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Die besten Alben 2022 – Plätze 2

Gregors Nr. 2:
Fountaines D.C. – Skinty Fia
(Partisan Records)

Ich bin großer Fan vom Musik-Journalismus alter Prägung, diese hingeschriebene Kennerschaft und Hintergründigkeit, die man von der gegenwärtigen Empfehlungsöffentlichkeit nicht voraussetzen darf. Wir wissen alle, dass es nicht gut gestellt ist um diese Zunft, der mit wenigen Ausnahmen der Sprung ins Netz misslang (wie auch, wenn alle in Facebook und mit Spotify rumdaddeln?). Kurzum: Was mir fehlt, ist ein Magazin, dass meine musikalischen Vorlieben jenseits der Gitarren lenkt. Es bleibt dieses Jahr also ROCKIG. Dem dritten Album der irischen Fountaines DC gelingt das seltene Kunststück, die beiden kongenialen Vorgänger noch ein ganz klein bisschen zu übertreffen. Dass »Skinty Fia« in Irland und England auf die Eins in den Albumcharts gegangen ist (in Deutschland immerhin Platz 5), liefert zwar keinen Anhaltspunkt für ihren anhaltenden akustischen Höhenflug (was sind Charts eigentlich?), darf aber als positive Errungenschaft gewertet werden. »Skinty Fia« ist trocken, düster, entschleunigt und für eine Strandparty kaum zu gebrauchen (ein zweites »Boys in the better Land« sucht man vergeblich). Neben kunstvollen Joy-Division-Momenten finden wir Cure-Gitarren und ja, mit den Arctic Monkeys teilen sie sich den Spint. Alles wirkt ein bisschen verliebt und verlassen. Schön, dass es das noch gibt!


Rolands Nr. 2:
Black Country, New Road – Ants From Up There
(Ninja Tune)

Die unvermeidliche Begleitgeschichte zum Album: Sänger/Songwriter Isaac Wood erklärt kurz vor Erscheinen des Dings seinen Austritt aus der Band, aus persönlichen Gründen, die psychische Gesundheit. Die Restband sagt die Tournee ab und erklärt, dass sie auch künftig die bisherigen gemeinsamen Songs nicht live spielen wird und also zu einer Neuerfindung sich wird zwingen müssen. (Weshalb es jetzt nur wenig Aufgezeichnetes gibt, z. B. dieser eine Mitschnitt, aus dem das untenstehende Video den Schlusssong zeigt). Mitten im steilen Aufwind also Full Stop, schon seit der vorigen EP war der Hype ordentlich am Flattern. Aber der kam tatsächlich auch aus der Musik: mit BCNR, behaupte ich jetzt mal, kommt eine gewisse Dringlichkeit zurück, auch wenn da unleugbar auch prätentiöses mitschwingen mag. Das Ergebnis ist wild und eklektisch (ich mag z. B. die Minimal-Anleihen), mit deutlichem Willen originell sein zu wollen, mir sagen die Lyrics sehr zu, mit Ihrer Mischung aus Profanem und Magischem, da stören mich dann auch Doppelsteggitarre und Saxofon weniger, als sie es in anderen Kontexten täten.

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