upset! The Rhythm)
- Washed Out – Amor Fati (Sub Pop)
- Frank Ocean – Novacane (Frank Ocean Self-Released)
- Holy Ghost! – Do It Again (DFA, Cooperative Music)
- Black Lips – Modern Art (Vice Records)
- Iron & Wine – Glad Man Singing (4AD)
- Destroyer – Chinatown (Merge Records)
- FM Belfast – Stripes (Morr Music)
- Lamb – Rounds (Strata)
- PJ Harvey – The Glorious Land (Island Records)
- tUnE-yArDs – My Country
- Peaking Lights – All The Sun That Shines (Domino)
Sebastians Top 10: Tracks
- Ja, Panik – Nevermind
- Peter Licht – Begrabt mein I-Phone an der Biegung des Flusses
- James Blake – Lindesfarne I
- Death Cab for Cutie – Doors unlocked and open
- Peter Licht – Neue Idee
- Ada – The Jazz Singer
- Digitalism – Circles
- Ghost Of Tom Joad – Just like a dog
- Barbara Panther – Dizzy
- Michaela Meise – Preis dem Todesüberwinder
Rolands Top 10: Tracks
- Metronomy – The Bay
- The Crossfaders – Deep Drop
- Bombay Bicycle Club – Shuffle
- Elbow – With Love
- Dominik Eulberg – Das Neunauge
- tUnE-yArDs – My Country
- Yuck – The Wall
- Digitalism – 2 Hearts
- Battles feat. Matias Aguayo – Ice Cream
- PeterLicht – Sag mir, wo ich beginnen soll
NICHT VERGESSEN! Wir sind wirklich wahnsinnig neugierig auf Eure Nennungen – keine Scheu, wenn Euch nur 3 Alben einfallen, her damit. Wenn Ihr aus 30 Alben nicht auswählen könnte, her damit! Gleiches für Singles, Videos oder was Euch sonst einfallen mag. Danke. Also: Danke!
Die besten Alben 2011 – Plätze 2
Bin ich denn der einzige Mensch in diesem Land mit einer Cut-Copy-Feder im Hut und Bauchschmuck aus Glasperlen? Liegt es vielleicht daran, dass Australien mehr als eine Autostunde von Frankfurt entfernt liegt? Nein, Cut Copy ist nichts für uns Deutsche (in Australien war »Zonoscope« übrigens sieben Wochen auf Platz 1 der Albumcharts). Eigenartigerweise verbinde ich kaum ein Alltagserlebnis mit meiner 2, bestenfalls den gescheiterten Versuch, »Take Me Over« auf einer mäßig besuchten Tanzveranstaltung zu etablieren. Außerdem ist »Hanging Onto Every Heartbeat« auf Superfly, dem Pulshalbierer für Menschen mit Bluthochdruck. Ich: »groß!». Meine Umwelt schweigt zu dem Thema. Aber egal. Die Lehre, die ich aus all dem ziehe: Ab ins Land der Flaschenbäume, vielleicht nach Tasmanien?
Sebastians No. 2:
Mogwai – Hardcore will never die, but you will
(PIAS / Rough Trade, VÖ: 11.02.2011)
Dass Mogwai noch einmal in einem meiner Jahrespolls auftaucht, hätte ich nicht für möglich gehalten, erschienen sie mir doch als typischen Band, die man abgehakt hat. Eher zufällig führte ich mir dann – aufgrund unerbittlicher Musikzukommenlasser, vielleicht auch wegen des schlagkräftigen Titels – die neue Scheibe zu Gemüte und musste feststellen: Postrock will never die! Zehn starke Nummern, nie war Mogwai (samt Live-Act) so gut! Diese Platte steht außerhalb jeder musikalischen Trends und wird auch noch in zwanzig Jahren mein Gehör finden!
Feist war für mich bisher: okay. Wahnsinnig erfolgreich und ist einem häufig, in zig Kontexten begegnet – blieb trotzdem vollkommen unnervig. Musik für alle sozusagen. Aber Musik, die nahe dem eigenen Herzen wohnte? Das nun nicht. Hat sich geändert, kompletto. Mit anderen Worten: was für ein Album! oder auch: was für ein Album! Wie hat sie das nur gemacht? Wahnsinnig gut produziert, klar. Vielleicht wesentlicher: hier ist eine Nüchternheit oder Konzentriertheit eingezogen, die jedes Wenn und Aber beiseite legt. Unverstellter, direktester geht kaum. Haltbarkeitsdatum: lang. Sehr lang.
