März 2005

Electric Lounge Orchestra

Neben Nähmaschinen, Kartonagen und Tonbändern bildet vor allem ein gewaltiger Plattenspielerpark den Kern des Electric Lounge Orchestras. 33, um genau zu sein. Die ringförmig aufgestellten Abspielgeräte (brillant: freihängende Deckenmontage) durchmischen den Sound des aufliegenden Vinyls zu einem drallen Mix aus Noise, Groove und Ambient — je nach Tonschleife.

Low 500 Symposium

Samstag habe ich sie wieder gehört, die »High Commisioner« von LOW 500. Und ich bleibe bei meinem Urteil: Schönes Album, das den gewaltigen Spielraum der Popmusik super auszunutzen weiß. Abgeschöpft wird vor allem aus den Jahren 1969 — 1983 (die Plattensammlung der Band lässt keine andere Schlussfolgerung zu). Hauptsache POP. Alternative Pop. Mit Sascha Beck und York Bandow ging’s um eben jene Details. Zwei Stunden lang. Auf Radio X.
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Fame of Hall

Computers! – manchmal könnt Ihr einpacken: Zwei 11 Meter hohe Wassertanks, die einst zum Befüllen von Dampflokomotiven dienten und im denkmalgeschützten Oberhausener Hauptbahnhof hochragen, haben wir Tank-FX zu verdanken, ein ’natürlich‘ erzeugter Halleffekt für die weitere maschinelle Verarbeitung (via Yesterday was dramatic – Today is OK).

Female HipHop Droppin‘ Science

Sind wir mal ehrlich: hinter all den Pseudonymen des HipHop-Undergrounds verbergen sich doch fast ausnahmslos Buben, die zum Mikro greifen. Das weibliche Geschlecht sucht man in der HipHop-Kultur meist vergebens, Tendenz fallend. Eingeschlechtliche Einöde, soweit das Auge reicht. Oder liegt’s vielleicht an der falschen Wahrnehmung? In der aktuellen De:Bug findet sich eine 24-Seiten-Beilage mit Interviews von Bahamadia, Jean Grae, Ladybug Mecca, Medusa, Shystie, Yo Yo usw. Informativ ist auch die History-Timeline über Female HipHop. Also, kauft euch die De:Bug oder zieht das PDF aus dem Netz.

Sendung vom 24.02.2005

Abstracts Die alljährliche Wiederkehr des HipHop-Specials führt uns auch diesmal zu den üblichen Verdächtigen. Abteilung Indie-HipHop (hie und da auch Abstract HipHop), Sektion Entwicklungshilfe. Zwar sind die Produktionsstandards prinzipiell gesetzt, sie auszubauen jedoch der Stand der Dinge. Gerade die aktuellen Big Dada Releases mit Busdriver und Roots Manuva machen dieser Tage besonders viel Spaß. Roots Manuva alias Rodney Smith beweist auf seinem neuen, dritten Album »awfully deep« einmal mehr, dass sein emphatischer Vortragsstil einzigartig ist – nicht nur auf der Formebene. 14 rundherum besinnliche Oden über den Zustand seiner Seele hält das Album parat. Selten lagen Meditation und HipHop so dicht beisammen (diese Auffassung bezieht sich allerdings nicht auf die Produktion des Albums). Busdriver ist das komplette Gegenteil. Seine Raps fußen auf Spaß und Ironie. Könnte man Worte stapeln, ihr fändet in Busdriver den Meister. Hochgeschwindigkeitsrap mit hoher Hitdichte. »Fear of a black tangent« ist ein über weite Strecken tolles Album, an dem Leute wie Daedelus, Thavius Beck, Dangermouse und Paris Zax beteiligt waren. Unter großer Beteiligung wurde auch das neue Pedestrian-Album »Vol.1: unIndian Songs« eingespielt. Alias, Doseone, Jel, Odd Nosdam, Passage, Sole und Why? (die komplette Anticon-Posse eben) trafen sich in ihrem Therapieladen an der Bay Area zum Familien-Battle. Dass die 14 Songs unterschiedlicher kaum sein können, liegt folglich in der Natur der Sache. Feines Album und der bisher größte Wurf des Labels in diesem Jahr. Ähnlich gedrängt geht es auch auf dem neuen Peanuts & Corn Release zu. »We make noise« ist der beste HipHop-Track der letzten Monate. Ein Banger mit überhoher Lebenserwartung. Wäre McEnroe nicht auf die Idee gekommen, seine alten Kumpels Pipi Skid, John Smith, Gruf, Hunnicutt und Yy an Weihnachten in Winnipeg (Kanada) zu besuchen, es würde sie nicht geben, die »Break Bread EP«. Ein Muss!

Sendung vom 24.02.2005
01. Roots Manuva – A haunting (Big Dada/Banana Klan)
02. Dizzy Rascal – Girl feat. Marga Man (XL/Beggars)
03. Busdriver – Unemployed Black Astronaut (Big Dada)
04. Busdriver – Sphinx’s Coonery (Big Dada)
05. Roots Manuva – Too cold (Big Dada/Banana Klan)
06. Daedelus – Just briefly (Ninja Tune)
07. Daedelus – Drops [Cyne Collaboration] (Ninja Tune)
08. Prefuse 73 – Hideyaface (Warp)
09. V.A. – We make noise (Peanuts & Corn)
10. Pedestrian – Jane2: Electric Boogaloo (Anticon)
11. Sage Francis – The Buzz Kill (Epitaph/SPV)