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Roland

Machtdose Webradio No. 3

Sooo. Ich hab ein ein bisschen nachgedacht, wie man das Webradio / den Podcast sinnig fortsetzen könnte, herausgekommen ist:

Was ich mit der Sendung ab sofort versuche, ist, das Webradio und die Journey-through-netaudio-Zusammenstellungen miteinander zu verbinden: D. h. es wird ein Podcast über Netlabel-Veröffentlichungen sein. Künftig soll es ca. einmal im Monat einen Überblick mit den meiner Meinung nach besten Netlabel-Tracks aus den Wochen zuvor geben. Im Webradio schwatze ich noch jeweils was dazu und spiele nicht unbedingt jeden Titel in voller Länge aus.

Ich werde aber auch, wie bei den vorigen Zusammenstellungen, die Tracks mit den entsprechenden Soundfile-Links auflisten, dass man sie sich einzeln runterladen kann oder die Gesamtliste (ohne mein Radio-Gelaber und voll ausgespielt) per M3u-File als Stream anhören kann. (Hässliche Cover bleiben deshalb auch weiterhin).

Die jetzigen Sendung ist nochmals elend lang geworden, trotzdem ich einiges eben nur anspielte, nämlich etwas über eine Stunde und 15 Minuten. Sie umfasst schwerpunktmäßig ungefähr die letzten zwei Monate und noch einige ältere Tracks, die mir über den Weg liefen. Sollte ich es mit der monatlichen Sendung schaffen, dann hoffe ich, mich bei den folgenden Sendungen im Bereich von 6 bis 12 Stücken und also 20 – 45 Minuten bewegen zu können, was – glaube ich – podcastgemäßer ist.

Diesmal ging es in der Sendung unter anderem darum, wie ich selbst eigentlich beim Netlabel-Nachforschen vorgehe. Ich habe dafür (eher für mich, aber vielleicht auch für andere interessant) eine Seite mit kommentierten Links [Edit: im Moment noch in der Mache und nicht fertig] eingerichtet, die die für mich wichtigsten Ansteuerungspunkte / Bezugsquellen enthält. Auf der Seite fehlt allerdings ein Link, den ich im Podcast erwähne, und zwar der zum Artikel bei Phlow über Musicweblogs mit Netlabel-/Netaudio-Schwerpunkt.

Bleibt mir nur, jetzt die Titel aus der Sendung in der Reihenfolge ihres Auftretens anzugeben und darauf hinzuweisen, dass natürlich wie immer jegliche Kommentare zur Sendung, zu einzelnen Stücken, zur Auswahl der Titel, Tipps zu Weiterem oder was auch immer hochwillkommen sind:

Playlist:

  1. Skism (12rec.net) – GBS (1:56) mp3
  2. Gorowski (WM Recordings) – Spaced Rums (2:12) mp3
  3. Sensual Physics (Epsilonlab) – Cold Sweat (6:22) mp3
  4. Akan (Plex Records) – Narcolepsy (7:56) mp3
  5. Troupe (Backtrack) – This Is (4:00) mp3
  6. Thomas Mæry (Sundays in Spring) – Shaping Places (4:16) mp3
  7. D-Rockets (Mr. Furious Records) – Bottom of the Pool (3:58) mp3
  8. Audio Mjao (corpid) – Swimming in dirty water (2:32) mp3
  9. Psync (sublogic corporation / flow) – Breek (5:25) mp3
  10. Gigaboy (Comfort Stand) – Xu-Xu (3:00) mp3
  11. Megaheadphoneboy (OpenLab Records) – rush (3:01) mp3
  12. Dave Seagrim (Nishi) – Pulse (4:55) mp3
  13. Tammy + Gurtz (Filtro) – Roller (5:28) mp3
  14. Andrew Duke (Phoniq sowie Stratagem) – Carnival (6:36) mp3
  15. Mombus (Laridae) – Bad Weather (4:27) mp3
  16. Nelson (Free Sample Zone) – Pauvre Con (4:27) mp3
  17. Cryo & Checkpoint Charlie (Bevlar) – Resources (Patrick Fridh’s Frosty Fairlight Remix) (7:31) mp3
  18. Dumb Dan (Bevlar) – Ele (5:31) mp3
  19. esem (Kahvi Collective) – legho (send someone off to their dreams) (4:24) ogg
  20. Sr. Click (inoquo) – Spring (6:18) mp3
  21. Sumergido (Sinergy Networks) – Buenas Noches (2:33) mp3

Gesamtlänge: 1:36:47

Platten im November

Platten im NovemberZwei der wohl tollsten Kreativmeister grade haben sich also zusammengetan: Das alte Eisengesicht MF Doom, der (zusammen mit Madlib) im letzten Jahr das sich ständig selbst überbietende „Madvillainy“ rausbrachte und DJ Dangermouse, der ungefähr zeitgleich den Mashup-Bastard „Grey Album“ (Jay-Z meets the Beatles) ins Netz schickte und eine Riesenaufregung erzeugte, einmal wegen der daraus entstehenden Musikindustrie-Hysterien, nicht zuletzt aber auch, weil das Ergebnis tatsächlich aufregend frisch und neu klang.

