Stirb langsam

Diedrich Diederichsen reagiert auf die Spex. Die beschloss unlängst in ihrer letzten Ausgabe, Platten nicht länger aus der subjektiven Perspektive des Autoren rezensieren zu lassen, sondern künftig in einer Art Autorenpool dialogisch zu besprechen. Diederichsen schreibt:

Nicht nur im Musikjournalismus haben Gespräche, Roundtables und Interviews als printjournalistische Form Konjunktur, weil sie schnelle Reaktionen ohne aufwendige Autorenaufträge ermöglichen – eine Antwort auf den vermeintlichen Zeitdruck der Netzkommunikation. Vor allem aber ist dies eine billige Form von Content: Der Befragte kriegt in der Regel kein Honorar. Praktikanten tippen Audiofiles ab, Redakteure redigieren und glätten, Autoren verschwinden. Ich votiere für das Gegenmodell: Autoren schreiben gut bezahlte, lange Texte, die nicht zum Erscheinen der Platte, des Buches, zur Einführung des Games oder zum Kinostart des Filmes erscheinen, sondern irgendwann, zu Beginn, in der Mitte oder am Ende eines Rezeptionszyklus intervenieren.

Stirb langsam von Diedrich Diederichsen, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 10.01.2010.

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