Wimbledonsieger

Jamie T ist der Mann der Stunde. Mein Mann der Stunde. Hat schon seine Gründe, warum der 20-jährige derzeit in aller Munde ist. Der Londoner schreibt einfach brillante Songs! »If you got the money« etwa aktiviert die Lust auf Sex, das Immunsystem wird gestärkt und deine psychische Stabilität steigt ins Unermessliche. Was will man mehr? Ein Mal am Tag einen Song mit dieser Kraft hören, und der verdammte Virus, den Deutschland in diesen Tagen ergriffen hat, könnte dich kreuzweise. Erzähl das mal deiner Krankenkasse. »If You Got the Money« hat ähnlich viele Endorphine in mir ausgeschüttet wie einst die Arctic Monkeys mit »Choo Choo« und »I bet you look good on the dancefloor«. Zumindest dieser Vergleich greift. Ein bisschen AM steckt möglicherweise wirklich in Jamie T, Mike Skinner ist dabei, auch die legendären The Clash sind rauszuhören. Die vielen Vergleiche, die in der Musikpresse umhergeistern, sind nicht unbedingt aus der Luft gegriffen, der Musik schadet das allerdings wenig. Jamie T ist ein Bastard von Musiker, dem der Frühling gehört, ja, dem das Jahr gehört — und die Zukunft. In diesem Augenblick jedoch hat er das beste Album veröffentlicht, das er jemals veröffentlichen wird. Hut ab!

Jamie T @ MySpace
Jamie T – If You Got the Money [Video]
Jamie T – Sheila [Video]


Von der Musik Jamie Ts‘, von seiner Geisteshaltung und seinen erstklassiken Proll-Attitüden zu 17 Pictures und Denzel + Huhn ist es ein weiter Weg. »17 Pictures« und »Paraport sind typische Durchhöralben, Januaralben, die dem Elend der Zeit viel Kraft entgegensetzen. Wenig davon ist Pop und nichts davon Spaß. Einem Ton folgt der nächste, schön amtlich gesetzt und mit gebührender Sorgfalt bedacht. Die Musik der drei Künstler ist häufig Miniatur (17 Pictures) bzw. Skizze (Denzel + Huhn), im Kopf gebaute Seele, manchmal warm wie ein Eisbärfell und – besonders im Fall »Paraport« – ein üppiger Sound- und Genre-Pluralismus. 17 Pictures ist übrigens kein Geringerer als Wechsel Garland alias Jörg Follert und Denzel + Huhn kennt man noch aus ihren Tagen bei Ornament & Verbrechen. Die soeben veröffentlichten Alben sind eine gelungene Variation ihres Weltmodells, das vor grauer Urzeit von den Künstlern entworfen wurde. Und von beidem kann man nicht genug bekommen. Eine Runde Sache, wenn man so will.

Von Andrew Bird [MySpace] schließlich erwarte ich Großes in diesem Jahr. »Dark Matter« ist ein erstklassiger Song, der die Soundwelt von Final Fantasy und Sufjan Stevens hervorragend vereint. Weiter soll diese Empfehlung jetzt noch nicht gehen – sein Album kommt demnächst erst raus.

Sendung vom 18.01.07 – 19-20 Uhr – Radio XIch höre Radio X
01. Andrew Bird – Dark Matter (Righteous Babe)
02. Annuals — Brother (Ace Fu Records)
03. Fujiya and Miyagi – Collarbone (Groenland)
04. Jamie T – If you got the money (Labels)
05. Jamie T – Ike and Tina (Labels)
06. Hot Chip — Sexual Healing (MP3)
07. 17 Pictures — Dream of quietness (Ahornfelder)
08. 17 Pictures — Short discription of wishes (Ahornfelder)
09. Denzel + Huhn — Treibel (City Centre Offices)
10. Denzel + Huhn – Kleiner Bruder (City Centre Offices)

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