Speedealer – Here come’s death (Palm Pictures)
Zugegeben: Weihnachten und Ostern sind bei mir Einerlei. Beide Feierlichkeiten verbringe ich in der Regel mit der Suche nach irgend etwas Brauchbarem. Daher unterscheiden sich diese Tage auch nicht von meinen übrigen 363 im Jahr. Um die wenigen Geschenke zu orten, die sich im Dickicht meiner verwelkten Behausung versteckt halten könnten, ziehe ich immer meinen Dober zu rate. Zieht man meine etwas unflätige Lebensumgebung näher in Betracht, wird schnell klar, dass Schmutz und Müll der bourgeoisen Betrachtungsweise von Hygiene einen dicken Haken schlagen.
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WINDSOR FOR THE DERBY haben sich 1994 in Austin, Texas gegründet und veröffentlichen mit »The Emotional Rescue LP« ihren vierten Longplayer, ihren ersten für das kleine aber feine Chicagoer Label Aesthetics. WFTD bestehen im Grunde aus den beiden Gitarristen u. Songschreibern Dan Matz u. Jason McNeely und haben was die Aufmerksamkeit der Musikhörermassen angeht bisher wenig Glück gehabt. Ihre Veröffentlichungen waren und sind bei uns nur als US-Import zu bekommen u. die meisten davon mit erheblichen Schwierigkeiten. Jetzt dank Aesthetics u. dem rührigen Münchner Hausmusik-Vertrieb dürften diese Probleme beseitigt sein.
Schellack, Gummilack, harzige Abscheidungen ost- und hinterindischer Schildläuse auf den Zweigen verschiedener Bäume wird für die Herstellung von Lacken verwendet. Die Tonkonserve namens Schallplatte stellte eines der schönsten Verwertungsprodukte des Schellacks dar, ehe es von einem Kunststoff namens Vinylid abgelöst wurde. Einige Spinner, sagt man, greifen noch heute gerne zum altbewährten Rund. Immerhin behauptet sich die Schallplatte mit einem tollen Marktanteil von 0,1%. In Zahlen bedeutet das in etwa 600.00 verkaufte LP’s im Jahr
Eine gut abgehangene Rockplatte überschreitet in der Regel eine Laufzeit von 35 Minuten nicht, die Liedlänge bemißt 2:50, sie besteht aus Einfach-Vinyl und während des Abspielens befällt den Erlebnisrezipienten eine innere Unruhe, die ruhig auch mal in kleinere Gewaltausbrüche ausufern kann, ohne das man dabei das Lächeln im Gesicht verliert. Le Tigre aus New York und Chicago haben mit ihrem gleichnamigen Erstling ein solches Standardwerk hingelegt. Sie sind das Recyclingprodukt einer bereits verflossenen Frauenband namens Bikini Kill, und die Rede ist hier nicht von anrüchiger Wiederaufarbeitung, sondern vom guten, für uns Erdlinge viel verträglicheren Alternativen, dem Kompost und seiner Verwertbarkeit.
The globe’s gonna change – die Welt steht Kopf. Der gesellschaftlich-ökonomische Umbruch, in dem wir uns gerade befinden, begreifen die einen als große Chance, andere hingegen bekommen schnell ein nasses Höschen und befürchten den Verlust von Tradition und Werten. Ein Allheilmittel für unsere Zukunftsvorsorge ist die gängig gewordene Fusion, auch gerne Übernahme oder gar feindliche Übernahme genannt (allen Begriffen gemein ist der Umstand, daß es sich meist um ein aggressives und hetzerisches Vokabular handelt). Jüngster Coup war die Traumhochzeit der beiden Geldkonzerne Deutsche Bank und Dresdner Bank. Auch in diesem Fall sind die Meinungen sehr gespalten. In erster Linie sind es die Aktionäre und Großanleger, die sich freuen, da sie aus dem Zusammenschluß das größte Kapital ziehen können. Der kleine Bruder, das Volk, wird sich, ob er nun Kunde ist oder den Kunden bedient, zunächst einmal seiner Unwichtigkeit im Geldsystem bewußt. Darüber hinaus steht bei Fusionen dieser Art zu befürchten, daß sie zum großen Jobfresser eskalieren. Widerstand seitens der Nadelstreifen ist nicht zu erwarten!