Life ends with boring music

In der April-Ausgabe der Intro wird das Scheitern des größten deutschen Vertriebs für unabhängige Musik noch einmal in seiner ganzen Tragik dargestellt. Julian Weber erläutert in seinem Artikel EFA – Abschied von gestern die undurchsichtigen Zusammenhänge zwischen Label und Vertrieb. Mit Grauen muss man feststellen, was für ein großes Loch in die deutsche Musiklandschaft geschlagen wurde. Ist Indie jetzt am Endie? Zumindest zieht die Krise jetzt auch dort ihre Kreise, wo’s weh tut. Die Auswirkungen dieses Bankrotts werden erst in vielen Jahren zu spüren sein. Bis dahin heißt’s, die guten Platten zu bunkern. Ihre Homepage ist bereits dicht.

Die Kurzgeschichte des Vertriebs:

EFA (Energie Für Alle) war 1981 im Umfeld der Politrockband Ton Steine Scherben als Zusammenschluss sieben unterschiedlicher Labels, Kleinvertriebe und Privatpersonen gestartet. Das ausdrückliche Gründungsziel, unabhängig hergestellte Musik in die Schallplattenläden zu bringen, wurde mit ungewöhnlichen Methoden verfolgt: Damals war es tatsächlich ein Politikum, wenn beispielsweise der Berliner EFA-Mitarbeiter Werner Schrödl durch die Lande fuhr und Kartons mit Dead-Kennedys-Scheiben aus dem Kofferraum seines Wagens an die Plattenläden vertickte. Im Laufe der Achtziger expandierte die EFA: Mit dem Boom der angloamerikanischen Indies in der zweiten Hälfte der Achtziger ließ sich auch hierzulande gut arbeiten. Labels wie SST, Touch&Go, Alternative Tentacles und Sub Pop wurden von der EFA erfolgreich vertrieben. In den Neunzigern setzte die EFA vor allem auf den Boom mit elektronischer Musik. (Julian Weber)

An dieser Stelle sei noch mal an das Buch Popvisionen erinnert, in dem u.a. die wenig nachvollziehbare Abhängigkeit zwischen Vertrieb und Label beschrieben wird.

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