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Greatest Hits

Dandi Wind Der Trend hält an, sich nicht mehr ausschließlich von der heimischen Presse, den eigenen Freunden und der Musikindustrie beeinflussen zu lassen. Die neuen Kanäle bleiben heiß. Stichwort: Weblogs und MySpace. Die Zahl guter Weblogs und MP3-Blogs steigt derzeit analog zu meiner Neugierde darauf. Zu meinen absoluten Lieblingen hat sich 20 Jazz Funk Greats aus Brighton gemausert, ein MP3-Blog, das seit August 2004 von drei Kumpels mit viel Inhalt gefüttert wird und längst kein Geheimtipp mehr ist. Trotzdem soll diese Empfehlung ein wenig Orientierung verschaffen; ihre formidable Linkliste öffnet schließlich das Tor zu einer anderen Welt. Die Macher selbst schreiben über Bands und Musik, die ich nicht kenne. Punkt. Das macht die Sache auch so spannend. Dandi Wind trifft man da beispielsweise, die mit ihrem Song »Umbilical Noose« (Video) angemessen durchgeknallt auf die Welt da draußen reagieren. Das Trio aus Vancouver ist heißer Scheiß, muss man einfach mal so sagen.

CSS Ebenfalls dort entdeckt habe ich den Song Let’s Make Love and Listen to Death From Above von der brasilianischen Band CSS. Fünf Frauen, ein Mann, alle aus Sà£o Paulo. Bei aktuell 214,539 Views ihres gleichnamigen Videos auf YouTube kann man davon ausgehen, dass sich das neue Sub-Pop-Signing bereits herumgesprochen hat (Der Status »Newcomer des Monats« im Musikexpress wird sein Übriges dazu beigetragen haben). Bei CSS greift einmal mehr, wovon gegenwärtig jeder Promoter träumt: Die Single, ohne jede Frage ein Hit, wurde als kostenloser Download ins Netz gestellt und umkreist derzeit munter den Erdball. Ich weiß nur nicht genau, wie er sich anfühlen soll, der Sex zu »Death From Above«. Der Liebesakt zu Sunset Rubdowns »Shut Up I Am Dreaming of Places Where Lovers Have Wings« hinterlässt jedenfalls keine Knutschflecken, so viel ist klar. Einem langen Vorspiel folgt der Höhepunkt. Und was für einer! Ein Hit, wie er mir jüngst versprochen wurde. Wenigstens genauso brillant wie Peter Bjorn And Johns »Young Folks« (My Space), nur nicht ganz so gut gelaunt.

Kash Point Zurück zu 20 Jazz Funk Greats. Dort habe ich auch das erste Mal von Bishi gehört, einer 22-jährigen Musikerin bengalischer Abstammung, die Sheffield verließ, um in London die Sau rauszulassen und mittlerweile Sitar unter Gaurav Mazumdar studiert. Außerdem ist sie DJ im legendären Underground Nightclub Kash Point. Sehr eigen, ihre Musik wie ihr Leben. Das kann man auch von Süperdisco behaupten. Hinter diesem Namen verbergen sich Saam Schlamminger (Chronomad) und Klaus Scheuermann. Gemeinsam ging man der Frage nach: Wie klänge Popmusik, die ihre Wurzeln im Iran hat und die sich westliche Sounds und Techniken ganz selbstverständlich aneignet? Die Antwort lautet: SÜPERDISCO!

Sendung vom 10.08.2006 – Radio X – zum Livestream
01. Peter Bjorn And John — Young Folks (Wichita Recordings/V2)
02. Sunset Rubdown – Shut up I am dreaming… (Absolutely Kosher)
03. The Year Of — Stephen Hawking (Morr Music)
04. Bishi — Magus (Brainlove Records)
05. Süperdisco — Süper Disco (Warner)
06. Dandi Wind – Umbilical Noose (Bongobeat Records)
07. CSS – Let’s make love and listen to Death From Above (Sub Pop)
08. The Rapture — Get myself into it (Vertigo/Mercury)
09. Wild Man Fischer – It’s a money world (Rhino)
10. I’m Not A Gun — Move (City Centre Offices)
11. Cassettes Won’t Listen – Cutting Balloons [Roger O’Donnell Remix] (World’s Fair)

