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Hinter diesem Türchen geht’s ab

Heute ist Donnerstag. Heute ist Advent. Tür 6. Dahinter: Nikolaus von Myra. Da hagelt es schon mal lecker, lecker MP3s als kleine Gefälligkeit. Auch ich bin der Beschenkte, der die FreeMP3-Links in aller Bescheidenheit durchreicht, in der Hoffnung, damit Gutes getan zu haben – für die Musik und für den Heiligen Advent. Die Tendenz zur Vermischung von Werbung und Inhalt bleibt, das steht fest. Denn den Labels (besonders hierzulande) wird langsam klar, dass die Blogosphäre beim musikalischen Meinungsbildungsprozess einbezogen werden muss (ich behaupte: Den meisten Blogs ist das egal), und zu ihrer Grundausstattung gehört nun mal das kostenlose MP3. Wohin die Reise gehen könnte, zeigt diese Seite, ein Bündnis der Labels Kompakt, Warp, Dim Mak, Ghostly International u.a. Erst mal registiert, werden die Köstlichkeiten nicht nur in der Adventszeit zum Dauerzustand und illegal wird scheißegal.

Genug der Worte, wo bleibt die Musik? Okay. Die Chromatics verschenken auf ihrer MySpace-Seite nicht nur ihre Version von »I’m on fire«. Die Songs »Int the city«, »I want your love« und das »Dark Day«-Demo gibt’s gratis dazu. Es wird langsam Zeit, in die Langsamkeit der Chromatics einzutauchen, gerade in diesen Zeiten. Magische Musik. Wird die Energiekosten spürbar senken. (siehe auch Italians Do It Better)

Die Yeasayer (der Welt schlimmster Bandname. Ihr Erfolg könnte daran scheitern!) verschenken ihre beiden Songs »2080« und »Sunrises«. Zu haben auf ihrer Website. Die Yeasayer, das ist Brooklyn, wie man es in den vergangenen Jahren häufig zu hören bekommen hat. Aufwändige Arrangements mit kunstvollem Beigeschmack. Frisch wie das eigene Gartengemüse. Ihr aktuelles Album »All hour cymbals« sollte auf jeden Fall unter Beobachtung stehen. Und Phil Collins als Einfluss zu nennen muss man ihnen verzeihen. So lange im gleichen Atemzug Namen wie Prince und Leonard Cohen fallen, ist die Welt in Ordnung. (Vielleicht ist die Musik des ehemaligen Genesis-Drummers doch nicht so verkehrt wie ihr Ruf – man denke nur an »Against All Odds« von Postal Service.)

Ein weiteres MP3 stammt von Produzentenlegende und ~scape-Gründer Pole alias Stefan Betke. Seine Steingarten-Remixe wurden kürzlich veröffentlicht und der darauf enthaltene Achterbahn-Remix von Frivolous ist auf der Startseite des Labels zu finden. Dort wird man dann auch über ein Re-Release von Burnt Friedman & The Nu Dub Players fallen, aber das ist ein anderes Thema.

Ein Letztes habe ich noch, danach ist Schluss. Beiruts A Sunday Smile vom aktuellen Album »A Flying Club Cup«. Beeindruckender Zweitling, den Zach Condon da hingelegt hat. Über Einzelheiten wird noch zu reden sein, demnächst, wenn es hier am 15.12.2007 heißt: Jahresbilanz 2007.

Sendung vom 22.11.07 · 19 – 20 Uhr · Radio X · zum Livestream
01. Shawn Lee’s Ping Pong Orchestra – Get UR Freak on (Ubiquity)
02. Beirut – Un dernier verre [pour la route] (4AD/Beggars)
03. Yeasayer – 2080 (We Are Free)
04. Yeasayer – Sunrises (We Are Free)
05. Chromatics – I’m on fire (Free MP3)
06. LCD Soundsystem – Us V Them [Any Colour You Like Remix by Windsurf]
07. Pole – Achterbahn [Frivolous Remix] (~scape)
08. Burial – Near dark (Hyperdub)
09. Tilly And The Wall – Sing songs along [Hot Chip Remix]
10. Jolly Goods – Girl move away from here (Louisville)
11. Beirut – Nantes (4AD/Beggars)

