Diedrich Diederichsen
Für die Schreibtischschublade produzierte Songs gibt es zuhauf. »Diedrich Diederichsen« von Saalschutz ist so einer. Man bedenke: 12″-DJ-Format in Vinyl, begrenzte Auflage, B-Seiten-Release, zudem handelt es sich um eine Split-EP mit DJ Patex & Knarf Rellöm (die auch den Hit beisteuerten) usf. Den Song über unseren Meister-Popanten wird also gewiss niemals jemand zu Gehör bekommen. Darin ein Malheur zu sehen, trifft die Sache nicht ganz, da Musik und Gesang tendenziell behindern. Ganz weit hinten, praktisch an der Wahrnehmungsgrenze, da zirpt allerdings etwas, das hängen bleibt.
Diedrich Diederichsen – wir lieben dich – aber deine Bücher – verstehen wir nicht – Sie sind so introvertiert und originell – wir kaufen sie und stellen sie ins Büchergestell – du verstehst so viel – und du bist so klug – du bist sogar klüger als Manfred Krug – ich lese deine Bücher – doch ich verstehe kein Wort – deshalb kaufe ich deine Bücher – und werfe deine Bücher fort


»Sie herzte sanft ihr Spielzeug – Bevor sie es zerbrach – Und hatte eine Sehnsucht – Und wußte nicht wonach – Weil sie einsam war – Und so blond ihr Haar – Und ihr Mund so rot wie Wein – Und wer von diesem Wein trank – Konnt‘ nie mehr glücklich sein […].« 1953 wurden diese Zeilen geschrieben. Mit anderen zusammen wurden sie zu einem Lied, das über viele Jahrzehnte hinweg seinen festen Platz in der Musikgeschichte einnehmen sollte, wenn beispielsweise Nico (»Camera Obscura«, 1995) ihm ihre Stimme gab. Ursprünglich stammt »das Lied vom einsamen Mädchen« aus der Feder des Komponisten-Texter-Gespanns Werner Richard Heymann und Robert Gilbert. Marlene Dietrich hat dem Lied erstmals eine Stimme verliehen. Danach folgten in schöner Regelmäßigkeit weitere Versuche, die Stimmung des Textes zu vertonen.