Fliegenpflicht für Quadratköpfe
Interfilm 2004: Den Publikumspreis für den abwegigsten Film bekam »Fliegenpflicht für Quadratköpfe« von Stephan Müller. Der Film findet sich auch in meinem Favoritenkreis. In der elfminütigen Quasi-Dokumentation geht es um die Verballhornung der Werbeindustrie mit ihrer grausigen Überpräsenz im öffentlichen Raum. In bester Culture-Jamming-Tradition werden ihre Zeichen und Symbole meisterhaft verfremdet und dank einer Vielzahl guter Ideen ad absurdum geführt. Die Billboard Liberation Front wirkt im Vergleich geradezu einfallslos. Der Film läuft momentan mit großem Erfolg auf diversen Festivals, Online sucht man allerdings vergebens danach. Daher bleibt’s bei diesem Tipp. Augen auf!

Wenn man sich mal überlegt, welche abgenutzten Musikgenres sich einer fundamentalen Überarbeitung unterziehen lassen müssten, die Liste wäre lang, so lang, dass ein Maschinenwärter als Referenzprojekt vielleicht noch Sinustöne programmieren könnte. Der elektronischen Musik, oder vielmehr ihren Schöpfern, obliegt nicht erst seit gestern die ehrenvolle Aufgabe, die Gebrauchsspuren der letzten 100 Jahre zu beseitigen, mit der Tradition zu brechen und neu zu zitieren. Das ist harte, nicht enden wollende Arbeit, abgeschöpft aus dem Tonarchiv der still vor sich hintreibenden Vergangenheit. Poto & Cabengo ist ein Duett, das diesen Verwaltungsposten übernommen hat, das Spiel mit unseren Gewohnheiten aber nicht aus den Augen verliert. Ihre Musik ist von Country und Folk beeinflusst, von den Talking Heads ebenso wie von Velvet Underground. Ihre Musik ist weder verkrampft noch schnöde Kopie. Dafür sorgt die Elektronik. Und das Talent. Beides ist ausreichend vorhanden und in diversen anderen Projekten bereits erprobt (vgl. Kandis/