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Freundapfel

Als im April dieses Jahres das Album »Verbotene Früchte« der Band Blumfeld veröffentlicht wurde, war der Aufschrei des deutschen Feuilletons groß. Von »Schluss, aus, es geht nicht mehr« war da die Rede und von einer »Biedermeier-Idylle«. Die Musikpresse hingegen überschlug sich vor Freude und lobte die norddeutschen Naturburschen in höchsten Tönen. Da fand man ihn noch, den blinden Gehorsam gegenüber der einflussreichsten Band, die dieses Land jemals hervorgebracht hat. Echter Diskurs eben in einem echt komplexen Treueverhältnis zwischen Band und Fan. Die Machtdose war gespalten; und gefesselt von der distelmeyerschen Prosa, von Sprache und Musik und wie beides zusammengeht. »Der Genuss vom Klang beim Aufzählen von Apfelsorten etwa«, wie Roland seinerzeit passend festhielt. »Verbotene Früchte« ist manchmal sehr gut und manchmal nicht so gut — und genau da ist das Album einzuordnen, mittendrin im Mittelmaß, im oberen Mittelmaß vielleicht. Haben Blumfeld eben schon besser gemacht. Eins ist jedenfalls klar: Das Lied »Der Apfelmann« hinterließ landauf, landab bleibenden Eindruck. Das Aufzählen von Apfelsorten ging manchen Fans entschieden zu weit – »’Er ist der Apfelmann, Baby!‘ geht nicht, kann man so nicht singen« -, fand aber auch großen Anklang. Bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass der Apfel eigentlich ein äußerst populäres Kerlchen ist, berühmt und vielbesungen. Vor Blumfeld haben sich schon ganz andere am Apfel versucht, und nicht gerade die Schlechtesten, was folgende Playlist beweist:

Sendung vom 14.09.2006 – 19-20 Uhr – zu Gast: Charlotte Brombach – Radio X – zum Livestream
01. Blumfeld – Der Apfelmann (Sony/BMG)
02. Huss – Du kauftest Äpfel (Trikont)
03. Beat Happening — I dig you (K Records)
04. Adam Green – Apples, I’m home (Rough Trade)
05. Wolfmother – Apple tree (Universal)
06. The White Stripes — Apple blossom (XL Recordings)
07. Adolph Hofner — I’ll be with you in apple blossom time (Trikont)
08. Cat Power — Red apples (Matador)
09. Loose Fur – Chinese apple (Drag City)
10. The Arcade Fire – My heart is an apple (Rough Trade)
11. Tcharlz — Mon t-shirt vert pomme
12. Francoise Hardy — Seule comme une pomme (EMI)
13. Erykah Badu — Apple tree (Universal)
14. Ideal Free Distribution – Apples & Oranges (MySpace)

V.A. – »Happy Lotto«

So, der vor langer, langer Zeit gefasste Plan, eine Compilation zusammenzustellen, auf der Bands zu finden sind, die aus dem Rhein-Main-Gebiet stammen, wird endlich, endlich Wirklichkeit. Irre, wie lange das immer dauert, die Recherche, Texte schreiben, den Bands nachstellen, Cover gestalten usw. Nun aber kann ich behaupten, dass »Happy Lotto« richtig fein geworden ist. 18 Songs sind drauf, von 18 Bands, die vielleicht maximal 50 Kilometer voneinander entfernt aus Südhessen und in geringen Mengen aus Rheinland Pfalz stammen, die manchmal mehr und manchmal weniger miteinander verbindet, immer aber die Musik und nun dieser Sampler.
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Amos gegen den Rest der Welt

Amos Gut möglich, dass ein Großteil der Bevölkerung gegenwärtig überhaupt nicht mitbekommt, wer Amos ist. Seine Single und sein Album könnten geradeheraus an uns vorbeiziehen, ohne groß Eindruck zu schinden. So ganz verstehen würde ich das nicht; »Party People« (Sounds of Subterrania), seine aktuelle Single, erweist sich nach mehrmaligem Hören als erstklassiger Song, der sich im spätabendlichen Zenit eines DJ-Sets vor nichts zu verstecken braucht. Der aus Persien stammende und in München lebende Musiker ist vielleicht eine Nummer zu schräg und ein klein bisschen zu undeutsch, um in hiesigen Arenen richtig fett zu punkten. Aber ich sag‘ euch, der Typ hat was. Fünf lange Jahre hat er der Legende nach an seinem Album »I can’t stop my feet« gearbeitet, sich nebenher als Designer und Regisseur von Musikvideos (u.a. »Wir sind bereit« von Christian Kreuz) verdingt und vor zwei Jahren mustergültig einen Majordeal abgeschlagen – der Künstlerehre wegen: »I don’t care about fame and money, especially not for any price. I want to prove that popular music can also be authentic. That’s why I can’t accept compromise«. Warum auch sollte der Mann Kompromisse eingehen? Würde er jedem seiner 250 Cousins ein Album verkaufen, wäre doch eigentlich alles in Butter (sein Großvater Nostallah Sufi-Siavach hatte angeblich 81 Frauen und 57 Kinder), wenigstens aber für die nächsten zwei Jahre. (Amos at MySpace)