Augustmusik

O Gott, wir bewegen uns mit großen Schritten Richtung 2008 und ich hab’ hier zahlreiche noch unkommentierte Playlists rumfliegen, die für die Öffentlichkeit bestimmt waren und nie fertig gestellt wurden. Betrachten wir es als Anfang vom Ende 2007. Da waren die Chemical Brothers. Man kann von der neuen Chemical Brothers halten, was man will, einen Großteil der Songs hätten sich die Brüder in der Tat sparen können, »Battle Scars« jedoch, das ist stark, ein starkes Stück. Kickt bereits nach wenigen Sekunden. Fad Gadget-artiger Neo-New-Wave, britisch und dunkel wie eine Nacht im London Dungeon. Oder etwas deutlicher gesagt: »Battle Scars« bewahrt die Chemical Brothers vor der Bedeutungslosigkeit. (Chemical Brothers at MySpace)

Einige vermuten richtig, dass die ganz großen Alben nicht aus 2007 kommen. Oder am Ende vielleicht doch? Musik macht Pause. Große Hits hat es während der letzten elf Vollmonde mit seinen Drumherumphasen allerdings einige gegeben: »If you got the money«, »Let’s dance to Joy Divison«, »D.A.N.C.E.«, »Fledermaus can’t get it« und »North American Scum«, um nur einige zu nennen. Supermayer’s »The art of letting« könnte auch einer werden. Hinter dem großartigen Namen stecken Michael Mayer und Superpitcher, beides Kölnschule, beides Kompakt und beides alte Hasen mit neuer Mission: »Save the World«, so der Titel des Albums, das bereits im September veröffentlicht wurde. Das Album in ganzer Länge ist fabelhaft, wie sich später herausstellen sollte. Das »Konzeptalbum« ist mit »Save the World« endlich mal wieder positiv besetzt – die 63 Minuten dürfen zu Recht als runde Sache bezeichnet werden. Die grandiose YouTube-Compilation auf dieser Seite zeugt übrigens von dem großen Einfluss, den dieses Superduo in diesem Spätsommer auf mich hatte. Das Superhelden-Comic-Artwork stammt von Kat Menschik.

Kate Nash’s »Foundations«, seit einigen Monaten Londons Lieblingszeitvertreib im Pub deines Vertrauens, kommt jetzt endlich auch in Deutschland in die Läden. Bis September müsst ihr euch allerdings noch gedulden (ein wenig überholt, ich weiß). Nach dem fulminanten Sprung auf Platz 2 der UK-Charts ging es ebenso fulminant weiter: Für ihr Album »Made of Bricks« sprang sogar Platz 1 heraus. Da scheint mehr drin zu sein als ein One-Hit-Wonder – Nash wird derzeit allenfalls von Bat For Lashes flankiert und bestrichen. Beides Pflichtkäufe. (Kate Nash at MySpace)

Ein letztes Wort noch zu Caribou, unserem Lieblingsdoktor der Mathematik, der keinen Widerspruch darin sieht, sein Umfeld regelmäßig mit schönster Musik zu versorgen. Mit seinem Album »Andorra« hat der Vollblut-Workaholic aus London ein höchst beachtenswertes Album abgeliefert, das mit besten Kritiken gesegnet relativ schnell wieder von der Bildfläche verschwand, so die Eigenwahrnehmung. Sauerkrautige 60s-Psychedelik für das Jahr 2080. Reich, schön und über irdische Dinge erhaben. Wer »Melody Day« im Four-Tet-Remix gehört hat, weiß, wovon ich spreche. Zu gut zum Vergessen! (Caribou at MySpace)

Sendung vom 09.08.07 · 19 – 20 Uhr · Radio X · zum Livestream
01. Mark Ronson – Oh My God [feat. Lily Allen] (Sony/BMG)
02. Kate Nash – Foundations (Fiction Records/Polydor)
03. Architecture In Helsinki – Debbie (V2)
04. Architecture in Helsinki – Heart it Races (V2)
05. The Chemical Brothers – Battle scars feat. Willy Mason (EMI)
06. Supermayer – The Art of letting (Kompakt)
07. The Bellmer Dolls – Push Push (Dogprint Records)
08. Caribou – Sandy (City Slang)
09. Caribou – Melody Day [Four Tet Remix] (City Slang)
10. South Central – Revolution (Regal Recordings)

