The Urban Art of Lockpicking

»Lockpicking« bezeichnet das Öffnen von Sicherheitsschlössern, ohne sie dabei zu zerstören. Die Lockpicker bezeichnen sich selbst als »Sportsfreunde der Sperrtechnik«. In Wettkämpfen werden alljährlich die besten ihres Faches ermittelt. »Lockpicking« heißt auch die Arbeit eines Unbekannten, der seit geraumer Zeit in Frankfurts Stadtmitte regelmäßig Fahrradschlösser anbringt. Pollersysteme, Laternenmasten, Fahrradständer und Verkehrsschilder – nahezu jedes sich bietende städtebauliche Objekt gilt als Anwärter für eins seiner Schlösser. Ohne dass sich ein Prinzip ableiten ließe, werden die Schlösser von Zeit zu Zeit sogar umgehängt.

Der Fall ist klar: Die Stadt als expansiver Gestaltungsraum lebt mit ihren bizarren Neuerrichtungsmaßnahmen tagtäglich fehlendes Stilgefühl der Planer und Architekten vor. »Lockpicking« lenkt unseren Blick wieder auf das Alltägliche, das sich unserer Wahrnehmung eigentlich schon entzogen hat. Die Schlösser suggerieren ein Geschehnis, das nie stattgefunden hat: Schloss ohne Fahrrad = Diebstahl – die Macht der Suggestion. Je größer die Verbreitung der Schlösser, desto höher, so die logische Annahme, die Kriminalität. In Anspielung auf die objektive Sicherheit unserer Städte und dem subjektiven Sicherheitsgefühl trägt die Arbeit dadurch zu einer allgemeinen Erregung bei: Verbrechensfurcht sowie Sicherheits- und Ordnungsprobleme werden nun durch das bloße Symbol gelenkt. Die Stadt »versinkt« indessen in ihrer Kriminalität, denn: schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten!

Eine Antwort auf The Urban Art of Lockpicking

  1. dave sagt:

    so so. interessanter ansatz.
    vor allem der blocksatz. gut gesperrt. wie all die kleinen schlösser in der stadt.

Immer auf der Suche nach dem Flow, begeistern Gregor Maria Schubert und Roland Graffé sich für Trends, Widersprüche und Abseitiges in Kunst, Musik und Medien.

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