Latentamt

Ich mag Großbritannien, ich mag auch die Briten, Kreidehaut und Sommersprossen, ihr Assogetue, Spaßprügeln, Hardcore-Pubismus und die Kreativität ihrer Subkulturen nebst Nähe zur Allgemeinheit. Mittlerweile kann ich sogar ihrem blöden Abweichlertum ein bisschen was abgewinnen – diese Inselaffen. Und das alles nur, weil sie wissen, wie man Musik macht. Art Brut, Kaiser Chiefs, Hard-Fi, The Rakes, The Dead 60s, Maximo Park, The Subways: Kann echt behaupten, dass ich dank der Musik dieser Bands einige schöne Augenblicke hatte, obgleich sich ihr subversives Potential dieser Tage Richtung Null bewegt. Immerhin: Eine Überwachungskamera als Covermotiv hat selbst den dümmsten Engländer endlich darauf gebracht, dass der Überwachungswahn der englischen Regierung orwellsches Ausmaß angenommen hat. Interessanter Meinungsbildungsprozess, den man da beobachten konnte. Mit dieser bescheidenen Ausbeute ist neun Jahre nach »Mainstream der Minderheiten« das vollendet worden, worauf Holert/Terkessidis damals hingewiesen haben: die Kampfbegriffe gegen das Establishment sind im Pop-England des Jahres 2005 komplett verschwunden zugunsten der Parole »We like success«. Und das ist neu: Es ist nicht mehr nur die Unterhaltungsindustrie, die diese Geschäftsgrundlage kultiviert hat. Diesmal wurden die entscheidenden Impulse von den Musikern gesetzt. Das muss man all diesen tollen Bands ankreiden, verübeln kann man es ihnen allerdings nicht. That’s what the English call Zeitgeist.

Latentamt vom 20.08.05 – 12 – 14 Uhr – Radio X
1. Philip Boa & The Voodoo Club — Burn all the flags (Motor Music)
2. Kaiser Chiefs — Everyday I love you less and less (Universal)
3. Kaiser Chiefs — Time honoured tradition (Universal)
4. Hard-Fi — Hard to beat (Necessary Records/Atlantic)
5. Hard-Fi — Stars of CCTV (Necessary Records/Atlantic)
6. The Rakes — Work, work, work [Pub, Club, Sleep] (V2 Records)
7. BabyShambles — Blackboy Lane (Rough Trade)
8. BabyShambles — BabyShambles (Rough Trade)
9. Art Brut — Good Weekend (Fierce Panda/Banana Recordings)
10. The Subways — Oh yeah (Infectious Records)
11. Louis XIV — God killed the Queen (Atlantic Records)
12. Louis XIV — Finding out true love is blind (Atlantic Records)
13. Heavy Trash — Mr. K.I.A. (Crunchy Frog)
14. Heavy Trash — The Loveless (Crunchy Frog)
15. DM Bob & Country Jem — Bar-B-Q Bop (Hazelwood)
16. DM Bob & Country Jem — Rokit Scyntist (Hazelwood)
17. King Khan — Stone Soup (Hazelwood)
18. The Broken Beats — Little by Littel (Hazelwood)
19. Egoexpress — Aranda (Ladomat/Mute)
20. Stephen Prina — The devil, probably (Demo)
21. Martin Creed — I don’t know what I want (Demo)
22. Coloma — No moving parts (Klein Records)
23. Soulwax — No excuse ([Pias] Recordings)
24. Coco Rosie — Tekno Love Song (Touch & Go)
25. The Subways — Rock & Roll Queen (Infectious Records)

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