Robotrobotrobot

Drüben bei music for maniacs findet sich übrigens immer mal wieder was zum Thema »Roboter«. Gerade gestern über »Music for (and by) Robots« gestolpert, einer zweistündigen Reise durch irrwitzige Plattenarien. Ein Mixmisch aus 50s/’60s Space Age Records, Spoken-Word/Comedy, Film- & TV-Clips, Kinderschallplatten, Dictionaraoke, altem New-Wave, Sound-Effekten, ’70s Funk und anderen kurzlebigen Aufnahmen von Musikern wie beispielsweise Jean-Jacques Perrey, Bruce Haack und Frank Comstock. In diesem Blog bin ich einst auch auf den Song »Robots can’t Cry« vom Satanic Puppeteer Orchestra gestoßen, einem schönen Cure-Cover. Hinter dem Satanic Puppeteer Orchestra verstecken sich der verrückte Professor B. Miller und sein Roboterfreund SPO-20. Von der Musikindustrie genervt, beschloss der Forscher seinerzeit, einen Roboter zu entwickeln, der die Kompositionsarbeit übernehmen sollte. Fehlende Begabung und anhaltende Erfolglosigkeit zwangen später allerdings zum Umdenken: SPO-20 wurde Sänger und Frontman des Satanic Puppeteer Orchestras, der Professor hielt sich mehr im Hintergrund. Auch gut. (Satanic Puppeteer Orchestra MySpace)

Ganz ähnlich erging es Wolfgang, der in den frühen 80ern von einem amerikanischen Videospiele-Tycoon entwickelt wurde. Als Prototyp konzipiert, verfügt Wolfgang über die Natur der menschlichen Gefühle und Gedankengänge. Enzyklopädische Sachkenntnisse über die Populärmusik der 80er Jahre sind seinerzeit bewusst in die Programmierung eingeflossen. Auf deren Grundlage sollte Wolfgang nämlich Hits komponieren und seinem Erfinder Geld und Ruhm bescheren. Der Schuss ging nach hinten los. Songs wie »Rocketship Rangers« und »Galaxy Battalion« waren die Folge, mehr eine Form des Aufbegehrens gegen Macht und Unterdrückung denn Smashhit. Wolfgang landete auf dem Müll. Knapp 25 Jahre später wurde er in Brooklyn von politischen Aktivisten in einem alten Container entdeckt und liebevoll restauriert. Wolfgang bemerkte schnell, dass er sich in seinen Retter verliebt hatte. Dieses wunderbare Gefühl erlaubte ihm fortan, Musik zu komponieren, so, wie es seine Bestimmung einst vorsah. Nur leider wurde die Liebe des Humanoids nicht erwidert. Er wurde nachdenklich und traurig: »Wolfgang’s songs illustrate the experience of happiness and heartache, of the initial joy and eventual hopelessness that accompanies unrequited love.« So ist das mit den menschlichen Gefühlen. Ohne Katastrophe keine Apokalypse und kein Paradies. (Wolfgang at MySpace)

Pornophonique – Sad Robot!

Ein Meilenstein elektronischer Robotermusik ist ganz sicher Consoles »14 Zero Zero« aus dem Jahr 1998. Bis vor kurzem dachte ich, Gretschmann hat seine Stimme einfach nur durch einen Vocoder gejagt. Weit gefehlt. Dahinter steckt harte Entwicklungsarbeit. Der Gesang wurde vollständig gebaut, und zwar mit Hilfe eines Mac-Programms namens Simple-Text, mit dem man Silben in Notenwerte verwandeln kann. »Der Computer singt, wie cool«, soll Gretschmanns erste Äußerung gewesen sein. (Watch »14 Zero Zero« at YouTube)

