10 Jahre Machtdose

Am 24. Juni 1995 ging die Machtdose erstmals auf Sendung. Zahlreiche Studiogäste, über 10.000 Sendeminuten Musik for advanced, darüber hinaus gewollt informativ und wortlastig, kurzum: sture Leidenschaft in historischem Alter. Und: Mikrokultur. Störkultur. Randerscheinung.

10 Jahre Machtdose
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„Kulturnetworken nach eigenem Geschmack und ohne kommerzielle Hintergedanken ist immer eine höchst ehrenwerte und immer seltener anzutreffende Sache. Wenn die zuständigen Leute dann auch noch über einen formidablen Geschmack verfügen, umso besser. Es geht eben nicht immer nur um hohe Auflagen und Reichweiten!“
(Markus Naegele – ehemaliger Superstar-Mitherausgeber und ein früher Gast)

Das letzte Weihnachten in den prä-2000er-Jahren mit der MACHTDOSE: Stellvertretend für eine ganze Serie von gemeinsamen Auftritten steht dieser dafür, wie sehr die MACHTDOSE als Spiritus Rocktor uns eszellen garNIE die Treue versagte. Aber worüber rede ich, fragt sich der Leser, und darüber ärgern wird sich der Leser, damals dies nicht gehört zu haben. In der Weihnachtsnacht gab es eine Sendung, in der wir einen kleinen akustischen Auftritt hinlegten, der der Stimmung des Abends folgend herzerwärmend war, und uns zwang, unser Lautes wesentlich zu mindern und unser klassisches zwodreivier schrammelschrammel rockrock durch Samba und Kuhglockenbassdrum, wie sagt man, das klangliche Spektrum aufzumotzen. Ein kleiner rotzig scheppernder Auftritt, gefördert durch den Enthusiasmus der MACHTDOSE, machte uns damals und immer wieder jahrelang hungrig, mit den Jungs gemeinsam zu Rocken, statt uns satt zu sagen, Luftgitarren tragen sich leichter als echte. So ist das mit der MACHTDOSE, zahlreiche gemeinsame Abende und Konzerte später müssen wir als Band sagen, dass die MACHTDOSE und ihre Macher mit die treuesten und uns motivierenden Begleiter sind (neben den Kontoauszügen der Proberaummietendaueraufträge) und um ohne ein fünkchen Eifersucht endlich mal laut rauszuposaunen, die MACHTDOSE ist in dieser Hinsicht, Gott und Rock sei Dank, kein bisschen Monogam und der eigentliche Morgenstern am Radiofirmament, der uns in diesen düsteren Zeiten den Weg weisen kann. Möge die MACHTDOSE mit dir sein!
(Eszella Garni – Haus- und Hofband der Machtdose)

Vor zehn Jahren war für mich die größte Distanz für ein Auswärtsbooking der Weg von Hanau nach Frankfurt. Umso gespannter war ich darauf, als Gast in einer Radiosendung (!) in Rüsselsheim (!!) spielen zu können. Die Vorstellung, dass man meine Musik HÖREN KANN ohne sich im selben Raum mit mir aufzuhalten, hatte etwas Magisches. In den letzten zehn Jahre habe ich nun aber auch das andere Extrem kennen gelernt: dass man meine Musik nicht HÖREN WILL, obwohl man sich mit mir selben Raum aufhält. In diesem Sinne, auf die nächsten 10 Jahre Machtdose!“
(DJ Kabuki – Gast der legendären »wild nights«)

Machtdose ist … schöne, gute und wahre Musik …ein Wort, das ich nie verstanden habe …ein Wort, das Musiker in Interviews nie richtig aussprechen konnten …von der vermeintlichen, freundeskreismäßigen Provinz in die Großstadt gezogen …für mich immer noch Kult, was auch immer das heißen mag …Musik für die volle Badewanne, eine Bestandsaufnahme für neue ästhetische Hörerkenntnisse, Rausch und Stereoton …retroperspektivistisch und immer wieder neu (Werbeslogan) …zu viel HipHop und zu wenig Jazz …musikalisches Fantum und Understatement …ein audioviles Gourmet-Restaurant …gut gemachtes Radio.
(Dirk Simon – Hörer – beobachtet seit zehn Jahren die Machtdose)

Es war damals ein wunderschöner Abend, der nach der Sendung noch viel schöner wurde. durch ‚machtdose‘ hatte ich nicht nur Airplay, sondern auch Loveplay. Fezer von Trend ist jetzt viel besser im Bett. Machtdose macht dicke Hose.
(Fezer – Anchormann eines bekannten Dienstleistungsbetriebs)

Für mich ist die Machtdose eine von diesen seltenen Radiosendungen, die konzeptionell und informativ ist, die aus Leidenschaft und Freude atmet und die glücklich macht. Wenn die Machtdose nicht existieren würde, man müsste sie erfinden. Alles Liebe zum Jubiläum!
(Virginie – Wahljapanerin und die beste Frau der Welt)

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Immer auf der Suche nach dem Flow, begeistern Gregor Maria Schubert und Roland Graffé sich für Trends, Widersprüche und Abseitiges in Kunst, Musik und Medien.

Machtdose entdeckt, kultiviert, archiviert, und teilt Glanzlichter der Popkultur und persönliche Vorlieben mit allen anderen Träumern, Liebhabern und Neugierigen.

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