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Die besten Alben 2012 – Plätze 4


Grzzlbr

Sebastians No. 4:

Grizzly Bear – Shields
(Warp / Rough Trade, VÖ: 14.09.2012)

Auch Grizzly Bear haben sich mit ihrem neuen Album unauslöschlich mit meinem Lebensgefühl in diesem Jahr verwoben, an dessen so genannten Spätsommer ich mich nicht mehr ohne ihre dezent-raffiniert arrangierten, variantenreichen Songs erinnern kann. Keiner schüttelt Kombinationen aus Melancholie und Leichtigkeit so mühelos aus dem Ärmel! Bei akzentuiert eingesetzter Mehrstimmigkeit und viel Akustik-(freilich aber auch E-)Gitarrenklängen schimmern ihre American-Folk-Wurzeln durch und sorgen für eine Art Widererkennungseffekt. Unvergleichlich lässig, wie sie der Seichtigkeit immer wieder durch psychedelische Anwandlungen erfolgreich entflüchten. Was mir bei Veckatimest noch etwas kontingent erschien, ist jetzt einer stillen Größe gewichen!

http://youtu.be/fgohdpgxaXI

phn

Rolands No. 4:

phon.o – Black Boulder
(50 Weapons / Rough Trade, VÖ: 18.05.2012)

Ich glaube, ich schreibe dann auch jedes Jahr zu den Listen: eh nur Momentaufnahmen, wer weiß, was man alles verpasst hat und später noch kommt. Warum hatte ich zB letztes Jahr nicht das großartige „What?“ von Bodi Bill auf dem Schirm und das Jahr davor Mount Kimbies „Crooks & Lovers“ verpasst, beides Platten, die ich seitdem noch und nöcher gehört habe. Beide seien erwähnt, weil sie gut hierher passen, siehe gleich.

Und letztes Jahr: hatte ich nicht erwähnt, dass mich dieses „Post-Dubstep“-Zeug nicht so recht zu packen wusste? Jetzt, da diese Welle offenbar auch schon wieder rum ist, hat sich dessen Einfluss bei mir doch noch reingeschlichen, indirekt durch die Hintertür eines Nebengenres. Denn ich habe, so kann mans auch darstellen, vor allem exzessiv genau 2 Genres gehört (von einem spreche ich jetzt, das andere folgt auf den vorderen Plätzen). Geradezu manisch und exzessiv also alles was ich so in der UK Bass / Future Garage-Ecke finden konnte (und die Ecke könnte man eben auch nennen: Post-Dubstep, aber in echt zum Tanzen) – auch hier übrigens wieder die Radio-Funktion des Streamingdienstes, oder eben schlicht entsprechend spezialisierte Internet-Spartensender. Das konnte ich einfach so laufen lassen und war unterhalten, hab auch einen Mix meiner absoluten Highlights daraus gemacht, der bei mir hoch und runter lief, den ich nem Freund schenkte, der ihn verlor und mich späterhin geradezu anflehte, ihm eine nochmalige Kopie zu schicken, weil er ihn wieder unbedingt brauche usw. – aber ich schweife ab.

Jedenfalls: phon.o’s Album ist durchaus in dieser Ecke zu verorten, man könnte auch sagen: es ist eine einzige Wundertüte dessen, was man da in der Ecke so alles anstellen kann, ist also dann auch wieder das Gegenteil einer reinen Genreplatte. Sie macht einfach Spaß. Ich las bei Rezensionen, die Platte sei nicht ausreichend innovativ. Da sag ich nur: Innovation my ass (und stimmt auch gar nicht, ätschi). Im zweiten Track taucht übrigens auch noch Pantasz von Bodi Bill (siehe oben) als Sänger auf und so wird mein ungelenker Text zwar auch nicht rund, aber egal, hauptsache Ihr kapiert: Kopfnickerdance bis der Nacken schmerzt, ey!


PrfmGns

Gregors No. 4:

Perfume Genius – Put Your Back N 2 It
(Matador / Beggars Group / Indigo , VÖ: 17.02.2012)

Missbrauch, Gewalt, Alkohol- und Drogenprobleme und homophobe Anmache – die selbsttherapeutische Wirkung von Musik spürt man auch auf »Put Your Back N 2 It«, dem zweiten Longplayer von Mike Hadreas alias Perfume Genius. Das sagt natürlich einiges über die Grundstimmung aus. Traurig-schöne Balladen, die nicht immer auf Anhieb gefallen (sechs, sieben Mal muss man das Album schon hören), deren hohe Intimität und Intensität aber gerade deshalb beeindruckt. Klavier, Gitarre, Drumcomputer und ein bisschen Elektronik. By the way: Den von YouTube als familienfeindlich (»not family safe«) eingestuften Clip zu »Hood« mit Porno-Darsteller Arpad Miklos in der Hauptrolle bitte jetzt anschauen!