Eine wichtige Platte, quasi ein Standardwerk der Roboterologie, stammt von Forrest J. Ackerman und Frank Coe: »Music For Robots« (Science Fiction Records, 1964). »This mindbending collection combines the all-knowing Ackerman.s out-of-this-world musings of robots in literature and cinema with the cosmic electronic musical wizardy of Coe.« Unbedingt studieren! Außerdem macht gerade eine Daft-Punk-Choreografie namens »Harder Bodies Faster Stronger« in YouTube City die Runde. Nicht richtig gut, aber bemüht. Der Höhepunkt liegt bei etwas mehr als zwei Minuten. Ganz ähnlich in seiner Ästhetik, aber eine Nasenspitze voraus ist »Lev and Thumpbot play Crazy«: »LEV the thereminbot and his newly-built pal thumpbot play Crazy with help from a 20-year-old MT32 synthesizer«. Nettes Spielzeug, diese Installation. In diesem Zusammenhang unbedingt noch mal einen Blick auf meinen Eintrag »Mensch – Maschine – Stars« werfen. Dank euch sind einige schöne Videos dazugekommen.

Sendung vom 27.09.07 – 19 – 20 Uhr – Radio X – zum Livestream
01. Kraftwerk – Die Roboter (Klingklang/EMI)
02. Console – 14 Zero Zero (Virgin)
03. Mr. Velcro Fastener – Real Robots don’t die (Statra Recordings)
04. I’m From Barcelona – We’re from Barcelona [Adventure Kid RMX]
05. Satanic Puppeteer Orchestra – Robots can’t cry (MP3)
06. Pornophonique – Sad Robot (pornophonique.de)
07. Wolfgang – Not in love [not true] (Hypnote Recording Concern)
08. Björk – All is full of love (Polygram)
09. Boy Robot – Invaders of vanity clubland (City Centre Offices)
10. The Giant Robots – Get away (Voodoo Rhythm)

Standbye-Titel
11. Justine Electra – Fancy Robots (City Slang)
12. Flaming Lips – Yoshimi Battles the Pink Robots pt. 1 (Warner)
13. Styx – Mr. Roboto (A&M)
14. Add (n) to X – Plug me in (Mute)
15. Tujiko Noriko – Robot Hero (Tomlab)

Noch mehr Roboter
Super Furry Animals – »Sex, War and Robots« · Wax Fang – »Sweet Bloody Murder« · Electric Six – »Don’t be afraid of the Robot« · Guided By Voices – »Tropical Robot« · Youth Group – »Catching and Killing« · The Broken Family Band – »Song against Robots« · Alexander Robotnick – »Love Robot« · Anthony Rother – »Destroy him my Robots« · The Sammies – »Angry Robots Revolt« · T.V. On The Radio – »Robots« · The Softlightes – »The Robots in my room were playing Arena Rock« · Minutemen – »Mr. Robot’s holy orders«

LCD Soundsystem + Chromeo

Und wieder mit sechswöchiger Verspätung an die Playlist gesetzt. Das steht wie eine Eins für Beständigkeit. Geht ja sowieso mehr darum, den ein oder anderen Song, das ein oder andere Album in Verbindung mit dem einen oder anderen Musiker in Worte zu kleiden. Wer hört schon die Machtdose auf Radio X? Den Anfang macht diesmal das Stück »All my friends« im John-Cale-Cover. Mit acht Minuten geschätzte sieben Mal so lang wie das Original von LCD Soundsystem und herausragend alttoll dank durchdringender Zeitlosstimme (in Wirklichkeit ist das Lied übrigens sieben Sekunden kürzer). Cale war bis 1968 Teil von Velvet Underground. Danach hat er vornehmlich als Solokünstler von sich reden gemacht, u.a. als Vertreter der Minimal Music. Mit »All my friends« hat LCDS-Macher James Murphy gleich zwei 7«s auf den Markt geworfen. Single #1 enthält neben dem Original die John-Cale-Version, Single #2 enthält eine von Erol Alkan produzierte Franz-Ferdinand-Fassung sowie ein LCD-Cover von Joy Division’s »No Love Lost« auf der Flipside (alle Songs sind übrigens auch auf CD zu haben). Warum die FF-Version in der Hörermeinung zahlreicher Internet-Foren den Vorzug erhält, ist mir ein Rätsel. John Cales hypnotisch-trippige Darbietung liegt für mich klar vorne. Und überhaupt. Was gibt es Schöneres als das Original? Richtig! Ein gutgemachter Coversong. Ende des Jahres wird dann wahrscheinlich wahr, was ich seit Februar vermute: Das LCD Soundsystem wird mit dem Album »Sound of Silver« zum bereits zweiten Mal meine Hitliste anführen und zum dritten Mal in die Top Ten rutschen (2003 hat sich die 12« »Loosing my Edge« ebenfalls in die Albumcharts gemogelt). Das hat zuvor noch niemand geschafft. Demnächst folgt vermutlich ein Preis für’s Lebenswerk, denn: Ich mag das Zeug!
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Justice – Cross

