Tin Tim Renner Lesung

Am Sonntag war ich im gerade neu eröffneten Frannz-Club zur Lesung von Tim Renner, der aus dem rechtzeitig zur Popkomm veröffentlichten Kinder, der Tod ist gar nicht so schlimm las. Erstaunlich wenig Publikum da, vielleicht mal grad, großzügig geschätzt, so 50 Leute. Wenn ich es richtig beobachtet habe, stammte ungefähr die Hälfte davon aus Herrn Renners Bekanntenkreis, dann nochmal so ungefähr 10 Journalisten.

Könnte auch der horrende Preis von 10 Euro gemacht haben (ich war mit ner Freundin da, die Presse war, und wir haben dann den Preis geteilt, sonst wäre ich nicht rein). Zwar hat Tim Renner dann noch Musik aufgelegt, aber mal ehrlich, wen interessiert denn das? Sind auch gleich nach der Lesung raus.

Zur Lesung selbst: Das Buch scheint mir einigermaßen unterhaltsam geschrieben. Eine von Renners Hauptthesen lautet: “die Musikindustrie ist nicht böse, sondern blöde.” Und da hat Renner schon ein paar aufschlussreiche Beispiele und Anekdoten erzählen können. Z. B. wie Anfang der Frühneunziger, als die ersten Fusionen und die endgültige Orientierung auf den Aktienmarkt stattfanden, das “Rückgrat” der Backlist zugunsten kurzfristiger Quartalserfolge mit Katalogaktionen so “weichgebogen” wurde, dass die ihre stabilisierende Funktion gänzlich verlor.

Nicht ausbleiben konnte aber insgesamt der Eindruck, den er wohl naturgemäß nach seinem Weggang/Rausschmiss von Universal zu vermitteln versucht, so ein “Ich habs aber schon immer gesagt und besser gewusst.”

Mich hätte jetzt noch mehr interessiert, wie er sich selbst in der Maschinerie sah, wie sie ihn und seine Ideale wohl verändert hat, das ging aber aufgrund des Besserwissenwollens-Ausschnitte eher unter, kann ja aber trotzdem noch in dem Buch stehen.

Renner ist ja eine Reizfigur aus vielerlei Gründen. Für ihn ist Musik nur verkaufbar, wenn sie keinen Auraverlust erleidet, eigentlich also “mehr” sein muss als Musik selbst. Ist das so? Und auch seine größten Erfolge, also von ihm gesignte Künstler, finde ich meistenteils so ganz und gar uninteressant, auch dieses Beharren von Deutsch als Eigenwert (das ist: Aura durch lokalen Bezug) steht meiner eigenen Musikrezeption eher entgegen, deshalb stehe ich aus sehr skeptisch seiner Haltung zur Quotierung bei öffentlich-rechtlichen Sendern gegenüber.

Jetzt macht er ja Motor FM, was seit gestern läuft, und balgt sich dafür noch um eine Radiofrequenz, die Anfang 2005 frei wird. Erstes Reinhören zeigt: okay, haut mich aber noch nicht wirklich vom Hocker.

Das Buch werde ich sicher nochmal als Ganzes lesen. Insgesamt blieb so ein einerseits/andererseits-Eindruck zurück, so wie ich die Figur als Ganzes auch sehe. Für mich ist er weder der ganz große Arsch, zu dem ihn einige stilisieren, noch der letzte Aufrechterhalter von wahrem Musikenthusiasmus, wie (wenige) andere auch meinen.

Es folgen ein paar Links, denn natürlich gibts da grad einiges in der Presse zu:
Leseproben aus dem Buch gibts bei:

Interviews mit Tim Renner, zum Buch, zum Radio, zur Quote:

Rezensionen des Buches:

2 Antworten auf Tin Tim Renner Lesung

  1. sum1 sagt:

    nach der einleitung wollte ich schon fragen, wer ist Tim Renner?
    wenn er und sein buch so zweitrangig sind wieso soviel zeit unhd bcushtaben für ihn verschwenden?

    Motor FM ist ein deadlink

  2. roland sagt:

    danke für den hinweis, korrigiert.