Radiotipp – Chronomad auf Radio X

Die Hayfever bringt’s mal wieder auf den Punkt: Chronomad alias Saam Schlamminger gehört zur »Speerspitze des professionellen Experimentierens in unserem schönen Land«. Punkt. Recht haben sie. Kürzlich erschien auf dem neuen Notwist-Label Alien Transistor die gleichnamige 4-Track-EP und mit ihr die Hoffnung, dass sehr bald noch mehr Musik dieser Art veröffentlicht wird. Der Zufall will es, dass Saam Schlamminger derzeit in Frankfurt verweilt und einem intimen Treffen im Sendstudio von Radio X nichts mehr im Wege steht. Also, ran an die Radios!

Kurzbiografie:: Saam Schlamminger, geboren 1966 in Istanbul. Lebte zu seinem 12. Lebensjahr im Iran, seither München als Hauptwohnsitz. Mehrfache Aufenthalte in Usbekistan, Pakistan, Iran, sowie New York und Paris bei verschiedenen Musikern und Lehrern zum Studium der orientalischen Rhythmik. Spezialisierte sich auf die Instrumente persische Zarb und Daf, die er auch elektronisch verfremdet, etc. Weltweite Auftritte mit Künstlern verschiedener Stilrichtungen, u.a. mit Susan Deyhim und the Notwist. Berater und Regisseur bei verscheidenen Dokumentarfilmen im Ausland (Iran, Benin, Kurdistan, Frankreich, Zentralasien).

Termin: Machtdose am 09.10.2003 – Zeit: 19 – 20 Uhr – Frequenz: 101.4 FM/99.85 Kabel – Stargast: Saam Schlamminger

Eine Antwort auf Radiotipp – Chronomad auf Radio X

  1. easty sagt:

    URL: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/kultur_und_medien/feuilleton/?cnt=318345

    TIMES MAGER
    Auf Achse
    Von Stefan Müller

    Es ist schon fast ein Kulturkampf: HipHop gegen Indie-Rock. Bulette gegen Handy. Geld gegen Ehre. Unterhaching gegen Weilheim. Die Geschichte spielt in Bayern: Der Weltkonzern McDonald’s hat eine neue Werbekampagne in Auftrag gegeben, um das Image seiner Buletten-Kette aufzumöbeln. Eine Werbeagentur aus Unterhaching bei München staubte den internationalen Auftrag ab – und erfand den Slogan „Ich liebe es“. Geschätztes Volumen für die Kampagne weltweit: 300 Millionen Dollar. Dazu wurde für Deutschland ein Werbespot gedreht, der aussieht wie ein Hip-Hop-Videoclip, und der sich auch so anhört: „Ich will Mikrofone statt Mikrowellen, ich brauch‘ keine Herdplatten sondern Plattenteller, ich liebe es.“
    Der Rap könnte auch aus der Hamburger Eimsbusch-Reimschule der Beginner stammen, oder von den Massiven Tönen aus Stuttgart. Ganz HipHop-Deutschland rätselte, wer der Burger-Homeboy sein mochte, bis feststand: der McDonald’s-Rapper heißt Fabian alias Dra-Q und studiert an der Berliner Humboldt-Universität Theologie. Aber mit dem Schub und dem Geld aus der McDonald’s-Werbung will der bisher unbekannte Rapper jetzt eine Solo-Karriere starten. Hip-Hop sei nicht mehr subversiv, sondern ein „global player“, sagt Fabian, der nicht der Erste wäre, der mit einem Song aus der Werbung direkt in die Charts startet. Beispiele der vergangenen Monate sind die Mannheimer Band The Flames, deren Song „Everytime“ durch eine Cola-Werbung bekannt wurde oder das Düsseldorfer Frank Popp Ensemble mit dem Retro-Hit „Hip Teens Don’t Wear Bluejeans“. Bereits vor zwei Jahren veröffentlicht, gelangte der Titel nur durch den Einsatz in einem Limonaden-Werbespot in die Top-Ten der deutschen Hitparade.

    Die Weilheimer Band The Notwist stand an der Schwelle zu einem ähnlichen Erfolg. Der Mobilfunkkonzern Vodaphone hatte den wunderschönen, melancholischen Song „Pick up the phone“ vom letztjährigen Album Neon Golden gehört und entzückt festgestellt: passt wie angegossen zu einer modernen Handy-Werbung. Und zwar europaweit, ein richtig großes Ding. Der Spot war längst im Kasten, die Musik harmonierte perfekt, aber kurz vor der Endabnahme zogen die Bandmitglieder die Notbremse. Will man seine Seele verkaufen, abhängig sein von einem Produkt, die Fans enttäuschen? Immerhin hätte die Band einen Ruf zu verlieren, gilt sie doch als wichtigster Kreativpool in Sachen Indie-Pop in Deutschland. No! The Notwist hatten einfach „keinen Bock“ mehr auf die Sache, auch wenn Vodaphone eine aberwitzige Summe geboten hatte. „Diese Werbetypen glauben, dass jede Band das macht, wenn man nur genug Geld bietet“, so Notwist-Mitglied Martin Gretschmann. Er hatte mit seinem Solo-Projekt Console bereits schlechte Erfahrungen mit Werbeleuten gemacht. Und dennoch wäre er im Fall Vodaphone beinahe schwach geworden. Man hätte Schulden abbezahlen können oder das schöne Geld Robin-Hood-mäßig verteilen könnnen. Aber die Band mit Weltruf aus Weilheim in Oberbayern ist im Nachhinein froh, das Geschäft ausgeschlagen zu haben. Sie hat inzwischen die eigene Plattenfirma Alien Transistor gegründet und ist derzeit zusammen mit den befreundeten Musikern von Lali Puna, Couch, Console und dem Tied & Tickled Trio auf Tour. Und macht mit dem Motto: „Weilheim auf Achse“ einfach Werbung in eigener Sache.

Immer auf der Suche nach dem Flow, begeistern Gregor Maria Schubert und Roland Graffé sich für Trends, Widersprüche und Abseitiges in Kunst, Musik und Medien.

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