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Gregor

Network Awesome

Laut YouTube wird pro Tag Videomaterial mit einer Gesamtlänge von fast acht Jahren hochgeladen. Alle erdenklichen Testberichte zu Mobiltelefonen sind dort ebenso zu finden wie die erste Filmaufnahme von Louis Le Prince aus dem Jahr 1888 oder Stricktipps von Biathlonweltmeisterin Magdalena Neuner. Alleine der Suchbegriff »Legoanimation« ergibt 23.000 Treffer, zu »Dressurreiten« finden sich immerhin noch 2.170 Filmclips (davon zahlreiche Dressurreitklassiker). Überforderung auf höchstem Niveau. Vorsortierer gibt es deshalb viele, typischerweise wird Blogs diese Rolle zugewiesen und in manchen Kreisen gilt es geradezu als schick, Programminhalte zusammenzustellen. Früher musste man sich für das Geschmacksstatement auf Mixtapes beschränken, heute kann das schon mal eine YouTube-Compilation sein – der eigene Channel, die eigene Playlist, der passende Verweis. Das Leben ist eine Referenzhölle geworden, aber das wissen wir ja alle…

WE ARE CURATORS, NOT COLLECTORS

Bei dieser Überlegung stellt sich häufiger denn je die Frage: Auf welches Geschmackurteil kann ich mich verlassen? Eine gute Sortierung findet sich beim Online-Kanal Network Awesome. Die Idee dahinter ist einfach, naheliegend und sicher nicht neu: NA ist Fernsehen im Internet, ein YouTube-Filter der besonderen Art, von Menschenhand geschaffen, mit täglich wechselnden Shows und nie mehr als sechs Clips pro Folge. Anspruchsvoll und ambitioniert, historisch wie aktuell und häufig einem Thema zugewandt. Die Spex umschreibt es treffend: »Neben Themensendungen wie etwa über die besten Live-Musikauftritte in der Sesamstraße hat Network Awesome etwa auch experimentelle Kunstvideos, Musikvideo-Kompilationen, Cartoons oder trashige Untergrundfilme im Angebot«. Oder um es in den Worten des Gründers auszudrücken: »Broadcast TV has changed for the worse and isn’t getting any better – we offer something different. We mine the vast resources of YouTube to bring you treasures vast and plentiful, packaged and gift-wrapped in an easy-to-watch format. Unlike regular TV, this will not melt your brain. Instead, it causes you to re-think what TV can and should offer you.« Bitte mal testen.

Party In My Tummy

It’s lunch time. Time to eat. Watch that show, cause there’s a three-year-old in each of us.

rdio

Prinzpiell glaube ich an ein gerechtes Verteilungssystem der Musik-Streaming-Dienste und auch daran, dass im Hintergrund ordentlich abgerechnet wird und jeder bekommt, was er verdient (pay-per-play). Ich glaube an deren Chancen und Möglichkeiten und eigentlich bin ich sogar überzeugt davon, dass der Stream über kurz oder lang unseren Alltag bestimmen wird, gleich ob für Musik oder Film (von etwas anderem auszugehen halte ich sogar für ein bisschen altmodisch). Simfy hat’s vorgemacht, seit kurzem drängen nun zahlreiche Konkurrenten wie Spotify, Deezer, Rara, Juke und Qriocity auf ihre Chance. Und jetzt neu: rdio mit ordentlich Druck im Gehäuse. Die großen Meinungsbildner Spex, Groove, Vice und De:Bug haben bereits eigene Channels eingerichtet und bewerben, wann immer sich die Gelegenheit ergibt (da ist sicher Geld im Spiel). Die Machtdose folgt (ohne Geld).

Hier meine Kurzexpertise im Nachgang. Selbst bei mäßigem Geschick für Anwendungen dieser Art ist die Usability relativ verbraucherfreundlich. Für alle anderen macht’s ordentlich Spaß, sich schlafwandelnd durch die Funktionen zu klicken. rdio ist werbefrei und für 4,99 € im Monat zu haben. Für das mobile Endgerät mit Offline-Option werden 9,99 € fällig. Finde ich eigentlich OK und sogar billig – endlich mal keine Abzocke (wahrscheinlich, weil die Musikindustrie nicht mitentwickelt hat).

In der Musikbibliothek von rdio finden sich derzeit insgesamt 12 Millionen Lieder. Die 15 Millionen sind bereits anvisiert. Das sind so viele, dass sich neben Rihanna, Korn und Justin Bieber sogar zahlreiche interessante Geschmacksrichtungen finden lassen. Test: Irgendwo gelesen, dass es demnächst ein neues Mouse-On-Mars-Album geben soll (VÖ von »Parastrophics« ist der 24. Februar, wie ich jetzt weiß). Bekomme also Lust, Mouse On Mars zu hören. Das Suchergebnis: 159 Titel und 14 Alben findet das System (fast alle Alben kann man auch tatsächlich hören). Ich greife zu »Iaora Tahiti« aus dem Jahre 1995 und mich ergreift tiefe Melancholie. Hier braucht man weder Plattenregal noch CD-Kiste. Search&Click langt da völlig, um an den alten Kram zu kommen. Doof wird’s nur, wenn die Musikbibliothek deine Songs nicht findet. Deshalb Test 2, diesmal mit etwas mehr Risiko, ich will Hauschka hören. Ergebnis: 13 Alben, 119 Titel. Langt mir! Test 3, der Härtetest, diesmal im Grenzbereich meiner derzeitigen Vorlieben: The Monsters (Voodoo Rhythm). Die Suche ergibt 6 Album-Treffer. Das, was ich in meinem Regal stehen habe, gibt’s auch hier.

Ich formuliere mal vorsichtig: Meinen Geschmack trifft’s. Die wesentlichen Voraussetzungen für einen guten Stream hat das numblog ganz gut zusammengefasst: Stimmt die Qualität, ist meine Lieblingsmusik im Katalog vorhanden, funktioniert das Streaming, gibt es Apps für meine Plattform? Im Augenblick kann jeder rdio eine Woche lang kostenlos testen und sich sein eigenes Bild machen. Für viele andere Streaming-Dienste wird der Frühling hart und Last.fm ist wohl bald Geschichte, denn natürlich gibt es auch bei rdio Sammlungen, Playlisten, Bewertungen und »Leute«. Wer wird zuerst mein Friend und wer will mich liken? Nur zu!

Gonjasufi – MU.ZZ.LE

Selten liegen Beklemmung und Heiterkeit so dicht beisammen wie bei Gonjasufi. Zwei Jahre nach »A Sufi & a Killer« nun endlich das nächste Lebenszeichen des Ausnahmemusikers.

Die Schandsäule

This collage series »Ansichten auf die wir verzichten können« by Tina Schott makes me smile. Wonderful knack for colours, snippets and motifs. The setting is nicely curious, often slightly spontaneous and with great sensitivity! For the complete work history, please visit her page.


»Der Wahrheitssucher«


»Hier beginnt der Süden«


»Die Schandsäule«