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Roland

Plattenjuni

platten aus dem juniSchon seit Mai zu haben ist die Compilation „Agenda 2010“ (L’Age D’Or) des Berliners Veranstalterduos Postfuck. Das gibt sich im Begleitheft manifest: seht mal, lauter geile Bands, alle haben was miteinander und wir sind das Jetzt! Zusammen hält die Auswahl der Elektrotröt, mit dicken Daumen am Bass und Spielzeughämmern auf die Tasten. Vorrangig Spaß am Spaß, gemeinsames Durchzechen, siehe Cover. Da finden sich dann so Kracher wie „Fake Boys“ von Robocop Kraus, der wohl jeden Tanzflur endgültig in Schwielen haut und sympathisch Albernes wie „Melancholie der Standorte“, d. h. mal Scooter sein, aber auf intelligent, oder fast. Insgesamt eine gelungene Selbstvergewisserung, die darüber hinaus taugt als Statement gegen alle da draußen. Endlich raus ist das Album „Louden Up Now“ (Warp) der !!! (sprich: Chk Chk Chk). Die hatten letztes Jahr schon mit „Me and Guiliano“ Dancepunkvoodoo allererster Kajüte geliefert. Strikt geradeaus geht es auch auf der Platte lang, dabei bleiben !!! aber erfreuliche Experimentiere. Es scheppert und kracht, auf Ryhthmus gebracht, dass die Boxen nur so vor Freude mitwuppen. Ich tippe mal, die werden in ziemlich vielen Jahrescharts ziemlich weit vorne liegen. Mit etwas Gewalt könnte man ja behaupten, der alte Zausel Jimi Tenor sei für das gerade laufende Elektrorockpunkdings nicht unverantwortlich. Obwohl der längst woanders ist, nämlich beim Soul. Zusammen mit Gattin und Sängerin Nicole Willis hat er jetzt deren neues Album „Be it“ (Sähko) produziert und geschrieben. Stellenweise hört man sogar noch das Gezutzel aus früheren Tagen raus, ist aber dann doch auf Wohlklang zurechtgerückt. Ganz und gar unnervig, auch, weil zum Beispiel größere Gesangsvirtuosereien ausbleiben. Wenn ich in einem Straßencafæ säße, die Sonne schiene mir aufs Haupt, und das liefe, ich wärs zufrieden.

Nordische Musik

Ich finde es zwar eher etwas, sagen wir mal: beliebig, wenn man Musik vor allem nach regionalen Herkünften zusammenfasst, trotzdem eine gute Rezensionsseite ist Nordische Musik, die sich den „Sounds aus Skandinavien und Nordpolarregionen“ widmet.

Musik mit Pfiff

Hat Gregor nicht letztes Jahr eine Sendung über Lieder, in denen gepfiffen wird, gemacht? Ich finds jedenfalls gerade nicht im Archiv. Egal, interessieren dürfte trotzdem der Online Guide to Whistling Records, der sämtliche jemals gepresste Pfeifstücke zu sammeln versucht, über 100 Mp3’s zum gleich Anhören sind mit dabei.

DJ Roboter

Ich weiss nicht, ob er am liebsten Kraftwerk auflegt, jedenfalls DJ I Robot ein Roboter, der Platten auflegt und mixt.

Plattenmai

„Wir werden leider das Gefühl nicht los, dass irgendwas nicht stimmt“ – beginnen die Sterne ihr neues, erstmals vollständig eigenproduziertes Album Das Weltall ist zu weit (V2). Diffusionen der Art sind es vielleicht, dass gerade wieder Musik erscheint, die sich ausdrücklicher politisch gibt. Den Sternen ist dabei eine äußerst geradlinige Platte gelungen, bei der sich allerdings ausgerechnet der gesungene Sitzstreik „Wir rühren uns nicht vom Fleck“ mit ca. 1000 Gästen als Bremser erweist. Als Allstarprojekt gefällt mir Das Bierbeben da schon eher, bei dem Mitglieder aus aller Herren Bands zusammenkamen. Die Stücke von No Future No Past (Shitkatapult) funktionieren mehr oder weniger alle nach dem selben Prinzip: über das immergleiche Amplitudenhüpf plus Gitarrenriff werden bewusst plakative Einfachstparolen („Schlag Deinen Fernseher kaputt“) mantraiisiert und der Tanzmeute eingebläut. Von Simpeln für Simpel. Wirkt. Gilt erst recht für die Mediengruppe Telekommander (Die Ganze Kraft einer Kultur (Mute)): Deren Texte sind teilweise sogar noch redundanter („Was was der Panzer!“), es finden sich aber auch solche, die so gedreht sind, dass sie sich ständig selbst einholen. Ist aber eigentlich auch egal, wenn Fettbässe und anderes Soundgebrätze einen zum Mitshouten zwingen. (Es darf vermutet werden, dass Konzerte der Mediengruppe konditionsschlauchende Tollereien sind.) Das kann ich mir – trotz aller Hymnen auf die Livefähigkeiten dieser Band – nun so gar nicht bei Stella vorstellen, deren Neuling Better Days Sounds Great“ (Lado) so vorausschaubar und langweilig geraten ist, dass ich auch die textliche Selbststilisierung als „Wir waren auch schon immer Freaks und anders“ nurmehr missgünstig aufnehmen kann.

Mix, Burn & R.I.P. zum Download

Janko Röttgers stellt jetzt sein Buch „Mix, Burn & R.I.P. Das Ende der Musikindustrie“ als PDF zur Verfügung, und zwar hier.

Über Filesharing, P2P und die Konsequenzen daraus berichtet er ja überdies schon geraume Zeit in seinem Weblog.

Madvillain – Madvillainy (Stones Throw)

Also, ich habe ja keine Ahnung von zeitgenössischem Hiphop, zeigt sich auch daran, wie ich auf diese Platte aufmerksam wurde, über das Cover nämlich. Einer mit Maske, dachte ich gleich, aha, gibts doch grad diesen Sido/MeinBlock-Typen, da ist das auch so, hat der wohl von da geklaut. Könnte stimmen:
Madvillain ist das gemeinsame Projekt von Madlib, des derzeit wohl prominentesten Hiphop-Produzenten und MF Doom, ganz früher mal MC bei KMD, nach Jahren aus der Versenkung seit ca. 2001 solo und nurmehr maskiert unterwegs.
Trotzdem ich aus eher musikfernen Gründen zu hören begann, erfüllt das Album meine gar nicht vorhandenen kühnsten Erwartungen. So stelle ich mir Hiphop vor, wenn er genial ist, nämlich: das große Verbraten und -kuppeln von allem.
Dauernd ändert sich was, nie kannst du wissen, was als nächstes kommt. Kaum einer der Tracks ist länger als 2 Minuten, geradezu Punkhaltung, kurze Skizzen, an denen mal kurz was durchgespielt wird, und genommen wird, was gerade rumliegt: irre Klavierläufe, TV-Commercials, Akkordeons. Zusammen hält das die ruhigrauchige Stimme des MF Doom, der auffällig assonanzlastig rappt, was den bruchstückhaften Eindruck eher noch unterstützt.
Kann man sich oft anhören, das Ding, und entdeckt wahrscheinlich immer wieder neues. Empfehlung, dringende.