Die besten Alben 2011 – Plätze 3
Der völlig überzogene Trend zum Musik beschreiben, das Flächen-Wärme-Space-Gelaber passt ja wohl kaum zum Moon Duo. »Mazes« ging Anfang des Jahres über den Tresen, dann mit nach Paris genommen, meinem neuen Berlin, dort im Opel Rekord hoch und runter gehört, sagen wir auf der Rue Oberkampf, während neben mir die Straßenmäuse für kurze Zeit die Fassung verlieren. Okay, ich saß in einem Astra (ich glaube immer noch, dass ich einen fahre, bin mir aber nicht ganz sicher), aber immerhin: der Boxensound stimmt ja heutzutage, obwohl das Moon Duo doch beträchtlich eiert und scheppert. Muss ich noch erwähnen, dass meine Arme meterweit aus dem Fenster hingen?
Selten ging eine Band trotz fortwährend guter Besprechungen in meinem Lieblingsmusikmagazin so an mir vorbei wie Ja, Panik. Da bedurfte es schon eines Überhits wie „Nevermind“, um meine Aufmerksamkeit zu wecken. Doch auch dann brauchte es noch einmal ein halbes Jahr. Zu sperrig und textlastig war´s mir auf Anhieb! Als der Funke dann übergesprungen ist, wurde mir aber schlagartig deutlich: Ja, Panik sind mit ganzer Seele DIE Poeten der Großstadtanonymität, die in ihrem monomanischen Kreisen um die Hörigkeit des Menschen in allen Facetten trotz aller Referenzen auch das ganz große Gefühl bedienen können. Und das dazugehörige Austroenglisch ist sehr passend …
Auch so’n Trend: elektronische Musik mit “akustischen” Instrumenten nachbauen. Macht seit geraumer Zeit ja bereits Hauschka, “der mit dem präparierten Klavier” und ist ja auch ein logischer Schritt mit so einem getweakten Instrument. Bei dem Album jetzt nochmal ganz explizit, indem er also ausdrücklich die typischen Bauformen diverser “elektronischer” Genres gebraucht und sone Art “Akoustik-Techno” bei rauskommt. Kann man prätentiös oder abgeschmackt finden. Im schlimmsten Falle bei so Transformationen kann ja Gestelztes wie sagen wir mal Rondo Veneziano rauskommen, oder es werden irgendwelche Wertigkeiten behauptet (Akustik beats böse Maschinen oder so), aber hier spricht tatsächlich nur musikalische Offenheit, und deshalb funktioniert das auch. Natürlich ist das “schön” – für einige vielleicht zu glatt teilweise. Mir gefällt es sehr.
Immer auf der Suche nach dem Flow, begeistern Gregor Maria Schubert und Roland Graffé sich für Trends, Widersprüche und Abseitiges in Kunst, Musik und Medien.
Machtdose entdeckt, kultiviert, archiviert, und teilt Glanzlichter der Popkultur und persönliche Vorlieben mit allen anderen Träumern, Liebhabern und Neugierigen.
- roland Thanks! I also appreciate your excellent blog.
- Drizzi A podcast of pleasant surprises…
- Maas Thanks for the support: 10.Francesco Stablum – Apnea [Eastern Recordings 078]
- andreas >Darf ich ein bisschen Werbung für die Compilation machen? hallo roland, na klar ;-) lg @ndreas
- Roland Hi Andreas, komme gerade aus dem Urlaub zurück: prima, gleich was zum Anhörn. Darf ich ein bisschen Werbung...
Plattenteller
Beach House - Bloom
Ein Feuerwerk in Slow Motion, schlichte Zeitrafferaufnahmen und der Höhepunkt an Blütenpracht - alles richtig und richtig gut.Lauer - Phillips
Probieren Sie es einfach aus und probieren Sie sich satt! Fußspitzen nach oben, Schwingschwang und ab damit durchs Jahr.Perfume Genius - Put Your Back N 2 It
Mark Hadreas erobert die Welt mit Songs, deren Energie die emotionalen Trümmer seines Lebens widerspiegelt. "No violence can darken the heart or tear it apart".The Chap - We Are Nobody
In der Zwangsjacke guter Melodien, aus edlem Nappaleder gearbeitet und bisweilen butterweich (hören Sie nicht auf das Cover!). Spiritualized - Sweet Heart, Sweet Light
Gospelchöre, Streicher, Genuschel, Psych und Feedback - Jason Pierce hat mich mal wieder an der Angel.
Veranstaltungstipps Rhein-Main
HGich.T - Do, 24.5.12 - 22:00 Uhr
Zoom - How do you know if there is a spirit in your house or ghost? Feel the mysterious presense of HGich.T at least once in your life!Mittekill - Di, 29.5.12 - 21:00 Uhr
Nachtleben - Mit "All but bored, weak and old" erschien kürzlich das dritte Mittekill-Album bei staatsakt. Graumalerei, gesunde Ironie und das Ausspielen verschiedener Gemütslagen irgendwo zwischen nachdenklich, stolz und lebensfroh.
Kasabian - Mi, 6.6.12 - 21:00 Uhr
Gibson - Alternative Leicester Rock Band Kasabian is currently touring the world showcasing tracks from their new album "Velociraptor". Don't miss their stop in Frankfurt.






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