Jan Gazarra Auf familiäre Rückendeckung dieser Größenordnung kann Jan Gazarra unter Garantie nicht bauen. Er kommt aus Deutschland und lebt in einem Tiefdruckgebiet, dicke Wolkendecke und so, allgemeine Niedergeschlagenheit, darüber ein wenig Sonnenlicht, das an die schönen Dinge des Lebens gemahnt. Der Titel seines zweiten Albums vermittelt eine vage Idee davon, mit welchen Dingen sich Gazarra wohl gerade herumschlägt: »Love Rules« (Sunday Service) ist eine Platte, die die Liebe feiert. Wie, ist Gazarra gleich, in Bezug auf die Produktionsmittel zumindest. Songschreiber ist er sowieso, einer mit Gitarre in der Hand, dahinter warten leichte Beats und ein dienstbarer Elektronikpark, hier ein wenig Club und Nacht, da Smog’sche Brüchigkeit bei Prince’schem Pathos. An manchen Stellen schimmern spektrale Lichterscheinungen durch. Hangout. Die zehn Songs auf »Love Rules« laufen über eine Länge von 41 Minuten unter aufregend unaufgeregtem Kunterbuntismus. Auch wenn es oft düster zugeht und die Schwermut obsiegt; Angst haben muss man hier vor nichts. Schon gar nicht vor der Liebe. (Jan Gazarra at MySpace)

Sendung vom 17.08.06 – Radio X – zum Livestream
01. Shitdisco — Disco Blood [Errors Remix] (Fierce Pan) [MySpace]
02. Shitdisco — I know Kung Fu (Fierce Pan) [MySpace]
03. New Young Pony Club — Get Lucky (Tirk) [MySpace]
04. New Young Pony Club — Ice Cream (Tirk) [MySpace]
05. Amos — Party People (Sounds of Subterrania)
06. Jan Gazarra — Now (Sunday Service)
07. Jan Gazarra — Country Roads (Sunday Service)
08. Joanna Newsom — Bridges & Baloons (Drag City)
09. Micah P Hinson — Yard of blonde girls [V.A. Folk Off] (Sunday Best)
10. Acid Casuals — Bowl me over [V.A. Folk Off] (Sunday Best)
11. Au Revoir Simone — Through the backyards [V.A. Folk Off] (Sunday Best)

Greatest Hits

Dandi Wind Der Trend hält an, sich nicht mehr ausschließlich von der heimischen Presse, den eigenen Freunden und der Musikindustrie beeinflussen zu lassen. Die neuen Kanäle bleiben heiß. Stichwort: Weblogs und MySpace. Die Zahl guter Weblogs und MP3-Blogs steigt derzeit analog zu meiner Neugierde darauf. Zu meinen absoluten Lieblingen hat sich 20 Jazz Funk Greats aus Brighton gemausert, ein MP3-Blog, das seit August 2004 von drei Kumpels mit viel Inhalt gefüttert wird und längst kein Geheimtipp mehr ist. Trotzdem soll diese Empfehlung ein wenig Orientierung verschaffen; ihre formidable Linkliste öffnet schließlich das Tor zu einer anderen Welt. Die Macher selbst schreiben über Bands und Musik, die ich nicht kenne. Punkt. Das macht die Sache auch so spannend. Dandi Wind trifft man da beispielsweise, die mit ihrem Song »Umbilical Noose« (Video) angemessen durchgeknallt auf die Welt da draußen reagieren. Das Trio aus Vancouver ist heißer Scheiß, muss man einfach mal so sagen.

