April 2005

Liebesrillen

Ulrich Stock in der Zeit über Rillen der Liebe – „Kleine Plattenläden trotzen der Krise der Musikindustrie — mit Fachkenntnis und Leidenschaft. Fünf Ortsbesichtigungen.“

Dunix Lichtbilder

Eigentlich wollte man ein eigenes Indielabel gründen (was auch in gewisser Weise gelang), jetzt tourt man mit einer Ton/Dia-Show durch’s Land: Dunix-Lichtbilder aus Bochum bezeichnen sich selbst als Mülltrenner deutscher Heim-Fotokunst. Einen kleinen Ausschnitt ihrer Arbeit gibt es kommenden Freitag zu sehen. Zusammen mit Günter Zehetner und seinen gefundenen Filmen.


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Single-Beitrag

Soll er doch, der gute Martens. Dass sich ein Kulturredakteur dem Medium 7″ widmet, ist eine ganze Weile her. Streng genommen kann ich mich nicht einmal daran erinnern, je etwas darüber gelesen zu haben. Also, feiern wir diesen Artikel, als wär’s der Erste. Und wundern uns, was da so geht (oder besser: freuen uns, dass es jemand niedergeschrieben hat). Eine Randnotiz zur Randerscheinung…

In den Zeiten vom MP3 und iPod hat sich der Ton vom Träger gelöst. Trotzdem feiert nun der urtümlichste aller Tonträger eine Renaissance: die Vinylsinglevon Renæ Martens (TAZ Nr. 7648 vom 25.4.2005, Seite 13)

Prisoners‘ Inventions

Brett Bloom, Marc Fischer und Salem Collo-Julin sind das Künstlerkollektiv Temporary Services. Auf ihre Einladung hin verfasste der in einem Gefängnis inhaftierte Künstler Angelo eine Broschüre über den Erfindungsreichtum seiner Zellengenossen. Die darin gezeigten Werke reichen von einem Schachspiel aus Toilettenpapier, Tauchsiedern mit elektrischen Anschlüssen aus Büroklammern bis zu einem Würfeltisch aus Pappmachæ.

Platten im April

Platten im April Kaum ist der Frühling da, sprießen schon die allerschönsten Alben hervor. Den Anfang macht F. S. Blumm mit Zweite Meer (Morr Music). Akustikgitarre, am Strand spielt jemand Akkordeon. Sanft weht es auf die Terrasse, ein Windspiel schlägt an, kling-klong. F. S. Blumm arbeitet unter anderem als Hörspielautor und so hört sich das auch an. Wunderbar hingetupfte Aquarelle, die so leicht gebaut sind, dass sie ein Gerüst gerade noch erkennen lassen. Fast stört es, wenn da einer doch mal zu singen beginnt. Ähnlich fragil und doch ganz anders ist das neue Album des Kammerflimmer Kollektiefs, dessen Titel Absencen (Staubgold) bereits auf die Arbeitsweise hindeuten soll: nämlich Anwesenheiten von Abwesenheit zu erzeugen (öh, oder umgekehrt?). Was in etwa so funktioniert: gemeinsam produziert man einen Strom, der in nur leicht begradigte Bahnen gebracht wird, in den dann jeder Musiker sein Papierbötchen setzt und es durch Stromschnellen und über Strudel hinweg steuert. Bald weiß man nicht mehr, wo Fluss und Boot gerade hinverlaufen bzw. was Freiheit und noch Gruppenzwang ist, stattdessen lässt man sich einfach mitreißen und -treiben. – The Milk of Human Kindness (Leaf) heißt das neue Album von Caribou (das ist Manitoba, nach dem er sich wegen eines Rechtsstreites mit einer sog. „Punk“-Band umbenennen musste). Was mir an Manitoba Caribou schon immer gefiel, sind diese Breitwand-Trommelwirbel-Aufmärsche. Als ob eine Spielkappelle aus der Parade schert und damit anfängt, endlich lässig aufzuspielen, manchmal dann fast schon Hiphopbeats. Das Ganze ist rückgekoppelt an leicht sixties-angehauchte Arrangements. Daraus ergeben sich locker vorwärts schreitende Songs, die so durchlässig sind, dass sie noch genügend Luft für Tanzeinlagen lassen. – Wenn wir jetzt alle drei Platten zur Grundlage nehmen, sollten wir dieses Jahr eigentlich einen Bombensommer hingelegt bekommen. Den Soundtrack dazu hätte man jedenfalls schon.K