2006

Nasenflöten

TRIIIT – der Pfeifton, täglich umgibt er uns. Das Oberkreuzberger Nasenflötenorchester pfeift auch, aber anders, nicht besonders präzise und nicht gerade gefällig. Man muss auch kein Genie sein als Nasenflötist. Eine mittelmäßige Begabung reicht völlig aus. Das sehr einfach gehaltene Blasinstrument wird zwischen Nase und Oberlippe geklemmt, man spielt also nicht, wie üblich, mit dem Mund, sondern mit der Nase auf ihr. Ursprünglich wurde sie benutzt, um jemanden zu umwerben. Wird auch der Grund sein, warum hier nur Männer mitmachen. »Wir würden gerne die deutsche Nationalhymne zur Eröffnung der Fußball-WM blasen« ist auf ihrer Seite nachzulesen. Jetzt müssen sie auf’s Endspiel hoffen.

LISTEN: My way

Und wer spielt die Arschgeige?

Baddiel, Skinner & The Lightning Seeds – Three Lions

1996 war das Jahr, in dem die Engländer den bis heute besten WM-Song aller Zeiten mit ins Tunier brachten. Three Lions, komponiert von The Lightning Seeds und den beiden Comedians David Baddiel und Frank Skinner, ist Kult, die Fußball-Hymne schlechthin. Es nimmt nicht Wunder, dass der Song 2006 erneut auf Platz 10 der englischen Single-Charts zu finden ist, die Band gerade an ihrem Comeback arbeitet und allerorts, selbst aus deutschen Fankehlen, »It’s coming home, it’s coming home, it’s coming, football’s coming home« erschallt. Dabei liegen in den Lyrics Freude und Verärgerung ziemlich dicht beisammen. Der Song beginnt mit kurzen Samples englischer Fußballkommentatoren, Trevor Brooking beispielsweise, der kein gutes Haar an der Spielweise der englischen Mannschaft lässt: »We’re not creative enough; we’re not positive enough«. Alan Hansen (»I think it’s bad news for the English game«) und John Motson (»We’ll go on getting bad results«) treten kräftig nach, bevor die Stimmung umschlägt und zur ersten Schunkelrunde eingeladen wird. Drüben bei YouTube kann man sich ein Bild davon machen. Das Video zu »Three Lions« bringt beste Stimmung, auch wenn die »’98 Version« entschärft wurde.

The video to the 1998 version of the song portrays a match between a group of English fans and their German equivalents, most of whom have the name »KUNTZ« printed on the back of their football shirts.

Die meisten deutschen Fans tragen außerdem Schnäuzer. Scheint typisch zu sein. Typisch Englisch dagegen ist die vorzeitige Heimreise. In wenigen Tagen wird man den Refrain des Liedes umschreiben können: »England’s going home«. Heute machen die Engländer gegen Trinidad und Tobago allerdings erst mal das Achtelfinale klar. Leider.

The Svenga Boys – Who do you think?

Die Engländer haben nicht ganz unrecht: »Jurgen has only got one Ballack«. Und dafür, dass der Song wahrscheinlich nicht in die Analen der Fußballgeschichte eingehen wird, auffallend eingängig, die Hook zu »Who do you think?«. Der Rest ist eher Mittelmaß. Schon lästig, diese britische Einfalt, dieser dumme Blick auf Deutschland. Zu dem Tune gibt’s ein Video auf YouTube. Noch mehr World Cup Songs gibt’s hier. Das Blog heißt Who ate all the Bratwurst. Guter Name. Mein Tipp für heute 1 : 1. Jetzt alle: »Who do you think you are kidding, Jurgen Klinsmann?«. And pay attention – Jurgen mit u.

Zentrale Gartenwirtschaft

Deutschland – Polen. In der Zentralen Gartenwirtschaft am Offenbacher Hauptbahnhof wird geguckt. Es gibt logofreies Bier, leckere Snacks, genossenschaftlich organisierte Bewirtschaftung und eine kleine Großbildleinwand. Beide Spiele werden übertragen (TUN – KSA um 18 Uhr und GER – POL um 21 Uhr). Nicht vergessen: Am Donnerstag ist frei; Fronleichnam. Die Musik kommt von mir alias Veranda Ghostface. Und das Motto steht auch: »Die Welt zu Gast bei Offenbachern«.

Fünf Lieder, die ich auf jeden Fall spiele:

01. Prince – Hey
02. Ellis Island Sound – Bontempi rain effect
03. HushPuppies – You’re gonna say yeah!
04. Funktionaries – Deutschland uber Disco
05. Kalocin – Eye of the tiger

Zentrale Gartenwirstschaft – 14. Juni 2006 – Beginn: 17.30 Uhr – Offenbach HBF – immer den bunten Lichterketten hinterher