CSS Ebenfalls dort entdeckt habe ich den Song Let’s Make Love and Listen to Death From Above von der brasilianischen Band CSS. Fünf Frauen, ein Mann, alle aus Sà£o Paulo. Bei aktuell 214,539 Views ihres gleichnamigen Videos auf YouTube kann man davon ausgehen, dass sich das neue Sub-Pop-Signing bereits herumgesprochen hat (Der Status »Newcomer des Monats« im Musikexpress wird sein Übriges dazu beigetragen haben). Bei CSS greift einmal mehr, wovon gegenwärtig jeder Promoter träumt: Die Single, ohne jede Frage ein Hit, wurde als kostenloser Download ins Netz gestellt und umkreist derzeit munter den Erdball. Ich weiß nur nicht genau, wie er sich anfühlen soll, der Sex zu »Death From Above«. Der Liebesakt zu Sunset Rubdowns »Shut Up I Am Dreaming of Places Where Lovers Have Wings« hinterlässt jedenfalls keine Knutschflecken, so viel ist klar. Einem langen Vorspiel folgt der Höhepunkt. Und was für einer! Ein Hit, wie er mir jüngst versprochen wurde. Wenigstens genauso brillant wie Peter Bjorn And Johns »Young Folks« (My Space), nur nicht ganz so gut gelaunt.

Kash Point Zurück zu 20 Jazz Funk Greats. Dort habe ich auch das erste Mal von Bishi gehört, einer 22-jährigen Musikerin bengalischer Abstammung, die Sheffield verließ, um in London die Sau rauszulassen und mittlerweile Sitar unter Gaurav Mazumdar studiert. Außerdem ist sie DJ im legendären Underground Nightclub Kash Point. Sehr eigen, ihre Musik wie ihr Leben. Das kann man auch von Süperdisco behaupten. Hinter diesem Namen verbergen sich Saam Schlamminger (Chronomad) und Klaus Scheuermann. Gemeinsam ging man der Frage nach: Wie klänge Popmusik, die ihre Wurzeln im Iran hat und die sich westliche Sounds und Techniken ganz selbstverständlich aneignet? Die Antwort lautet: SÜPERDISCO!

Sendung vom 10.08.2006 – Radio X – zum Livestream
01. Peter Bjorn And John — Young Folks (Wichita Recordings/V2)
02. Sunset Rubdown – Shut up I am dreaming… (Absolutely Kosher)
03. The Year Of — Stephen Hawking (Morr Music)
04. Bishi — Magus (Brainlove Records)
05. Süperdisco — Süper Disco (Warner)
06. Dandi Wind – Umbilical Noose (Bongobeat Records)
07. CSS – Let’s make love and listen to Death From Above (Sub Pop)
08. The Rapture — Get myself into it (Vertigo/Mercury)
09. Wild Man Fischer – It’s a money world (Rhino)
10. I’m Not A Gun — Move (City Centre Offices)
11. Cassettes Won’t Listen – Cutting Balloons [Roger O’Donnell Remix] (World’s Fair)

X-Stream

In meiner letzten Sendung für Radio X ging natürlich auch nicht besonders viel. Nahezu unkommentiert rollten hier 15 großartige Songs über den Äther, die in den letzten Wochen besonders zu gefallen wussten, im Flow korrekt und in ihrer Herrlichkeit ausnahmslos repeattauglich. Crossover allenthalben. Von Sonic Youth zu Bonobo ist es schließlich ein weiter Weg, bisweilen nicht jedermanns Sache. Wer trotzdem daran glaubt und bisher auf Radio X verzichten musste, hat neuerdings die Möglichkeit, auf unseren Live-Stream zurückzugreifen. Mit 64 KBit/s klingt der Stream zwar noch ein wenig nach nichts, Gerüchten zufolge soll sich daran aber etwas ändern (ein OGG-Stream ist in Arbeit). Für den bequemen Einstieg empfehle ich folgende Sendungen in loser Reihenfolge:

»Der Himmel geht weiter« (freitags zwischen 19 — 21 Uhr)
»Familie Fasto’s Welt« (samstags zwischen 20 — 21 Uhr)
»Soulpatrol Radioshow« (donnerstags zwischen 20 — 22 Uhr)
»Öder Abend« (montags zwischen 22 — 23 Uhr)
»X-Fade – die DJ Night« (täglich zwischen 23 — 2 Uhr)
»Gilles Peterson Worldwide« (freitags zwischen 10 — 12 Uhr)
»Arosair2000« (sa. zwischen 12 — 14 Uhr und fr. zwischen 21 — 23 Uhr)
»Superstar Rotation« (sonntags zwischen 19 – 21 Uhr)
»Elektropensturm« (donnerstags zwischen 22 – 23 Uhr)
»Ruffm 101,4 fm« (samstags zwischen 19 – 21 Uhr)
»X wie raus« (täglich zwischen 18 — 19 Uhr)

Nicht wenig, ich weiß, aber so ist das nun mal mit einem der besten Sender der Welt. Die komplette Programmübersicht gibt es übrigens hier. Und jetzt ihr!