Indierock war gestern, dieser Tage bin ich auf Popmusik. Motto: »This is the summer of POP Experience«. Bestenfalls die Battles (MySpace) mit ihrem präzisen und bisweilen auditiven Verarbeitungsraster mögen da an Gitarre erinnern. File under Helium-Mathrock. Eine gepitchte Mickey-Maus-Stimme trifft auf die Erbengemeinschaft der Mathrockmeister Shellack oder auch auf Helmet, der ehemaligen Band des Schlagzeugers John Stanier. Mit »Atlas« hat das Quartett sogar einen veritablen Hit, der die Gemüter in Euphorie versetzen dürfte. Bei einer Spielzeit von über sieben Minuten bleibt jedenfalls genug Zeit, den Kopf vom Hals zu nehmen. Soll das Gehirn jung halten! Warp hat mit diesem Signing mal wieder gezeigt, dass man ihnen das Besondere überlassen kann, den Welterneuerern, wenn gar -erfindern.

Die Battles sind klasse, die Helden der Stunde sind allerdings andere. Sie heißen Justice (MySpace) und kommen aus Paris. »Justice?« Wirst du demnächst die Frau beim Bäcker fragen können, und sie wird sagen: »Klar, die DJ- und Produzenten-Weirdos aus Frankreich«. Justice sind auf dem Sprung in die Weltspitze, werden demnächst von Versace und Mercedes gebucht, dürfen in Dubai auflegen und zukünftig DJ-Seminare geben. Kurzum: Die Welt hat zwei neue DJ-Stars. War ja auch mal an der Zeit. Das Hauptaugenmerk liegt dieser Tage jedoch auf dem anstehenden Album-Release und nicht etwa auf ihren berüchtigten DJ-Sets. »â€ « (»Cross«) wird demnächst das Land fluten, Keller unter Wasser setzen und das Technische Hilfswerk auf den Plan rufen. Wieder mal so ein Bouncer-Album, das Bäume verbiegt. Gaspard Augæ und Xavier de Rosnay sind Hüpfburgenbauer, die dir einen Tritt in den Arsch verpassen. Übergewicht gilt hier nicht, die Beats sind zwar fett, aber gut zu verdauen. »â€ « ist so französisch wie French House, lebt jedoch von den Produktionsmoden und -methoden der Gegenwart. Max Dax nennt ihren Stil in der aktuellen Spex »durchgeknallte Hooligan-Elektronika«, der Begriff »Neo-Daft-Punk« macht andernorts die Runde. Alles zittert, bratzt und bangt auf P.A.R.T.Y. wie ein Glockenhund auf Ecstasy. Bewegungslahm war gestern. Ihr werdet nicht umhin kommen, euch in nächster Zeit mit diesem Duett zu beschäftigen, es sei den, ihr lebt in einer anderen Welt, einer schlechteren.Weiterlesen »Justice – Cross

