2006

Mannheimer Schule

»Popakademie« kommt noch vor »Bandwettbewerb«: Es lässt sich fast ausschließen, dass dadurch gute Musik entsteht. Das Tausendstel, das diese Annahme widerlegt, geht vielleicht gerade noch so als Geschmacksfrage durch. Einzige mir bekannte Ausnahme: beigeGT, die bei einem Bandwettbewerb einen Plattenvertrag beim Hamburger Label L’Age D’Or gewonnen haben. Kommt vielleicht auch immer drauf an, wer hinter diesem Firlefanz steckt. Als ich das erste Mal von der Popakademie Baden-Württemberg erfuhr, musste ich automatisch an Heinz Rudolf Kunze denken, dem Original. Keine Ahnung, warum. Mit so vielen Vorurteilen ausgestattet lässt es sich gut ins Kino gehen, in »Mannheimer Schule«, eine Langzeitstudie über Pop als Konstruktion. Oder: Über die Menschen, die sich dieser Institution anschließen. TIPP! Hingucken. Mitreden.

»Frankfurter Positionen« präsentiert: MANNHEIMER SCHULE – Regie: Frank Beidert und Nina Werth – Deutschland 2005 – 90 Min. – Mittwoch, 11.01.06 um 20.00 Uhr – Dienstag, 17.01.06 um 18.00 Uhr – Deutsches Filmmuseum – Frankfurt
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Straßengespräche

Gestern, vor der Metzgerei, mit folgender Annahme konfrontiert worden: »Frankfurt ist zwar groß genug für die ewig neue Erzeugung subkultureller Milieus, allerdings ist die Stadt zu klein, um ihre Existenz zu ertragen«.

Choo Choo

Die 100%-igkeit, mit der sich der Erfolg der Arctic Monkeys vorhersagen lässt, ist verblüffend. Wenn sich selbst Typen wie ich wie 17-jährige benehmen, muss irgendwas schwer in Ordnung sein. Und in der Tat: »Choo Choo« oder das kongeniale »Wavin‘ Bye To The Train or The Bus« – vom »From the Ritz To The Rubble» mal ganz abgesehen — haben den Druck einer Äquatorwolke. Ich weiß ja nicht, was da draußen abgeht, fände es aber schwer in Ordnung, wenn da jetzt irgendjemand austickern würde auf die Musik der Arctic Monkeys. Hier drin ist jedenfalls der Teufel los. In den letzten fünf Wochen bescherten die vier Boys aus Sheffield dieser Seite Besucherrekorde. Kein Wunder, lag doch unser kleiner Aufschrei ausnahmsweise weit vor der Massenhysterie, die eine Titelstory, etwa im NME, auszulösen vermag. Die Geschichte der Arctic Monkeys ist auch die Geschichte des wieder erstarkten Webs mit seiner Gründerzeit-Renaissance. Vier Demotracks, die über ihre Homepage kostenlos zu beziehen waren, vermochten eine Popularität zu erzielen, von der andere Bands nur träumen. Einen Plattenvertrag gab es damals noch keinen, 2005. Die Community selbst schuf ihr nächstes großes Ding (eine freudige Entwicklung, die allenfalls von Clap Your Hands Say Yeah übertroffen wurde, die aus ihrem Appartement heraus und ohne Plattenvertrag 12.000 Alben verkauft haben). Die erste offizielle Single der Arctic Monkeys »I Bet You Look Good On The Dancefloor« schoss letzten Oktober ungefragt auf Platz 1 der UK-Charts. Und auf ihrer ersten Deutschland-Tour im November 2005 konnten alle bereits mitsingen, obwohl es die Songs bislang auf keiner Platte gibt. Das Netz ist Indie, keine Frage.

»Rockt schon um 5.32 Uhr an der S-Bahn F-Berkersheim«

Sendung vom 08.12.2005 – Radio X
01. Arctic Monkeys — Choo Choo (MP3)
02. Arctic Monkeys — From the Ritz to the rubble (MP3)
03. The Most Serene Republic — Proposition 61 (Arts & Crafts)
04. Ninja High School — Jam Band Death Cult (Tomlab)
05. dEUS — Stop-Start Nature (V2)
06. Au Revoir Simone — And sleep al mar (Moshi Moshi / V2)
07. Au Revoir Simone — Back in time (Moshi Moshi / V2)
08. Boards of Canada — Chromakey Dreamcoat (Warp)
09. Boards of Canada — Dayvan Cowboy (Warp)
10. Architecture In Helsinki — Nevereverdid (V2 / Rough Trade)
11. Architecture In Helsinki — Maybe you can owe me (V2 / Rough Trade)