Februar 2004

Feine Motorik

Ich pack das mal in die Vinyl-Abteilung, obwohl es da ja gerade nicht hingehört: Das Institut für Feinmotorik ist eine Truppe, die mit Plattenspielern, aber ohne Platten auftritt, sondern die Spieler selbst präpariert à  la John Cage und Klavier. Mehr Links und Erklärungen dazu bei swens blog.

Was ist eigentlich eine Machtdose?

Wer hundert Mal hintereinander das Wort »Machtdose« vor sich hin nuschelt, wird mit der Zeit sogar eine gewisse Sprachmelodie erkennen. Für alle anderen ist und bleibt das Wort Unwort und Kantenschläger. Herr Vogt (Re:Jazz, Seelenbande, hingeschiedenes MD-Mitglied) hat einmal bemerkt, das Wort erinnere eher an skurrile Sado-Maso-Praktiken. Nicht gerade das, was man unter »catchy« versteht. Sinn macht das Wort zudem auch nicht. Das Net-Lexikon gibt bekannt: Leider gibt es keine Ergebnisse zum Suchbegriff: »machtdose«. Was also verbirgt sich hinter diesem Wort?

Hinter Machtdose steckt einiges mehr als nur der Ideenreichtum eines einfallsreichen Wortes. Hinter den Kulissen der Sendung »Machtdose« steht […] eine grandiose Schöpfungsgeschichte: »Ein Freund der Familie, ein Typ aus Barcelona, bewahrte alle seine Ausgehutensilien (Pariser, Gras, Geld, u.v.m.; Anm. des Verfassers) in einer Dose auf. Der deutschen Sprache nicht sehr mächtig, sagte er, die Dose verleihe ihm Macht und nannte sie – die Machtdose« […]. Nach einer durchzechten, mediterranen Nacht wurde der Name sozusagen aus Barcelona nach Deutschland exportiert. Der tiefere Sinn des Wortes bleibe bis auf weiteres »ein großes Rätsel« (Patrizia Frank, Rüsselsheimer Echo vom 24. März 2003)

Resist

Dieses verdammte Jahrzehnt: Alles ist »Style«. Die Säulendeko am ehemaligen Portikus folgt dieser These eindrucksvoll, wie der Künstler ganz unverblümt eingesteht. Ein Jammer!


Marc Bijl, Portikus 2002

Grafik in Vinyl

Akroe kümmern sich um schöne Cover, gute Einfälle und sonderbare Plakate in ungewöhnlicher Umgebung. Good Taste!

Flammend‘ Herz

Hellauf begeistert war ich von der 90-minütigen Dokumentation Flammend‘ Herz, die ab Herbst voraussichtlich in den deutschen Kinos anläuft. Klarer Festival-Highlight, wenngleich meine Berlinale-Bilanz gerade mal fünf Filme aufweist. Was hab‘ ich mich gefreut, als der Film am Ende sogar die Sektion »Perspektive Deutsches Kino« gewann. Drei ganz und gar kopfagile Neunziger stellen ihren Tattoo-Park zur Schau — und verlieren sich dabei ganz unverblümt in einem sehr amüsanten Anekdotenreigen. Lobenswert auch die Kameraarbeit: Der sorgfältige Blick entlang der Hautlandschaft schenkt den Altersfalten der Herren zu jeder Zeit Schönheit und Respekt. In Flammend Herz‘ geht’s um Leidenschaft; dass aus dem Farbstich versehentlich eine Modeerscheinung wurde, kümmert den Film zurecht wenig. Überdies erfährt der Betrachter allerlei über die älteste Tätowierstube Hamburgs. Merken!

Die Fotos sind dem Bildband »BilderbuchMenschen – Tätowierte Passionen 1878 – 1952« entnommen (Hrsg. Memoria Pulp, Berlin, 2002), portraitiert und fotografiert von Herbert Hoffmann, Tätowierer und Hauptdarsteller des Films.

(mehr unter Ronsens)