Von Südenfed – Tromatic Reflexxions

Konnte ja keiner mit rechnen, dass Mark. E. Smiths musikalischer Höhepunkt in dieses Jahrtausend fällt, er selbst wahrscheinlich am wenigsten. Nach »Country On The Click« (2003), »Fall Heads Roll« (2005), »Reformation Post TLC« (2007) und dem gerade erarbeiteten Geniestreich »Tromatic Reflexxions« gibt es beste Gründe, den Fall Fall neu zu behandeln. Alles tolle, gereifte Alben, die vor 31 Jahren, als sich die One-Man-Band in Manchester gründete, zwar nicht komplett anders geklungen hätten, aber doch eben anders. »Tromatic Reflexxions« ist aber nicht nur das Ergebnis eines brummigen Einzelgängers, der soziale Bindungen scheut, vielmehr hat sich Smith mit den Besten zusammengetan, die für sein Nebenprojekt Neuschöpfung in Frage kamen: Mouse On Mars, die wahrscheinlich auch den ersten Schritt machten. Das Ergebnis heißt Von Südenfed, in dem angeblich das UK-Hustenmittel Sudafed auf Jan St. Werners Heimat trifft, auf Süddeutschland nämlich. Guter Name. Großartiger Name sogar. Teamarbeit inbegriffen. Die aktuelle Single »Fledermaus can’t get it« besteht aus ordentlich Druck und Energie, ein Clubbouncer, der killermäßig brummt und wummert. Erinnert mich an das LCD Soundsystem, von dem Mark E. Smith offenbar nicht besonders angetan ist

»What a rip-off!“ he spits. „I’m very insulted. I went into my local shop a few weeks ago, where I go for groceries. There’s an Irish bloke in there, very nice, and he was playing this [„Losing My Edge“]. I said, ‚This sounds exactly like me,are you trying to take the piss?‘ At which point, the bloke’s getting a bit paranoid, because obivously he’s no idea who I am. He says, ‚It’s just a record I like, that’s all.‘ I mean, this bloke [James Murphy], I’ve met him, he doesn’t even talk like that, he’s New York, New Jersey, or whatever. Just a New York arsehole. And it’s the same rhythm as I was using with Mouse On Mars, the same one we laid down…« [Mark E. Smith. Wire, 05/07]

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LCD Soundsystem – Sound of Silver

Sieben Tage Bettruhe — das hilft, die gesellschaftliche Realität etwas besser einzuordnen. Viel Fernsehen und ein gesteigertes Interesse an den Randnotizen des bundesrepublikanischen Alltags, von der Frankfurter Rundschau verbreitet, vermittelten mir ein eigenartiges Bild deutscher Behaglichkeit. Fieber hatte ich keins, kann aber doch mit meiner Krankheit zusammenhängen, dass 50.000 Besucher anlässlich der Neueröffnung des Ikea-Marktes in Nieder-Eschbach einen spontanen Aufschrei der Empörung verursachten und meinen angeschlagenen Zustand direkt um weitere drei Tage verlängerten. »Die Stimmung war gut« hieß es in dem Artikel, es gab Begrüßungsgutscheine und – ich vermute mal — Hot Dog und Billys in ausreichender Menge. Eröffnungs-Einkaufspartys sind beliebt, keine Frage. Ähnlich überrascht war ich dann auch von der Tatsache, dass die 80.000 Karten für das Spiel Dortmund gegen Nürnberg bereits im Vorfeld vergriffen waren. Dortmund – Nürnberg! Was geht’n da, fragt man sich? Ich nenn‘ das mal Gleichgültigkeit in seiner reinsten Form, die da eine ganze Nation ergriffen hat. Alles Hallodris, wenn ihr mich fragt. Aber das ist ja nichts Neues. So viel zu den Zahlen der Woche. Just Jack ist kein Hallodri, der englische Tugendbold und Traum aller Schwiegermütter hat nämlich die bisher eingängigste Single des Jahres veröffentlicht, seltsamerweise weiß nur noch niemand etwas davon, zumindest lese und höre ich nichts von ihm. Ein Gradmesser für die Richtigkeit meiner Behauptung ist die Wirkung dieses Songs auf mein Gemüt, und das ist allzeit in bester Stimmung, wenn »Starz in their eyes« aus meinen Boxen tönt. Ob bei Just Jack mehr drin ist, kann ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Klassisches postdigitales »Single-only Phänomen«, bisher jedenfalls.
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