Die Polizei

Verflgungsjagd Kurios ist neben allem Möglichen auch das Verhalten der Japaner gegenüber ihren Regeln. Daneben benehmen ist nicht. Daneben aussehen schon. Wir lernen, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Wir haben uns daneben benommen, zumindest sprechen einige Indizien dafür, ohne daneben auszusehen. In meinen vier Japanwochen wurde ich insgesamt vier Mal von der Polizei und ihren Beistehern zurechtgewiesen. So viel Rechtsbelehrung hatte ich in den letzten zwanzig Jahren nicht. Einmal habe ich mich nachts um halb zwölf mit einer Dose Bier auf der Südseite des Shinjuku Station niedergelassen, um einen der großartigsten Ausblicke zu genießen, den die Stadt zu bieten hat. Nach einer halben Dose Bier war Schluss. Zwei Ordnungshüter. Freundliches Lächeln. Klare Abmahnung. Abgang. Härter traf es mich, als ich Virginie einen Platten fuhr. Da man in Tokyos Metro keine Fahrräder mitnehmen darf, blieb mir nichts anderes übrig, ich musste schieben. Von so viel Überheblichkeit gepackt, war klar, dass mein Handeln nicht unbeobachtet bleiben soll. Kurzum: Nach kurzer Zeit stand ein Polizist vor mir, der mich ins Verhör nahm, lächelnd und auf Japanisch, versteht sich. Es ging um mein Fahrrad (Diebstahlverdacht) und den Platten (?). Nach etwa fünf Minuten kam ein zweiter Polizist dazu, der in der Zwischenzeit um den Block gefahren ist, um mir mit seinem Dodge Charger Police Cruiser jede Fluchtmöglichkeit zu nehmen. Meine Situation war aussichtslos. Etwa mittendrin wuchs in mir die Vorstellung, die Nacht im japanischen Knast verbringen zu müssen. Wegen eines Platten Reifens, dachte ich mir. Nach zehn Minuten ließen sie mich ziehen. Beim dritten Mal saßen Virginie und ich auf dem Vorsprung einer Brücke, vor uns der Fluss, hinter uns das Geländer. Bier. Tolle Sonnenuntergangsstimmung. Aber: illegal. Schließlich ist ein Geländer ein Geländer. Ein Inspektor nahm sich uns nach kurzer Zeit vor, zumindest gab er vor, einer zu sein: »it’s a dangerous situation«. »Not for us. We like this place«. »But for us«. So betrachtet überzeugt. Für dieses Mal.

Eine Antwort auf Die Polizei

  1. stefan sagt:

    haha, sehr schön. fast schade, dass du nicht eine nacht im jap. knast erleben kannst. ich beneide dich.

Immer auf der Suche nach dem Flow, begeistern Gregor Maria Schubert und Roland Graffé sich für Trends, Widersprüche und Abseitiges in Kunst, Musik und Medien.

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