Mai 2009

Haargesicht

Haargesicht. Möglicherweise nach einem geglückten Banküberfall. Auch gut fürs High-School-Jahrbuch.


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(Quelle unbekannt)

Rafts

Ausgangspunkt für die Serie »Raft« des Briten Andy Parker sind unhandliche, überflüssige und ausgemusterte Gegenstände aus dem Keller, gemeinhin auch Sperrmüll genannt. Sessel, Mikrowelle, Matratzen, Tische und Schränke – all das bildet die Vorlage für seine technisch ein wenig dahingeschlampten Skulpturen, die er mit Klebeband, Schnüren, Farbe und Karton erschafft. Soweit so langweilig. Spannend wird die Geschichte in dem Moment, in dem er seine Skulptur zu Wasser lässt und den Kräften der Natur aussetzt. Genau darin nämlich liegt das Geheimnis dieser Arbeit. Ahoi Matrosen.

Spithead by Andy Parker, 2006
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Urban Camouflage

Der subversive Ausdruck, den Militärmode über viele Jahrzehnte hinweg hatte, ist weitgehend verloren gegangen. Das Gros ihrer Träger, die sie zitiert, tut dies heute aus ästhetischem Selbstzweck. Bomberjacken, Militärhosen und Armeehemden sind spätestens seitdem der Mainstream die Trends von Punk, New Wave und anderen Jugendkulturen aufgegriffen hat, auch Teil der Modewelt geworden. Das alles ist ein alter Hut. Neu hingegen ist die hocheffiziente Tarnungsstrategie von Urban Camouflage, die mit ihrer Auslegung von Uniformität eine völlig neue Warenhaus-Ästhetik erschaffen haben. Die Künstler hinter diesem Projekt gehen der Frage nach, wie man sich in öffentlichem, gewerblich genutzten Raum unauffällig oder gar unbemerkt bewegen kann. Orte, die in der Regel vollkommen unaufregend sind, nicht zu übertreffen sogar in dieser und vielerlei Hinsicht. Experiment geglückt, wie ich meine. Stil und Haltung im Gleichgewicht.

Urban Camouflage
Fotogalerie #1

The reactions were different. As before mentioned, we didn’t ask for a permission. Most employees reacted humorously, but we had some trouble with the managment as well and had to quit some actions earlier than we wanted to. The reactions of customers were also very different. Some were interested and tried to touch the costume, others reacted irritated and stayed in some distance. There were also customers who ignored us completely, it seemed like if they just didn’t want to get irritated by us.

by Urban Camouflage
Fotogalerie #2

Urban Camouflage
Fotogalerie #3

(via)

Freeze!

Immer noch unschlagbar: Freeze! von Valentin Beinroth und Florian Jenett. War mal Teil meiner Diplomarbeit zum Thema »Kunst am Rande der Legalität«, die ich 2003 geschrieben habe. Jenett und Beinroth haben neulich ihre Homepage gepimpt und endlich gescheite Bilder ins Netz gestellt. Der Text, den ich damals dazu geschrieben habe, wirkt hier ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen. Momentan geht’s in diesem Land um ganz andere Dinge, Datenschutz, Finanzmarktkrise, Frühlingsgefühle etc. Trotzdem lesen.

Valentin Beinroth und Florian Jenett - Freeze
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»Als besorgniserregend empfanden einige Frankfurter die brillante Aktion zweier Künstler (»Freeze«), die durch das Mitführen von Waffen eine »Störung der öffentlichen Ordnung« verursachten – nur waren die mitgeführten Schießeisen aus Eis. Zuvor wurden etwa 80 Pistolen-Attrappen mit Hilfe einer Silikonform erstellt und im Stadtkern Frankfurts verteilt. Die durchschlagende Wirkung – die Pistolen sahen täuschend echt aus – brachte nach kurzer Zeit die örtliche Polizei auf den Plan, die kurzerhand die gefrorenen Plagiate in Beschlag nahm.

Waren es in den 30er Jahren die Surrealisten, die unter vorgehaltener Waffe Passanten auf der Straße zu erschießen drohten, gilt heute das Gesetz der Diskretion. Mit sicherem Gespür für affektische Verhaltensweisen versahen die Künstler den Stadtraum quasi unbemerkt mit ihren Pistolen, um im Anschluss ihre Wirkung zu beobachten. Die Aktion hatte hohen Symbolcharakter, ist doch das Bedürfnis nach Sicherheit alles bestimmendes Thema derzeitiger Politik. Von einer messbaren Radikalisierung unserer Gesellschaft weit entfernt, ist das allgemeine Sicherheitsstreben in Form des sich überall entfalteten Sicherheitspersonals omnipräsent. Die insensiblen Überwachungsmethoden schaffen in unseren Städten ein Klima der Kontrolle und Repression. Zudem schüren sie Angst vor Verbrechen. Denn hinter einem großen Sicherheitsaufwand müsste man eigentlich eine Bedrohung für die innere Sicherheit vermuten. Insofern ist aus der Sicht der Mehrheitsgesellschaft die öffentliche Sicherheit weiter zu verbessern. Einer Minderheit bleibt es so denn vorenthalten, auf die Gefahren zu verweisen, die die Bekämpfung der Gefahren mit sich bringt.

Das humorvoll inszenierte Bedrohungsszenario der Pistolenfälscher war ein konsequenter künstlerischer Beitrag zum aktuellen Sicherheitsdiskurs. Das Strafverfahren gegen sie wurde schließlich eingestellt. Dem vernehmen der Künstler nach hatte die Aktion, so die Presse, ohnehin keine Bedeutung.« Ende der Besprechung.

