Oktober 2005

Skip & Guess

»Skip & Guess« nenn ich mal das Spiel, das kürzlich sieben Menschen mittleren Alters in eigenartige Verzückung versetzte, abends, nach getaner Arbeit. Kann ich mir nur so erklären, dass nächtliches Aufstehen und gutlauniges Miteinander im Zustand der totalen Übermüdung ein Verhalten zutage brachten, das unsere knapp zweistündige Autofahrt vom baden-württembergischen Brettern nach Frankfurt in ein offenkundig überdrehtes Quizeinander verwandelte. Kein Schlaf für niemand, auch wenn wir uns eigentlich danach fühlten. Die Regeln sind schnell erklärt: »Skip & Guess« ist ein Ratespiel – jeder gegen jeden. Ein Spielleiter sitzt am Radioempfänger und bedient den automatischen Sendersuchlauf, so lange, bis ein Lied ertönt. Danach darf geraten werden. Es gibt zwei Kategorien: Titel und Interpret. Wer den Titel errät, bekommt einen Titelpunkt, wer den Interpreten errät, bekommt einen Interpretenpunkt. Schweigt die Runde länger als plus minus zehn Sekunden, wird zum nächsten Song geskippt. Gibt jemand vor, zu wissen, um wen oder was es sich handelt, ohne dass die Annahme von einem zweiten Spieler bestätigt wird, entscheidet die Situation/das Gefühl. Schlager und Klassik werden weggeskippt. Falschnennungen werden mit einem Minuspunkt bestraft. Es gewinnt, wer die meisten Punkte erzielt.

Here comes indiepedia.de!

Es gilt die Behauptung, es müsse Wikipedia geben, weil sich sonst nicht die Welt erklären ließe. Und in fünf Jahren wird man mich vielleicht sagen hören, Indiepedia erkläre das Pop (der Urknall ist noch nicht erloschen).

Latentamt

Ich mag Großbritannien, ich mag auch die Briten, Kreidehaut und Sommersprossen, ihr Assogetue, Spaßprügeln, Hardcore-Pubismus und die Kreativität ihrer Subkulturen nebst Nähe zur Allgemeinheit. Mittlerweile kann ich sogar ihrem blöden Abweichlertum ein bisschen was abgewinnen – diese Inselaffen. Und das alles nur, weil sie wissen, wie man Musik macht. Art Brut, Kaiser Chiefs, Hard-Fi, The Rakes, The Dead 60s, Maximo Park, The Subways: Kann echt behaupten, dass ich dank der Musik dieser Bands einige schöne Augenblicke hatte, obgleich sich ihr subversives Potential dieser Tage Richtung Null bewegt. Immerhin: Eine Überwachungskamera als Covermotiv hat selbst den dümmsten Engländer endlich darauf gebracht, dass der Überwachungswahn der englischen Regierung orwellsches Ausmaß angenommen hat. Interessanter Meinungsbildungsprozess, den man da beobachten konnte. Mit dieser bescheidenen Ausbeute ist neun Jahre nach »Mainstream der Minderheiten« das vollendet worden, worauf Holert/Terkessidis damals hingewiesen haben: die Kampfbegriffe gegen das Establishment sind im Pop-England des Jahres 2005 komplett verschwunden zugunsten der Parole »We like success«. Und das ist neu: Es ist nicht mehr nur die Unterhaltungsindustrie, die diese Geschäftsgrundlage kultiviert hat. Diesmal wurden die entscheidenden Impulse von den Musikern gesetzt. Das muss man all diesen tollen Bands ankreiden, verübeln kann man es ihnen allerdings nicht. That’s what the English call Zeitgeist.
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Berlin36


Linda Gold

Gleich geht’s los: Berlin 36 – Der Marathon Fight Club for Filmmakers. Bekanntgabe des Themas ist um 9 Uhr. Unser Team heißt »Linda Gold«. Nachbericht folgt…