Sendung vom 27.07.2006 – Radio X
1. Sonic Youth — Reena (Universal)
2. Metric — Succexy (Unter Schafen Records)
3. About — Strike you as the enemy (free MP3)
4. Think About Life — Bastian and the boar (alien8recordings)
5. Be Your Own Pet — Bunk trunk skunk (XL/Beggars Group)
6. Oh No! Oh My! — Walk in the park (free MP3)
7. The Whitest Boy Alive — Dead End (go to My Space)
8. Hot Chip — Boy from school (EMI)
9. International Pony — Gothic girl (Sony)
10. Songs of Joy feat. Capleton — Songs of Joy (Burning Heart Records)
11. Lily Allen — Smile (EMI/Regal)
12. Gnarls Barkley — Basically (Warner)
13. Bonobo feat. Bajka — Nightlite (Ninja Tune)
14. Nouvelle Vague — Dance with me (Pias/Peacefrog)
15. Festland — An meinem Fenster wachsen Blumen (ZickZack/apparent extent)

Stimmung

Wenig Zeit gehabt. Schnell die Plattentasche gepackt und ein paar Songs auf die Reise geschickt, die mir in den letzten Wochen ins Netz gegangen sind. Erstklassiges wie die korrekte 8bit-Nintendo-Synthesizer-Interpretation des Rocky-III-Klassikers Eye of the tiger, daneben Pat Boones pathosgetränktes Big-Band-Brett Smoke on the water und das nicht minder geniale Black Betty von Tom Jones. Die rauschhafte Feierstimmung, die dieses Land derzeit ergriffen hat, fand in dem Stück Deutschland Uber Disco ihre besondere musikalische Entsprechung. Und Calexicos Love will tear us apart ist eine richtig gute Coverversion — auch im Radio. In dieser Sendung war Schmackes drin, ich sag’s euch.

Sendung vom 08.06.06 – Radio X
01. Kalocin – Survivor – Eye of the Tiger
02. George Kranz — Din daa da
03. Funktionaries – Deutschland Uber Disco
04. Unknown Cambodian Artist
05. Yma Sumac — Chicken Talk
06. Calexico – Love Will Tear Us Apart
07. Pat Boone – Smoke on the Water
08. Tom Jones – Black Betty
09. Central High School Cafeteria Band – Rhapsody for knives…
10. Bonde Do Role – Melo Do Tabaco (A-Trak Remix)
11. Brian Eno – Kurt’s Rejoinder

V.A. – Jellyfish

In den letzten Wochen hat sich mein Hörverhalten grundlegend verändert, sagen wir, wurde bereichert durch etwas, dass seit einigen Monaten schwer die Runde macht: Ich habe die MP3-Blogs für mich entdeckt und über sie viele Bands, von denen ich zuvor noch nie etwas gehört habe. MP3-Blogs basieren auf dem Prinzip, freie MP3s, die im Netz umhergeistern, zu sammeln und darüber gegebenenfalls etwas zu schreiben (eine Liste solcher MP3-Blogs findet sich bei uns unter Links). Für Bands besteht darin die Chance, auf sich aufmerksam zu machen, und für uns, die Besucher dieser Seiten, gibt es wiederum die Möglichkeit, Bands kennen zu lernen, die auf kein besonders großes Presseecho gestoßen sind, die vielleicht nicht einmal einen Vertrieb haben, also praktisch gar nicht existieren. So sind in den letzten Wochen etliche Bands in einem Ordner gelandet, den ich irgendwann Jellyfish nannte. In ihm finden sich 13 Songs, die allesamt großartig sind, alles freie MP3s, von den Bands ins Netz gestellt. Es empfiehlt sich, die Songs am Stück herunter zu laden und in der richtigen Reihenfolge zu hören, da ich bei der Zusammenstellung an einer gewissen Dramaturgie gearbeitet habe. Wer die Songs einzeln hören möchte, liest jetzt einfach weiter. Außerdem habe ich einen Direktlink auf die entsprechende Bandseite gesetzt. Ach ja, wer wissen möchte, um welche Musikrichtung es sich bei diesem Mix handelt: 100% Indierock. Kam so. [PDF-COVER DOWNLOAD]
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