Gute Voraussetzungen also. Oder schlechte. Weil man zuviel erwarten könnte von Danger Doom: The Mouse and The Mask (Warp / Rough Trade). Die Wahrheit liegt, mal wieder, dazwischen. Humor ist Trumph, eine Comicwelt-Zitiererei der albernen Sorte, die Produktion ist insgesamt straighter und slicker als bei sonstigen MF Doom-Produktionen, die ich kenne, wodurch es schön geradeaus und lässig vorwärts geht, gleichzeitig aber das einem nicht ganz so genialisch vorkommt. Trotzdem bisher für mich das beste Hihopalbum dieses Jahr.

Eher eine Enttäuschung hingegen ist das mit ziemlichen Bohey angekündigte Burt Bacharach-Album At This Time (Ariola / Sony BMG). Und die Vorabinformationen hatten da auch genügend Neugierde erzeugt: Das erste Studio-Album seit fast dreißig Jahren, und diesmal wolle Bacharach ein explizit politisches Album machen, erstmals eigene Texte schreiben und außerdem hat Dr. Dre ihm einige Beats geschenkt. Also, das Texten hätte er sich meiner Meinung nach auch sparen können. Ständiges „Warum nur ist die Welt so grausam“-Fragen mag ja schon als politisches Statement gelten, mir aber ist so eine naive „Why?“-Attitüde dafür dann doch ein bisschen zu dünne. Und auch musikalisch gibts nicht viel wirklich schönes, bleibt meist bloßes Selbstzitat von früherem. Nicht alles ganz schlecht, wirklich gut aber auch nicht.

Wenden wir uns deshalb anderen älteren Herrschaften zu, die einen, glaub ich fast, einfach nicht enttäuschen können. Die Rede ist von unser aller Dauerliebschaft The Fall. Da braucht man sich wirklich einfach Jahre bis fast Jahrzehnte nicht drum kümmern, hört dann mal wieder aus verschiedenen Ecken, das neue Album Fall Heads Roll (Sanctuary / Rough Trade) sei aber jetzt mal wieder besonders schön geraten, hört sich das an, und: haben sie einen wieder. Nur mal zum Beispiel der Siebenminutenhammer „Blindness“, der auf dem immergleichen Monsterbasslauf entlangrumpelt, Mark E. Smith nölt sich einen, wie immer halt und wie immer großartigst. Da fällt mir übrigens grad ein: eines der Dinge, die ich durch The Fall gelernt habe: der Zauber der Monotonie. Denkt man nicht sofort dran, aber dadurch haben die mir z. B. so Sachen wie Techno durchaus nahegebracht.

Septemberplatten 2005

Plattenseptember 2005 mit Sigur Rós, Finn und Audio BullysTreue Fans der Gruppe werden mir wahrscheinlich nicht zustimmen, aber Sigur Rós haben mit Takk (EMI) ihr bisher bestes Album gemacht. (Kann man sich übrigens hier anhören). Ihre Musik hat immer noch als wesentliche Elemente: hochgezwitscherte Sängersstimme auf zerdehnter Gitarre. In der Vergangenheit war’s das dann aber oft. – Stücke, lang wie in „Langeweile“, zu hauchdünnem Teig ausgerollt fürs ambiente Wohlgefühl.

Auf Takk sind die Tracks zwar immer noch kaum unter sechs Minuten, es kommen aber ein paar entscheidende Zuckerln hinzu. Zum einen wird der Sound durch jede Menge Klingklang aus Glöckchen und sonstigem Tand (hübschkitschigen Streichern zum Beispiel) angereichert und aufgehellt. Zum anderen, und wichtiger: es gilt nicht mehr die reine Zeitlupe. Vielmehr spielt innerhalb der Stücke jetzt Rhythmik wirklich eine Rolle und sie erhalten erzählerische Struktur. Songs, die immer noch hochpathetisch und schön sind, aber (endlich) mit Songcharakter. Takk (isländ. „Danke“) dafür.

Auf einer genealogischen Karte musikalischer Verwandschaftsgrade wären Finn und Sigur Rós nahe beieinander, Cousins mindestens. Das Kindchenschema-Cover seines zweiten Albums The Ayes will have it (Sunday Service) gibt schon einen Hinweis, wohin es geht: Rekursion auf verschüttete Zubettgeh-Gefühle, Halbschlafschönheiten. Was eine gewisse Manipulationskunst voraussetzt. Und die hat er drauf, der Finn. Man weiß, wie’s funktioniert, aber kann gar nicht gegen an – will es dann ja auch gar nicht.

Zum Schluss was ganz anderes: Das Kick-Arsch-Ding Generation (EMI) der Audio Bullys, deren Musik gerne unter „Hooligan House“ abgebucht wird, zeigt einmal mehr, dass noch jede britische Angeblich-Prollerei (siehe auch: The Streets, Goldie Lookin Chain) in Wahrheit schlicht auf Qualität beruht. Will Dich mitreißen und sonst nix, denn beim Tanzen hat Denken erstmal Sendepause, Alter. Das Album, das die Chemical Brothers dieses Jahr gerne gebracht hätten, aber nicht konnten.

The Chicago Tapes Project

Im Chicago Tapes Project werden gleich zwei Dinge miteinander vereint, für die wir hier eine gewisse Leidenschaft hegen: Das rechts zu sehenden Logo taucht als Stencil in den Straßen von Chicago auf. Damit werden sog. „Tape Stations“ markiert. Folgt man nämlich dem Pfeil, findet man dann dort jeweils ein Mixtape, dass man gegen sein eigenes austauscht und so eine Art Tapecrossing auslöst. Würde mich ja interessieren, wie gut das klappt. Jedenfalls: Lasst die Straßen tönen! Oder so.