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Breipott – Netaudiobar

Letzte Woche hab ich mir das Breipott angesehen, eine neue Lokalität, die sich als „erste Promo-Bar der digitalen Musikszene“ versteht.

Was heißt das? Zuvörderst wird dort ausschließlich gema-freie und unter CC– (oder verwandten) Lizenzen veröffentlichte Musik gespielt. Also solche, wie wir sie hier jeden Monat in unserem Podcast vorstellen. Leicht einzusehen, dass mich das interessierte, als ich eine Einladung zum Vorbeikommen erhielt.

Ich war auch nicht ohne Skepsis: es hätte sich hierbei auch um ein recht schlichtes Gastrodings handeln können, bei dem man mal so nebenbei die Gemagebühren sparen will, sich n bisschen Credits aus der Netaudio-Gemeinde abholt und fertig. Tatsächlich hatte ich aber einen ganz gegenteiligen Eindruck, nämlich, dass die Initiatorin Saskia Peruza mit ihrem Team ordentlich vorgearbeitet und nachgedacht hat.

Die aktuelle Musikbibliothek des breipott bietet z. B. zum Start ca. 450 Titel – was jetzt noch nicht nach so viel klingt, aber einfach daran liegt, dass man die Nutzung der Creative Common Licenses verstanden hat: die Bar ist ein kommerzielles Unternehmen, so dass man sich in diesem Kontext die Genehmigung zum Spielen bei den Künstlern abholen muss. Den meisten davon wird es wohl nur recht sein, gefragt werden muss richtigerweise aber trotzdem. Es ist damit zu rechnen, dass die Bibliothek durch weitere Kontakte zu Labels und Künstlern in nächster Zeit deutlich anwachsen wird (die dürfen umgekehrt natürlich auch gern mit dem breipott in Verbindung treten).

Netaudio-Tankstelle

Die erwähnte Musikbibliothek ist jedem Gast an drei Terminals zugänglich und man kann sich die darin befindlichen Tracks anhören (siehe Foto) und per USB auf seinen Mp3-Player usw. spielen. Sehr praktisch, kann man so durch ausgewählte und interessante Musik surfen und sie sofort und ohne jede rechtliche Einschränkung mitnehmen und weiterhören.

Am häufigsten höre ich ja als Argument, warum man sich mit Netaudio nicht beschäftige: zu unübersichtlich, wie soll man sich da durchkämpfen usw. Hier also hat man eine Möglichkeit, eine sorgfältige, gut sortierte Auswahl (nach Labels, Genres etc.) zur Verfügung zu haben. Noch dazu vielleicht auch eine Weise, nicht so netzaffinen Menschen das Ganze nahe zu bringen. Dieser Grundgedanke, nämlich Netaudio raus ins „wirkliche“ (dicke Anführungszeichen) Leben zu bringen, ist erstmal sehr sympathisch und eigentlich auch nur ein folgerichtiger Schritt, um die Verbreitung der „freien“ Musik aus dem Netz zu fördern.

Darüber hinaus vorgesehen sind regelmäßige Netaudio-Abende mit wechselnden DJs sowie Compilations / Podcasts, z. B. der beliebtesten, meist heruntergeladenen Tracks aus den Breipott-Tankstellen. Die wird es dann nicht nur in der Bar selbst geben, sondern auch über deren Seite zum Download erhältlich sein, wo übrigens schon jetzt die gesamte Musikbibliothek erreichbar ist. Auch über die Veranstaltungen könnt Ihr Euch auf der Webseite informieren.

Da das breipott günstigerweise bei meiner Arbeitsstelle um die Ecke ist, werde ich da jetzt sicher öfter mal aufschlagen, mal sehen, vielleicht lerne ich ja auch noch n paar andere Netaudiohansel kennen (neu war mir übrigens, dass es einen Berliner Netaudiostammtisch gibt, der sich jetzt auch im breipott trifft, kann einer der Lesenden mir bitte nochmal den nächsten Termin in die Kommentare schreiben).

Leider bin ich mit meinem Bericht hier später dran als geplant, denn Samstag war schon offizielle Eröfnnungsfeier, so könnt Ihr aber schon die Bilder von der Feier ansehen und einen zusätzlichen Eindruck von der Location gewinnen.

Der breipott befindet sich in der Skalitzer Straße 81, Berlin-Kreuzberg (Nähe U-Bahn Schlesische Straße) und ist ab 11.00 Uhr morgens bis nachts geöffnet. Das Essen war übrigens auch recht lecker!