The Beta Band – Heroes to Zeros (Regal/Labels)

Nicht, dass man tagtäglich darauf gewartet hat, aber allmählich wurde es doch Zeit für ein neues Album der Beta Band. Nun ist es da. 12 Tracks. Hunde, Möwen und Blumen zirpen neben Gitarre, Bass und Sample. Neo-Hippie-Melodien samt Klingklang. Mit dem Sound der Beta Band zieht Frieden auf. Auf ihrem Schlachtfeld wachsen Rhododendren und Eriken, deren härtestes Gefecht die Bestäubung ist. »Heroes to Zeros« (Regal/Labels) ist ein bunter Strauß Blumen (mit ein paar verwelkten Knospen). Hier regiert die Flower Power. Und die Liebe!

Mit der Beta Band verbinde ich im Übrigen eine der eindringlichsten Kinosequenzen meines Lebens, das verbindet auf Lebenszeit. High Fidelity – die Verfilmung des Nick-Hornby-Klassikers. Rob Gordon alias John Cusack steht hinter seinem Tresen und schließt mit seinen beiden Kompagnons Dick und Barry eine Wette ab: »Wetten, dass er fünf LPs der Beta Band auf einen Schlag verkaufen wird. Er müsse lediglich«, so die Prophezeiung, »den Song »dry the rain« auf den Plattenteller legen.« Tränen der Rührung waren die unmittelbare Folge — nicht nur bei mir. Warum nur konnte man den Song nicht direkt im Kinoshop kaufen? Dem gelungenen Product Placement folgte ein irrsinniger Run auf die Alben der Schotten. Und in der Tat: Dieser Song ist eine todsichere Sache. Hab’s selbst immer wieder ausprobiert beim Platten-Auflegen.

Die überragende Qualität der Beta Band besteht im Besonderen darin, Hymnen zu schreiben, die mindestens eine Ewigkeit überdauern. Kleine gefräßige Monster, die am Hörnerv trommeln. Als ich »Assessment«, die erste Single ihres aktuellen Albums, das erste Mal in meiner Anlage liegen hatte, war sofort klar, dass die Repeat-Taste entstaubt werden muss. Hohe Rotationswerte auch in den nachfolgenden Tagen und große Spannung, ob das Niveau Full Length gehalten werden kann. Die Bilanz: Ihr altes Problem ist ihr neues Problem. Neben makellosen Hitsingles gibt es auch ordentlich langweiligen Kram, den man irgendwie nicht will. Vielleicht liegt George Michael goldrichtig. Der schweigt, wenn’s nichts zu sagen gibt (und veröffentlicht alle sechs Jahre eine Platte). Die Beta Band ist eben nur zu einer Hälfte genial. Macht aber nix, »request for repeat« sag ich da nur.

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