Florin Jenett - WÜ-ZP-200
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Jenetts getunter Toyota WÜ-ZP-200 ist übrigens auch nicht zu verachten. Mit großem Proll-Spoiler an Front und Heck, damit der Wagen auch bei 200 Sachen auf die Straße drückt.

empty space

Einladung zur Eröffnung am Mittwoch, 06.05.2009 ab 20 Uhr · Mousonturm · Galerie station 79.01 · Frankfurt

[EDIT] Zur Ausstellung (und weit darüber hinaus) gibt’s jetzt auch eine Homepage: empty space.

Gregor Maria Schubert & Ralf Barthelmes: empty space
Betty Stürmer & Otaku: DJ Everbody, the democtratic happening

empty space · Mittwoch, 06.05.2009 ab 20 Uhr · Mousonturm · Galerie station 79.01 · Frankfurt Gregor Maria Schubert & Ralf Barthelmes (hp): empty space
Der Titel der Ausstellung ist wörtlich zu nehmen: Auf 33 Fotografien zeigt empty space leerstehende Gebäude in Frankfurt. So simpel das Konzept, so vielfältig zugänglich zeigen sich die ausgewählten Objekte. Fast dokumentarisch anmutend offenbaren sie unbemerkte Realitäten des Stadtbildes: Bauten unterschiedlichster Art, die man alltäglich passiert, ohne sie zu bemerken – pompös oder unscheinbar, öffentlich und privat, überpräsent oder verborgen.

Die ambivalente Bedeutung leerstehender Häuser in einer Stadt mit notorischem Raummangel wird erkennbar in der Vielfalt des gezeigten Spektrums. empty space lädt ein auf einen Stadtspaziergang der besonderen Art, während dem der leere Raum ein Anhalten, Verweilen und Sich-Wundern ermöglicht, wie es sonst in Frankfurt nicht so leicht zu finden ist.

Betty Stürmer & Otaku proudly presents: DJ Everybody. the democratic happening. 1995-2009
Die Berliner Künstlerin Betty Stürmer alias Betty Party hat »DJ Everybody« vor 14 Jahren erfunden, seit 10 Jahren ist Otaku als multimedialer Konzepter und DJ mit dabei. Beide präsentieren jetzt im Mousonturm DJ Everybody.the democractic happening.1995-2009. Neben akustischen Lifemitschnitten und einer Slideshow von Otaku werden original Line-Up-Listen und DJ-Porträts aus dem Archiv von Betty Stürmer zu sehen sein. Zur Eröffnung gibt es ein zweistündiges DJ Everybody-Lifesnippets-Recording-Party-Kurzhappening! von 22 -24 Uhr.

Dies ist ein Aufruf an alle Besucher dieses Abends: Check in for 15 Min. mit Deinen Platten, CD’s oder MP’s, wenn Du einen Platz ergattern kannst! Open Mike!

Künstlerhaus Mousonturm · Waldschmidtstraße 4 · Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Freitag und Samstag 19 bis 22 Uhr + Sonntag 15 bis 19 Uhr, während der Vorstellungen und nach Vereinbarung.
Ausstellungsdauer: 06.05. – 07.06. 2009
Kuratorin: Annette Gloser

Podcast May 2009

Hi all, this month we have some special conditions. I was moving right now to a new dwelling and I won’t have any internet at home probably for the next six weeks (yeah, this sucks really – happens due to the stupidity of the internet provider I’ve chosen…) So I do a quick & dirty posting here from an internet café round my new corner, we have now this month a special feature: as a matter of prudence I’ve pre-produced this time the episode to prevent a gap in publishing and have chosen to introduce the wonderful cllct.com – the „Collective Family“ site – where you find a lot of fantastic music. I hope this month episode gives you the right impression.

I’m not sure when I will be back, but of course then you will also get all the great releases of the netlabel world we missed in the meantime.

  1. Rye ’n Clover – Sing the Sad [Album: Pencils, Paper & Scissors]
  2. Kelly Latimore – The Gospel According to Luke New Economy [Album: Songs and the Local Birds]
  3. Homecomings – Towers and Trash [Album: Homecomings]
  4. Alex Roc & The Penitents – Love is gonna make us [Album: Big White Room]
  5. blueberry fist – Man of War [Album: bluberry fist]
  6. go down, matthew – the world is against us [Album: come on tanelorn]
  7. Patrick Canning – When all mass has stopped moving [Album: The Pervert]
  8. Two Istbones – Shinkansen [Album: Turtle Shell Rain]
  9. Johnny West – Disowned Umbrellas [Album: An Absence of Sway]
  10. Fabrizio Paterlini – Veloma [Album: Viandanze]
  11. MUTE – The Thief [Album: Pavement Politics Vol.1]
  12. Tinyfolk – The Animals are Watching [Album: Remarkable Renewal of Your Body Hen]
  13. Giuseppe – Array of Sunshine [Astor Bell 003]
  14. bellbirds – bending blood [Album: bellbirds]
  15. Mouse and the Love & Light Orkestra – Dirty Water [Album: MOUSE]
  16. The Owls Go – finn [Album: horse and warrior]
  17. moor hound – Enduring World [Album: Enduring World EP]
  18. Ryland Bouchard – Bye Bye Love III [Album: SEEDS (Part One)]
  19. James Eric – Cupid’s Shooting Blanks (kim) [Album: Leftovers for Lovers]
  20. Wisdom Tooth – my party [Album: cathedral park]

Note: the first version of cllct.com unfortunately went down, but luckily enough they’re back now. Effect is that the most of the once hosted albums are also gone. I’ve tried to replace the mp3-links from other resources or the new cllct-site if possible.

Creative Commons License

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