Die besten Alben 2021 – Plätze 7 bis 5

Rolands No. 7:
Bicep – Isles
(Ninja Tune / Rough Trade)

Der Opener „Atlas“ war bereits im letzten Jahr in meinen Single-Charts, und also schlug das Album auch ein. Bicep machen Techno für mindestens Stadion. Alles immer ein bisschen sehr grell, pompös, barock. Doch manchmal ist over the top auch ganz weit vorne. Kann mich jedenfalls der geballten Kraft kaum entziehen, unmittelbares Mithüpfenwollen direkte Folge.


Gregors No. 7:
Dry Cleaning – New Long Leg
(4AD)

Kein Gesang, sondern das Vortragen seltsamer Geschichten, immer ein bisschen gelangweilt mit ein bisschen Melodie – die bemerkenswerte Besonderheit von Dry Cleaning ist die Stimme von Frontfrau Florence Shaw. Zwischen Ofen-Kartoffeln, Hot Dogs, Mayonnaise, Beeren, Sushi, Mousse au Chocolat, Pizza und Schokokeksen finden sich in ihren Texten auch immer wieder kurze Momente der Bedeutung. Ihr Vortrag ist so speziell, dass man sie eigentlich auf einer Erzählbühne erwartet. Dry Cleaning wären aber nicht die Band der Stunde, wenn es da nicht noch eine geniale Backup Gang gäbe, die über Shaw‘s warme Stimme giftigen Post-Punk legt. “You can’t just come into my garden in your football kit, and start asking questions about who lives here” – alleine wegen dieser Textzeile grundsympathisch.


Rolands No. 6:
Jorja Smith – Be Right Back
(Sony Music / Membran)

Die denkbar wärmste Stimme, Beats smooth und minimalinvasiv (Textlich sieht’s aber ggf. anders aus). Durchgängig ideal temperiert, sowohl atmosphärisch als auch im Takt. Zuhören wie mit geschlossenen Augen in der Wanne mit Badezusatz, schläfrig, aber gerade noch wach.


Gregors No. 6:
Helado Negro – Far In
(4AD)

„Das kennt man ja vom Schubert“, höre ich’s gnatzen. Und ja, das passt! „Far In“ ist eine Tauchfahrt durch die Zeiten: Guter Alternative Pop hatte hier in den letzten 25 Jahren immer auch seinen festen Platz. Wie viele, die in Strandnähe aufgewachsen sind, träumt, trödelt, wabert und experimentiert sich Helado Negro alias Roberto Carlos Lange durch gleich 15 Sonnenuntergangslieder, die auch mal pumpen (Disco-Not-Disco), im Kern aber die Strömungsgeschwindigkeit eines Bergsees haben, auch was die Coolness anbelangt. „Far In“ besitzt aber auch eine Freundlichkeit, nach der man heutzutage schon suchen muss. Der Schlüssel dazu: „My world only opens, when your world comes in.” (aus: Outside the Outside”)


Rolands No. 5:
Low – HEY WHAT
(Sub Pop / Cargo)

Mit dem Vorgängeralbum „Double Negative“ (meine Nr. 3 in 2018) haben Low mich erst endgültig gekriegt. Mit HEY WHAT machen sie da konsequent weiter. Albumtitel völlig zurecht in Majuskeln, denn es ist LAUT. Trotz aller Zwölf auf die Ohren aber auch MAJESTÄTISCH SCHÖN. Ordentlich hochgezogene Lärmwände, mit Löchern drin, aus denen wie Sonnenstrahlen Engelsgesang schallt. Zig widerstrebende Informationen auf einmal, Zuckerbrot und Peitsche, so betörend wie verstörend.


Gregors No. 5:
Little Simz – Sometimes I Might Be Introvert
(Age 101 / Rough Trade)

Little Simz, die von mir aus auch gerne bei der nächsten Marvel-Verfilmung mitspielen oder zur UN-Sonderbotschafterin berufen werden darf, hat’s mal wieder geschafft: Sie hat sich mal wieder selbst übertroffen. War da überhaupt noch Luft nach oben? Ach ja, ihr Außenseiterstatus wird langsam zum Problem (“I think I need a standing ovation, 10 years in the game, I been patient”), vielleicht ist Little Simz auch einfach zu clever, zu cool, zu kreativ und zu begabt, um jene Anziehungskraft zu entwickeln, die die Dummköpfe ihrer Zunft auf ihre vielen, vielen Fans ausüben. Wie immer mit Produzent Inflo (einem Freund aus Kindertagen und Teil des Neo-Soul-Kollektivs Sault) gemacht.

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