PeterLichtKlagenfurt

Da wir ja mindestens seit der letzten Bilanz auch ganz offiziell und endgültig zu den PeterLicht-Huldigern zählen, verlinke ich für alle mal das Video seiner heutigen Lesung beim Bachmannpreis:

Ich, der ich ja letztlich eher „nur“ zu den PeterLicht-Okayfindern zähle, war tatsächlich ein wenig überrascht wie gut der Text ist – auch wenn er mir gleichzeitig in der anschließenden Diskussion fast schon ein bisschen zu übergut gemacht wurde, auch hier, das Video zur Diskussion:

(sozusagen ein bisschen fast zu sehr von unten her ans ganz vorbehaltlose heranreichend). Aber in echt hats mich an so Lieblingsstellen aus Beckett-Romanen (Steinchenspiel in Molloy etwa) erinnert. Gleichzeitig ja auch irgendwie an den letztjährigen Siegertext von Passig (jedenfalls mehr als der von Jochen Schmidt, wie’s dort in der Diskussion mehrfach gesagt wurde), und zwar in rundheraus sympathisch (nicht dass ich den Passigtext jetzt wirklich unsympathisch fand, aber). Hepp!

11 Antworten auf PeterLichtKlagenfurt

  1. goncourt sagt:

    Bei dem peterlicht-Text ist mir beim nachmaligen Lesen aufgefallen, wie sehr er durch das Vorlesen des Autors gewinnt. Ohne die Vortragsweise ist er auch ok, aber auch nicht so ungewöhnlich (umgekehrt gewinnt z.B. der Jochen-Schmidt-Text, um jetzt mal bei den Weblogleser-affinen Autoren zu bleiben, auf die anderen habe ich eh nicht soviel Bock, ungerecht, aber nun).

  2. goncourt sagt:

    Ähm: Jochen Schmidt gewinnt umgekehrt…beim stillen Lesen.

  3. Nerd Seb sagt:

    Danke! (Angenehm gelesen! Wusste gar nicht, dass der das kann (also vorlesen)!)

  4. alex sagt:

    jochen schmidt hat seinen exzellenten text aber auch ziemlich lieblos runtergeleiert. mir fiel auf, dass er am ende eines satzes die stimme meist nicht gesenkt hat. als wäre sein ganzer text ein einziger bandwurmsatz. der typ, der über diese kasachische(?) transsib geschrieben hat, übrigens auch. der war auch aus dem osten, aus thüringen. gerade im vergleich zu peterlicht kriegt schmidt da ganz klar punktabzug. versteh wirklich nicht warum er so gelesen hat. der ist doch lesebühnenprofi. oder WOLLTE der gar nicht gewinnen?

  5. Ati sagt:

    findet ihr wirklich? Ich finde es reichlich gewollt und eine Selbstinszenierung hoch zehn sein Gesicht zu verstecken und überall dabei zu sein. Und das färbt dummerweise auch auf den Text ab. So viel Beiläufigkeit kann da gar nicht drin sein. Und ich finde, dann muss man auch nicht so beiläufig tun. klar ist der Text witzig, aber doch ganz schön zielgerichtet. Ich trau dem nicht richtig über den Weg.

  6. roland sagt:

    goncourt: ja, da ähnelt er eben dem passigtext. sooo furchtbar ungewöhnlich finde ich ihn auch nicht, aber mir gefällt, dass er immer wieder auf ‚elementares‘ zurückfällt (daher auch mein beckettvergleich). im grunde muss man sich wirklich nur mal n paar diskussionen um beckett aus den sechzigern in erinnerung rufen, dann wird das einem auch bei der rezeption von licht bekannt vorkommen (also: warum jemand das beliebig und gauklerisch findet)

    und ich hege eben viele sympathien für peterlicht, weil mir das inszenatorische dabei nicht „cool“ oder „clever“ vorkommt, sondern ausreichend selbsthumorig, durchlässig, nettnaiv (auch inszeniert, klar) ist – ohne dass das jetzt wirklich wieder programm wäre.

  7. goncourt sagt:

    Ja, nee, sympathisch ist er mir schon auch. Ich meine auch nicht, dass auf dem Bachmann-Wettbewerb anders gelesen/präsentiert werden müsste, dazu finde ich den Preis auch nicht so wichtig.

    Und alex63: Lesebühne mit einer Szene, die man ungefähr kennt, und berühmter Literaturpreis mit Fernsehübertragung ist schon ein Unterschied. Man sollte da mit einem Autor nicht zu streng umgehen.

  8. Charlotte sagt:

    also, da hätte ich mal zwei fragen:

    1) warum nimmt jemand, der sein gesicht nicht in kameras halten will, ausgerechnet an dem einzigen literaturwettbewerb teil, der nun ausgerechnet vor laufenden kameras stattfindet?

    2) was findet peter licht am bachmann-wettbewerb so cool, daß er dabei sein will?

    es grüßt, direkt aus klagenfurt (ha! ich hab ihn gesehen! kannte sein gesicht ja aber eh schon vom konzert…),
    charlotte

  9. alex sagt:

    1. um sich wichtig zu machen. distinktionsbedürfnis. bei so einem belanglos-hohlen zeitgeisttext kann ich das auch sehr gut nachvollziehen.
    2. um abzuräumen, was ihm mit gleich zwei preisen ja auch voll gelungen ist.

  10. q1fanty sagt:

    eine frage zur technik, roland, kann man mit dem player da oben auch streams abspielen?

Immer auf der Suche nach dem Flow, begeistern Gregor Maria Schubert und Roland Graffé sich für Trends, Widersprüche und Abseitiges in Kunst, Musik und Medien.

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