INTER VIEW 2 – Comic Release Party

Am Samstag feiern der Comiczeichner Christopher Piwi Tauber und sein Autor Jörg Scheller den Release des mittlerweile zweiten Pop-Comics namens »Inter View Vol.2«. Schon der erste Teil hat sich prächtig gelesen. Mit neuem Major-Verlag im Rücken und der Unterstützung von Gastzeichnern wie Mawil, Sascha Thau, Naomi Fearn und Jule K. steht einer angemessenen Verbreitung demnach nichts mehr im Wege. Die Idee ist schnell erklärt: Den Comic-Kurzgeschichten liegen Interviews zugrunde, die zuvor mit Bands und Solokünstlern geführt wurden. Die Interviews werden allerdings nicht eins zu eins übersetzt, vielmehr wird gemeinsam mit den Musikern über Geschichten nachgedacht, die im Laufe des Gesprächs ihre ganz eigene Note bekommen. Im Comicgate wird das alles sehr viel ausführlicher erklärt. Im »Inter View Vol.2« gibt es Geschichten rund um Saalschutz, Magnetic Fields, Motörhead, King Khan, Henry Rollins und die Good Heart Boutique. Des Guten nicht genug: Der Erstausgabe liegt der CD-Sampler »Inter View Pop Music« bei, eine Melange aus Country, Rap und Indie. Das Buch findet sich in jedem gut sortierten Comicladen.

Unterstützung bekommen die beiden an diesem Abend von Tess Wiley und den Woog Riots. Wiley wird den Abend eröffnen, bevor Darmstadts Woog Riots, die hessische Antwort auf Antifolk, mit ihrem Riot-Pop Geschichten zum Besten geben, die ebenso gut Comics sein könnten (eine Geschichte ist tatsächlich gerade in der Mache und wird an diesem Abend exklusiv an der Abendkasse kostenlos verteilt).

Samstag, 24.06.2006 – Einlass 22:00 – ROTARI – Offenbach – Konzerte nach dem WM-Spiel / 5 Euro inklusive Gratis-Comic über die Woog Riots

INTER VIEW 2 – Comic Release Party Teil 2

SAALSCHUTZ live / LES YPER SOUND mit CRIS & GRRR! (Techno-Punk aus Zürich / Indie – Elektro – Riot – Disco)

Samstag, 08.07.2006 – Beginn: 22:00 – NACHTLEBEN – Kurt-Schumacher-Str. 45 – Frankfurt

Check the cool wax

Die Überschrift liest sich schon klasse:

Top in, look around, have a drink and crank some tunes. I’ll be posting some songs ripped from records, some out of print and hard to find stuff, some songs by artists you should be listening too, and a few mixes here and there.

Und in der Tat: Auf was man bei Check the cool wax so alles trifft, kann sich sehen lassen. Neben interessanten Narrations, über die erste Mondlandung beispielsweise, finden sich dort Gesangsaufnahmen von untalentierten Schauspielern, Plattentitel wie »Music To Read James Bond By«, extended Versions von The Cure, eine 7″ namens »The Noisy Eater« von Jerry Lewis usw. usf., dazu exzellent gestaltete Cover in Hülle und Fülle. Sehr crazy.

Candy – The Spirit of Independents

Mr T.T.T. Burger Candy, digitales Design Magazine aus Dublin, kostet gerade mal nichts und trotzdem kommt Macher Richard Seabrooke mit Vol. IV (»The Shopping Issue«) auf beachtliche 212 Seiten, die sich neben Fotografie, Illustration, Mode, Street Art, Kunst und Produktdesign auch an Themen wie Musik und Club Culture abarbeiten. PDF macht’s möglich. Die Vorteile liegen auf der Hand: niedrige Produktionskosten bei erstklassigen Vertriebsstrukturen. Ein Klick nur, und ihr seid drin in Seabrookes Style-Community, die zu einem nicht unwesentlichen Teil aus irischen Gestaltern und Grafikern besteht, seinen Homies eben. Stets aber mit Blick auf die Großen der Zunft, die den anderen Teil des Magazins ausmachen. Seabrooke veröffentlicht, was gefällt. Bekanntes und Unbekanntes. In the Mix. Und ja: Bunte Bildchen und Illustrationen machen sich einfach gut auf Bildschirmen. Hauptsache, es poppt.

Specialten

Musikfernsehen wird ja irgendwann mal ganz anders aussehen, sehr viel persönlicher und auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten. Der Zuschauer selbst bestimmt, welche Clips in der Glotze laufen, Klingeltonwerbung wird es keine geben. Ein Newsletter versorgt die Kundschaft mit einer Neuheitenliste, die neue Clips anpreist, die dann über dicke, leistungsfähige Rechner bestellt und zugespielt werden können. Das wird allerdings noch eine Weile dauern. Bis dahin muss man sich anderweitig mit guten Musikclips versorgen. Im Moment stehen DVDs hoch im Kurs, die das bessere Musikfernsehen sein wollen. Samt Magazin wird’s eine spannende Sache. Spezialten ist so ein Magazin.

Spezialten is a bi-monthly collection of short films, music videos and exclusive interviews. Its‘ focus is towards music, film, animation and design. The packaging is gatefold A4, bound heavy card in full colour and includes a 24 page book of artwork, reviews and stills, together with a ltd. print by an artist in every issue.