Let’s talk about horses

Weiß der Geier, warum sich das Pferd gerade größter Beliebtheit erfreut. Vielleicht liegt es auch einfach nur an meiner verblendeten Wahrnehmung, dass ich in letzter Zeit unentwegt über Pferdefüße stolpere. Als ich kürzlich in Bochum mit dem Spruch »Der eine sattelt sein Pferd — der Andere verspeist es« konfrontiert wurde, war klar, dass mein Auge für solcherlei Beobachtungen geschärft ist. Pferde, soweit das Auge reicht (ich habe sogar mal einen Film darüber gemacht). Dass dieses Jahr das 1. Internationale Pferdefilm-Festival auf dem Islandpferdegestüt Staudenhof ausgetragen wurde, zeigt einmal mehr, wie beliebt die Einhufer in diesem Land sind. Nicht nur auf Zelluloid. Die aktuelle Werbekampagne von Adidas zeigt Missy Elliot an der Seite eines schwarzen Hengstes (und Goldfrapp sangen einst »Ride a white horse«). Es scheint momentan also ein gesteigertes Interesse an Pferdemusik zu geben (das entsprechende Stichwort behauptet sich in unserer Suchphrasenliste auf einem achtbaren 32. Platz).

Das bekannteste und beste Pferdealbum hat allerdings schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Es heißt »Horses« und kommt von Patti Smith. Die beste Begleitband aller Zeiten heißt »Crazy Horse« und das traurigste Lied, das überhaupt jemals geschrieben wurde, kommt von Palace Brothers. Es heißt – yap – »Horses«. Will Oldham klingt so unglaublich verstimmt, dass selbst eine Engländerin auf Anfrage keine genaue Übersetzung hinbekommen hat. Soweit der Blick in die Vergangenheit. Zurück in die Gegenwart, denn in dieser trägt gerade jede zehnte Band ein Tier im Namen. Das momentan heißeste Pferd im Stall ist ein Kleinpferd und hört auf den Namen New Young Pony Club. Hier schon seit Wochen gefeatured, sind die fünf Engländer gerade mit ihrem Song »Ice Cream« in die aktuelle Intel-Werbekampagne eingestiegen. Dem Durchbruch steht demnach nichts mehr im Wege. Nicht minder interessant sind Pony Up aus Kanada. Ihr Song »The truth about cats and dogs (is that they die)« gehört zu den Indierock-Hymnen des Jahres. Einer meiner persönlichen Lieblingstracks der letzten Monate stammt von Lindstrom & Prins Thomas und heißt »Horseback«. Unglaubliche achteinhalb Minuten, die nach einer durchzechten Nacht um sechs Uhr morgens eine geradezu grandiose Atmosphäre schaffen können. Hit! Hit! Hit! Vorher muss allerdings »Gothic Girl« von International Pony gelaufen sein – zur Primetime versteht sich. Der Soundtrack zur einbrechenden Kälte kommt von Smog und heißt »I break horses«. Direkt danach laufen Xiu Xiu mit Sad Pony Guerilla Girl und »Single« von Pony Club um Sänger und Komponist Mark Cullen. »I am Single and it’s raining» heißt es da. Klingt banal, ist es auch, Banalität von ihrer schönsten Seite. Und um nicht völlig in Trübsal zu versinken, gibt’s für die gute Laune als Rausschmeisser Musik vom Produzenzenduo Fuckpony: »It’s only music«. In diesem Sinne… Hüa ho!


International Pony – Gothic Girl

Eine Sendung, die es so nie gab und so vielleicht auch nie geben wird.
01. International Pony – Gothic Girl [YouTube Direktlink]
02. New Young Pony Club – Ice cream [YouTube Direktlink]
03. Pony Up — The truth about cats and dogs (is that they die) [YouTube Direktlink]
04. Poni Hoax – Budapest [MySpace]
05. Fuckpony — It’s only music
06. Pony Club – Single [MySpace]
07. My Little Pony – Kill the Rock [YouTube Direktlink]
08. The Ponys – Double Vision [MySpace]
09. Fuckaponydelic – Switch the lights

01. Like a StuntmanLet’s talk about horses
02. Palace Brothers — Horses
03. John Vanderslice – Pale Horses
04. Lindstrom & Prins Thomas — Horseback
05. Devendra Banhart — Horseheadedfleshwizard
06. Smog — I break horses [YouTube Direktlink]
07. Studio Braun – Pferdekauf
08. Lucky Jim – All The Kings Horses [MySpace]
09. Wonderland Avenue – White Horse [MySpace]
10. Seelenluft – Horse with no name
11. The Fall – Coach and Horses

01. Annette Peacock – Pony
02. Caro – My little Pony
03. Fugazi – Birthday Pony
04. Kasey Chambers – Pony
05. Teenager – Pony [MySpace]
06. Xiu Xiu – Sad Pony Guerilla Girl
07. Infinite Livez – Pononee Girl

01. Band Of HorsesBass Song
02. Nine Horses – Wonderful World
03. They Shoot Horses Don’t They — Emptyhead
04. Horse Feathers – Finch On Sunday
05. A Man Called Horse – In the light of day

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4 Antworten auf Let’s talk about horses

  1. Roderik sagt:

    Sparklehorse – gasoline horses
    Neil Young & Crazy Horse – the year of the horse
    16 Horsepower – Horse Head Fiddle

    Shakespeare – Richard III: „A horse, a horse, my kingdom for a horse“.

  2. Roderik sagt:

    Ergänzung:
    Melvins – the talking horse
    (auf der neuen Platte – saugeil!)

  3. Hardy Klugscheisser sagt:

    „Horses“ hat nicht der Bonnie Prince geschrieben, sondern drei von den Mekons, u. a. auch Sally Timms, auf deren 1. Solo LP die Originalversion drauf ist.

  4. gregOOOR sagt:

    Hut ab! Dafür gibt’s die goldene Gerte. Yap!

Immer auf der Suche nach dem Flow, begeistern Gregor Maria Schubert und Roland Graffé sich für Trends, Widersprüche und Abseitiges in Kunst, Musik und Medien.

Machtdose entdeckt, kultiviert, archiviert, und teilt Glanzlichter der Popkultur und persönliche Vorlieben mit allen anderen Träumern, Liebhabern und Neugierigen.

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